„Der Anschlag in Wien wäre verhinderbar gewesen“: Brisanter Podcast-Talk mit Islamismus-Experte Thomas Schmidinger

„Der Anschlag in Wien wäre verhinderbar gewesen“: Brisanter Podcast-Talk mit Islamismus-Experte Thomas Schmidinger

„Der Anschlag in Wien wäre verhinderbar gewesen“: Brisanter Podcast-Talk mit Islamismus-Experte Thomas Schmidinger

Entsetzen und Fassungslosigkeit sowie Solidaritätsbekundungen weltweit angesichts der Ereignisse in Wien. Bei einer islamistischen Terror-Attacke in der Innenstadt hat es vor kurzem vier Tote und 23 Verletzte gegeben. – RSF-Österreich-Präsidentin Rubina Möhring im Gespräch mit dem Politologen Thomas Schmidinger (Universität Wien). Der Anschlag wäre verhinderbar gewesen. “Er war offenbar nur durch das Versagen der Polizeibehörden, ganz besonders des BVTs (Anm.: Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung), möglich”, so Schmidinger.

Im Zuge der Ermittlungen zum Terroranschlag in Wien treten zunehmend Hinweise zutage, die darauf hindeuten, dass der mutmaßliche Attentäter einem länderübergreifenden Netzwerk der radikalislamischen Terrormiliz Islamischer Staat angehört haben könnte. Zentrale Rolle dürfte dabei ein deutscher Staatsbürger gespielt haben. – Ermittlungsergebnisse legen mittlerweile nahe, dass der Täter Opfer in religiösen Einrichtungen, etwa Kirchen, gesucht habe. Das sei das Ergebnis der sicherheitspolizeilichen Erhebungen, so Innenminister Karl Nehammer. Es werde daher verstärkt Schutz in Kirchen geben.

– Mehr und mehr werden zudem offenbare Behördenfehler im Zusammenhang mit dem Terror-Attentat bekannt, ein politischer Schlagabtausch dazu folgte. Laut dem Innenminister hatte der spätere Attentäter im Sommer Kontakt zu Personen, die im Auftrag des deutschen Verfassungsschutzes vom Wiener Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) überwacht wurden. Dennoch wurden damals keine Konsequenzen gezogen. Der Leiter des LVT Wien wurde abberufen. Nicht nur ausländische Behörden sollen das Bundesamt für Verfassungsschutz vor dem späteren Attentäter von Wien gewarnt haben, sondern auch das österreichische Heeresnachrichtenamt. Der bei dem Anschlag erschossene Mann soll als Mitglied des „albanischen IS-Portfolios“ beobachtet worden sein, berichtete das Onlinemagazin Zackzack.at. Demnach soll der Mann gemeinsam mit anderen IS-Sympathisanten eineinhalb Jahre lang vom Heeresnachrichtenamt beobachtet worden sein. Über die Ergebnisse soll auch das Bundesamt für Verfassungsschutz informiert worden sein. Das Innenministerium dementierte allerdings den Bericht der Recherche-Plattform. – In Wien wurden Moscheen geschlossen, in denen der mutmaßliche Attentäter verkehrte. Die Wochenzeitung “Falter” berichtete über einen Munitionskauf in Bratislava. Demzufolge habe ein slowakischer Waffenhändler die Behörden darüber informiert, dass zwei unbekannte Österreicher versucht hätten, Munition für Sturmgewehre zu kaufen. Beim Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung sei das Material aber mehr als einen Monat liegen geblieben, bevor es zum LVT gelangte. – Über mögliche Behördenfehler spricht Politologe Thomas Schmidinger mit RSF-Österreich-Präsidentin Rubina Möhring in dieser Spezialausgabe der Podcast-Reihe “Perspektiven ohne Grenzen” genauso wie über weitere, brisante Fragen: Wie sehr werden die Ereignisse die österreichische Gesellschaft nachhaltig prägen? Und wie ist die vielfach kritisierte Berichterstattung von Boulevardmedien wie “Österreich” (Veröffentlichung von Videos, auf denen zu sehen ist, wie auf Menschen geschossen wird) und Kronen-Zeitung im Zusammenhang mit dem Attentat zu sehen?


“Perspektiven ohne Grenzen” mit Thomas Schmidinger (veröffentlicht am 07.11.20):