RSF-Index der Pressefreiheit 2026: Österreich auf Platz 19 Posted on 30. April 20261. Mai 2026von Martin Wassermair Licht und Schatten im Aufwärtstrend verpflichten zur weiteren Stärkung von Journalismus und Medien Nach dem Aufatmen im Vorjahr, als die negative Entwicklung der Pressefreiheit umgekehrt werden konnte, setzt sich mit Platz 19 im RSF-Index 2026 der Aufwärtstrend für Österreich weiter fort. Das Ergebnis wurde wiederum anhand von fünf Indikatoren berechnet, die in den Details unterschiedlich zu bewerten sind (siehe Tabelle weiter unten). “Österreich hat im Gesamtergebnis 1,31 Punkte gut gemacht. Die Kurve zeigt also nach oben, wobei der Zuwachs von 2,40 Punkten im rechtlichen Kontext besonders auffällt”, erklärt Martin Wassermair, Generalsekretär von Reporter ohne Grenzen (RSF) Österreich. Er verweist auf Verbesserungen im allgemeinen Diskurs, der “nach zahlreichen Fällen von Korruption und Machtmissbrauch der kritischen Berichterstattung wieder mehr Wertschätzung entgegenbringt”. Präsident Fritz Hausjell sieht in der Gesamtbetrachtung des aktuellen Rankings sowohl Licht als auch Schatten und warnt vor allzu großer Zufriedenheit. “Der überfälligen Stabilisierung der ökonomischen Grundlagen von Medien und Journalismus wurde bislang nicht ausreichend Rechnung getragen, das schlägt sich nun mit geringeren Werten zu Buche, da weiter immer mehr Werbebuchungen von den journalistischen Medien zu den amerikanischen und chinesischen Digitalgiganten abfließen. In Anbetracht der aktuellen Anstrengungen zur Reform der Medienförderungen sollten die Werte des RSF-Rankings demzufolge ein wichtiger Anstoß sein.” Während die globalen Trends 2026 im Hinblick auf Justiz und Strafverfolgung ein düsteres Gesamtbild zeichnen, sticht in Österreich die Entwicklung der gesetzlichen Rahmenbedingungen besonders positiv hervor. Dazu trägt insbesondere bei, dass der Schutz des Journalismus vor Bedrohungen und Einschüchterungsversuchen, etwa durch SLAPP-Klagen, in Österreich wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt ist. Das am 1. September 2025 in Kraft getretene Informationsfreiheitsgesetz hat die Amtsverschwiegenheit beendet und eröffnet vor allem investigativen Recherchen neue Möglichkeiten. Ergänzend dazu wurden erste Schritte zur Umsetzung des Europäischen Medienfreiheitsgesetzes (EMFA) gesetzt, das unter anderem strengere Vorgaben zum Schutz vor politischer Einflussnahme sowie mehr Transparenz bei Eigentumsstrukturen und staatlicher Werbung vorsieht. Aus internationaler Perspektive vermitteln die Ergebnisse 2026 ausgerechnet zum Jubiläum einen mehrfach alarmierenden Eindruck: Erstmals in der Geschichte der von Reporter ohne Grenzen (RSF) veröffentlichten Rangliste zur Pressefreiheit befindet sich mehr als die Hälfte aller Länder weltweit in einer “schwierigen” oder sogar “sehr ernsten” Situation. Auffällig ist dabei, dass insbesondere eine immer restriktivere Gesetzgebung – häufig im Kontext der nationalen Sicherheitspolitik – das Recht auf Information zunehmend untergräbt. Davon sind längst nicht mehr nur autoritäre Staaten betroffen; auch viele Demokratien bleiben davon nicht ausgenommen. Der Indikator “Rechtliche Rahmenbedingungen” verzeichnet in diesem Jahr zudem den stärksten Rückgang, was auf eine zunehmende Kriminalisierung des Journalismus hindeutet. Auch auf dem amerikanischen Kontinent zeigt sich eine deutliche Verschlechterung: Die USA verlieren sieben Plätze (Rang 64), während mehrere