Reporter ohne Grenzen schockiert über Journalistenmord in Kroatien

Reporter ohne Grenzen schockiert über Journalistenmord in Kroatien

Die Organisation Reporter ohne Grenzen ist schockiert über den Mord an dem Journalisten Ivo Pukanic und dem Manager Niko Franjic, die am Donnerstag voriger Woche durch eine Autobombe getötet wurden.

Pukanic, Besitzer und ehemaliger Redakteur der kroatischen Wochenzeitung “Nacional”, befand sich zusammen mit seinem Mitarbeiter Franjic auf dem Parkplatz vor dem Medienhaus NCL Media Group, als die Bombe explodierte. Bisher hat sich niemand zu dem Attentat bekannt. Auch die Polizei hat bisher noch keine öffentliche Stellungnahme abgegeben. In die Ermittlungen ist auch die serbische und bosnische Polizei mit einbezogen, ein Täterprofil wurde, basierend auf Aussagen mehrerer Augenzeugen, erstellt.


“Wir sind schockiert über dieses Attentat. Wir fordern die kroatische Regierung auf, die dringend notwendigen Untersuchungen über den Fall voranzutreiben, um die Motive für den Mord zu klären und die Täter zu verhaften, wie auch die Hintermänner”, so Rubina Möhring von den Reportern ohne Grenzen.

Das Attentat geschieht mitten in einer Phase erhöhter Gewaltbereitschaft in Kroatien. In der letzten Zeit gab es mehrere Morde, die auf Bandenkriege zurückzuführen sind. Nach mafiösen Gewaltverbrechen vor einiger Zeit mussten der Justizminister und der Innenminister das Amt niederlegen, da Verwicklungen in kriminelle Milieus vermutet wurden.

“Die organisierte Kriminalität erreicht in den Balkanländern ein unerträgliches Ausmass an Gewalt. Ohne Skrupel werdenJournalisten ermordet, die sich zu sehr in die Interessen Krimineller einmischen. Auch wenn der Kampf gegen Korruption vornehmlich von der Politik ausgehen sollte: die Presse ist und bleibt einer der wichtigsten Kommunikationskanäle in diesem Kampf, so Reporter ohne Grenzen.

“Ob in Kroatien oder gar innerhalb der Europäischen Union (Bulgarien, Italien): Journalisten werden aufrgund ihrer Arbeit attackiert und polizeiliche Ermittlungen sind nur in den seltensten Fällen erfolgreich. Das gibt den Kriminellen wiederum das Gefühl von Macht und Unverletzbarkeit”, so die Organisation.

Bereits im April diesen Jahres war Pukanic Opfer eines fehlgeschlagenen Mordattentates geworden, obwohl er zu diesem Zeitpunkt noch unter Polizeischutz stand. Dieser Schutz lief im August aus. 2003 veröffentlichte er ein Interview mit dem kroatischen Ex-General Ante Gotovina. Dieser befand sich zu jener Zeit auf der Flucht vor dem Internationalen Kriegsverbrechertribunal für Ex-Jugoslawien, das ihn für seine Verbrechen während des Serbo-Kroatischen Krieges 1991 suchte.

Kroatien belegt auf der Rangliste der Presefreiheit der Reporter ohne Grenzen 2008 Rang 45 von insgesamt 173 Ländern.

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