lateinamerikanische Länder zunehmend in eine Spirale aus Gewalt und Repression geraten. Norwegen führt das Ranking hingegen bereits zum zehnten Mal in Folge an, während Eritrea seit drei Jahren das Schlusslicht bildet. Syrien verzeichnet nach dem Sturz von Präsident Assad im Jahr 2024 den größten Aufstieg im Ranking (+36 auf Rang 141). Anne Bocandé, Redaktionsdirektorin von RSF International, leitet vom historischen Tiefstand eine besondere Verantwortung der Zivilgesellschaft ab: “Die Schutzmechanismen sind nach wie vor zu schwach, das Völkerrecht bröckelt und die Straflosigkeit gedeiht. Es bedarf fester Garantien – und wirksamer Sanktionen. Der Ball liegt nun bei den Demokratien und ihren Bürgerinnen und Bürgern. Es liegt an ihnen, denen Einhalt zu gebieten, die das Schweigen organisieren. Denn die Ausbreitung autoritärer Tendenzen ist kein unabwendbares Schicksal.” Reporter ohne Grenzen (RSF) nimmt das Ergebnis 2026 für Österreich erfreut zur Kenntnis, sieht jedoch keinen Anlass, sich nun zufrieden zurückzulehnen. “Die aktuelle Weltlage führt täglich vor Augen”, macht Generalsekretär Wassermair deutlich, “dass Demokratie und Pressefreiheit enormen Bedrohungen ausgesetzt sind.” Die Rekordzahl getöteter Medienschaffender im Jahr 2025 muss eine globale Mahnung sein. Umso mehr ist Medienpolitik gefordert, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen, damit unabhängiger Journalismus nachhaltig abgesichert wird und Journalistinnen und Journalisten ihre berufliche Tätigkeit ungefährdet ausüben können. Vor diesem Hintergrund erinnert auch Fritz Hausjell daran, “dass zu Beginn des Berichtsjahres 2025 die Zeichen für die Entwicklung der Pressefreiheit noch deutlich nach unten zeigten. So hatte sich die mögliche Koalition aus FPÖ und ÖVP in ihren letztlich abgebrochenen Verhandlungen bereits früh auf eine staatliche und deutlich reduzierte Finanzierung des öffentlich-rechtlichen ORF geeinigt, ebenso wie auf ein Zitierverbot aus Vorerhebungsakten.” Den diesjährigen Platz 19 sieht der ROG-Präsident jedenfalls “als Ansporn, in den kommenden RSF-Rankings zumindest in die Top 10 aufzusteigen”, so Hausjell abschließend. Ergebnisse nach Indikatoren ÖsterreichPunkte 2026Punkte 2025EntwicklungRang 2026Entwicklung Gesamt79,4378,12+ 1,3119+ 3 Politischer Kontext74,3572,59+ 1,7623+ 1Ökonomischer Kontext65,0164,73+ 0,2820+ 3Rechtlicher Kontext84,3781,97+ 2,4013+ 7Sozio-kultureller Kontext79,0978,77+ 0,3226+ 4Sicherheit94,3192,55+ 1,7613 + 7 RSF Index 2026: Pressefreiheit auf tiefstem Stand seit 25 Jahren Methodik zur Erstellung des internationalen RSF-Pressefreiheitsindex Fotocredit: Tim Mossholder (Unsplash) (ROG 30-04-2026)
RSF Index 2026: Pressefreiheit auf tiefstem Stand seit 25 Jahren Posted on 30. April 20261. Mai 2026von Martin Wassermair Seit 2002 veröffentlicht Reporter ohne Grenzen (RSF) die Weltrangliste der Pressefreiheit. 25 Jahre später befinden sich mehr als die Hälfte aller Länder weltweit in einer “schwierigen” oder sogar “sehr ernsten” Lage. Noch nie war der durchschnittliche Wert der untersuchten Staaten so niedrig wie 2026. RSF Index 2026 – Weltkarte Pressefreiheit (PDF-Download) In einem Vierteljahrhundert hat ein zunehmend restriktives gesetzliches Instrumentarium, insbesondere im Kontext nationaler Sicherheitspolitik, das Recht auf Information nachhaltig untergraben – und das selbst in demokratischen Systemen. Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung im Indikator “Rechtliche Rahmenbedingungen”, der in diesem Jahr den stärksten Rückgang verzeichnet und damit auf eine wachsende Kriminalisierung journalistischer Arbeit hinweist. Journalistinnen und Journalisten werden nach wie vor wegen ihrer Arbeit getötet oder inhaftiert, die Formen der Einschränkung der Pressefreiheit unterliegen jedoch einem Wandel. Vor allem steckt der Journalismus selbst in einer tiefen Krise: Politische Rhetorik richtet sich zunehmend gegen Medienschaffende, ökonomische Schwächen setzen der Branche zu, und der strategische Einsatz von Gesetzen erhöht den Druck auf unabhängige Berichterstattung. Auf den Punkt gebracht: 2026 befinden sich mehr als die Hälfte der Länder weltweit (52,2 %) in einer “schwierigen” oder “sehr ernsten” Lage, während sie 2002 nur eine kleine Minderheit (13,7 %) ausmachten. Im Jahr 2002 lebten 20 % der Weltbevölkerung in einem Land, in dem die Lage der Presse als “gut” empfunden wurde. 25 Jahre später profitieren weniger als 1 % der Weltbevölkerung von dieser guten Lage. Die Kriminalisierung des Journalismus erreicht neuen Höhepunkt Der Wert des Indikators “Rechtliche Rahmenbedingungen” hat sich in mehr als 60 % der Länder verschlechtert, d.h. in 110 von 180 Staaten zwischen 2025 und 2026. Dies gilt beispielsweise für Indien, Ägypten, Israel oder auch Georgien. Die Kriminalisierung des Journalismus, die auf der Umgehung des Presserechts und dem Missbrauch von Ausnahmegesetzen oder allgemeinem Recht beruht, erweist sich als weltweites Phänomen. Fünfundzwanzig Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York ist die Ausweitung der Geheimhaltung im Verteidigungs- und Sicherheitsbereich in vielen Ländern zu einem Mittel geworden, um die Berichterstattung über Themen von allgemeinem Interesse zu unterbinden. Dieser Trend, der in autoritären Regimes besonders auffällig ist, hat sich auch in Demokratien stark ausgebreitet und geht mit einem Missbrauch von Gesetzen gegen Journalistinnen und Journalisten einher, der im Namen der Terrorismusbekämpfung erfolgt. Unter den Regimen, die gegen freie und unabhängige Medien vorgehen, hat sich das Russland unter Wladimir Putin darauf spezialisiert, Gesetze gegen Terrorismus, Separatismus oder Extremismus anzuwenden, um die Pressefreiheit einzuschränken. Im April 2026 sind 48 Journalistinnen und Journalisten inhaftiert, und diejenigen, die ihre Arbeit fortsetzen wollen, wurden ins Exil gezwungen – ohne jedoch der grenzüberschreitenden Repression entkommen zu können. Kriege und Einschränkungen des Zugangs zu Informationen In einigen Ländern lässt sich der allgemeine Rückgang durch bewaffnete Konflikte erklären, wie im Irak, im Sudan oder im Jemen. Die laufenden Kriege haben in diesem Jahr natürlich deutliche Auswirkungen, wie beispielsweise der Krieg in Palästina unter der Regierung von Benjamin Netanjahu (-4 für Israel), bei dem seit Oktober 2023 mehr als 220 Medienschaffende in Gaza von der israelischen Armee getötet wurden, davon mindestens 70 im Rahmen ihrer Arbeit, im Sudan (-5) oder auch im Südsudan (-9). Für andere bleibt die Lage aufgrund diktatorischer Regime unverändert. Dies ist der Fall in China, Nordkorea oder auch in Eritrea, wo der Journalist Dawit Isaak seit 25 Jahren ohne Gerichtsverfahren inhaftiert ist. Osteuropa und der Nahe Osten sind nach wie vor, wie schon seit einem Vierteljahrhundert, die beiden gefährlichsten Regionen für Journalisten. Davon zeugt die Platzierung von Wladimir Putins Russland, das seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine fortsetzt und unter den Ländern mit der schlechtesten Pressefreiheit stagniert (Rang 172). Der Iran (-1) befindet sich zwischen der Unterdrückung durch das Regime und dem von den USA und Israel auf seinem Boden geführten Krieg mit Rang 177 weiterhin am Ende des Rankings. Der amerikanische Kontinent im Griff politischer und sicherheitspolitischer Gewalt Seit 2022 ist der Rückgang im Ranking der 28 amerikanischen Länder (-14 Punkte) vergleichbar mit dem in den beiden für Journalistinnen und Journalisten gefährlichsten Regionen der Welt: Osteuropa und Zentralasien (EEAC) sowie der Nahen Osten und Nordafrika (MENA). In diesem Zusammenhang ist nicht zuletzt die Platzierung Russlands zu nennen, das seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine fortsetzt und unter den Ländern mit der schlechtesten Pressefreiheit stagniert (Rang 172). Trotz einiger Aufwärtstrends in den letzten Jahren, wie beispielsweise in Brasilien, lässt sich die jüngste Geschichte der Pressefreiheit auf dem Kontinent anhand zweier Tendenzen beschreiben: der Zunahme von Gewalt durch das organisierte Verbrechen und der Gewalt durch politische Kräfte. US-Präsident Donald Trump hat regelmäßige Angriffe auf die Medien und Journalismus zur systematischen Praxis gemacht, wodurch die Vereinigten Staaten in diesem Jahr auf Rang 64 (-7) zurückgefallen ist. Die Inhaftierung des salvadorianischen Journalisten Mario Guevara, gefolgt von seiner Ausweisung, trägt zur Verschärfung der Sicherheitslage bei, die ohnehin schon von gewaltsamen Polizeirepressionen geprägt ist. Der drastische Personalabbau bei der US-Auslandsmedienbehörde (USAGM) hatte zudem internationale Auswirkungen, da Medien wie Voice of America (VOA), Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL) oder Radio Free Asia (RFA) in Ländern, in denen sie teilweise die letzten zuverlässigen Informationsquellen waren, eingestellt, suspendiert oder reduziert wurden. Autoritäre Regime folgen in Lateinamerika dem Handbuch des US-Präsidenten gegen die Medien und verursachen gleichlautende Ergebnisse. Argentinien (-11) und El Salvador (-8) verzeichneten einen deutlichen Rückgang, der unter anderem mit der Verschlechterung politischer und sozialer Indikatoren zusammenhängt und einen Anstieg der Feindseligkeit und des staatlichen Drucks gegenüber der Presse signalisiert. RSF-Index der Pressefreiheit 2026: Österreich auf Platz 19 Methodik zur Erstellung des internationalen RSF-Pressefreiheitsindex (RSF 30-04-2026)
“Entpolitisieren Sie die Wiener Zeitung GmbH!” Posted on 24. Feber 202624. Feber 2026von Martin Wassermair Reporter ohne Grenzen richtet fünf Forderungen an Medienminister Babler anlässlich der Neubesetzung der Geschäftsführung Die im Eigentum der Republik stehende Wiener Zeitung GmbH ist aus Perspektive von Reporter ohne Grenzen (RSF) Österreich längst überfällig für Reformen. Die mit heute, 24. Februar 2026, endende Bewerbungsfrist für die Neubesetzung der Geschäftsführung bietet nun die Gelegenheit für einen Neustart, der vor allem mit einem Ende der parteipolitischen Einflussnahmen einhergehen muss. “Die nach der Einstellung der Wiener Zeitung geschaffene Konstruktion”, erklärt Generalsekretär Martin Wassermair, “widerspricht in mehrfacher Hinsicht den Grundsätzen eines unabhängigen Journalismus.” Die österreichische RSF-Sektion hat deshalb schon im September 2025 Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz eingebracht und leitet nun für die Neubesetzung der Geschäftsführung einen fünf Punkte umfassenden Forderungskatalog daraus ab. 1) Unabhängige Führung statt parteipolitischer Besetzungen Die Bestellung eines parteiunabhängigen Geschäftsführers erfordert ein transparentes Auswahlverfahren für die Nachfolge, mit einem öffentlichen Hearing der Shortlist und einem Auswahlverfahren unter Einbindung von Wissenschaft, Medienpraxis und Zivilgesellschaft. Zudem sind neue Modelle für Governance und Aufsicht öffentlich-rechtlicher Medien notwendig. 2) Rücklagen für die Medienbranche einsetzen Während große Teile der österreichischen Medienbranche unter wirtschaftlichem Druck stehen, verfügt die Wiener Zeitung GmbH weiterhin über 25 Millionen Euro laut Jahresabschluss 2024 aus früheren Amtsblatt-Einnahmen. Diese sollen zur Förderung der österreichischen Medienlandschaft Verwendung finden. 3) Keine Steuergelder für internationale Digitalplattformen RSF-Recherchen haben ergeben, dass die Wiener Zeitung GmbH seit dem Neustart 2023 mehr als eine halbe Million Euro für Werbung bei Instagram, YouTube, TikTok und Facebook ausgegeben hat. Es braucht einen vollständigen Stopp von Werbeausgaben staatlicher Medienunternehmen bei globalen Tech-Konzernen. 4) Klare Qualitätskriterien statt unverbindlichem “Public Value” Der gesetzliche Auftrag des Online-Nachfolgeprodukts WZ.at ist nicht präzise formuliert. Trotz hoher Ausgaben sind die Reichweiten vielfach gering geblieben. Beispielsweise wurden 261 Videos auf YouTube veröffentlicht im Jahr 2025 (1.1. bis 23.10.). Mehr als die Hälfte (153 Clips) erreichte weniger als 1.000 Aufrufe, knapp 15 Prozent schafften nicht einmal 100 Aufrufe. Auf der Haben-Seite stehen acht Videos mit mehr als 50.000 Aufrufen – auf TikTok sind es gar 125. Ein neues Wiener-Zeitung-Gesetz soll für klar definierte Qualitätsstandards sorgen und eine konsequente Ausrichtung aller Inhalte am öffentlichen Mehrwert sicherstellen. 5) Rückbau neuer Geschäftsfelder und vollständige Kostentransparenz Mit “Media Hub” inklusive Traineeships und der staatlichen “Content Agentur Austria” wurden die Geschäftsfelder der Wiener Zeitung GmbH deutlich ausgeweitet – allerdings ohne messbare Qualitätskriterien. Die bisherigen Beratungs-, Werbe- und Projektkosten sind aufzuklären und die genannten Aufgaben an etablierte externe Institutionen zu übertragen. Fritz Hausjell, Präsident von Reporter ohne Grenzen (RSF) Österreich, sieht Medienminister Andreas Babler in der Pflicht. “Es liegt in seiner Hand, ob Österreich ein unabhängiges öffentliches Medienunternehmen schafft oder ein politisch steuerbares Instrument behält.” Die anstehende Neubesetzung der Geschäftsführung der Wiener Zeitung GmbH bietet dafür den entscheidenden medienpolitischen Moment. “Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind jetzt zu reformieren und langfristige politische Einflussmöglichkeiten für immer zu beenden”, so Hausjell abschließend. Ausführlichere Informationen in der Langfassung Fotocredit: karstensfotos, Wikipedia, CC BY-SA 2.0, ed. (ROG 24-02-2026)
Offener Brief an Bundesjustizministerin Anna Sporrer Posted on 20. Feber 202620. Feber 2026von Martin Wassermair Wien, am 20. Februar 2026 Sehr geehrte Frau Bundesministerin Dr. Sporrer, Ende Jänner hat die Wochenzeitschrift „Falter“ im Zusammenhang mit dem Tod eines Häftlings gravierende Missstände in der Justizanstalt Hirtenberg aufgedeckt. Vergangene Woche wollte „Falter“-Chefredakteur Florian Klenk die Justizanstalt besuchen, um sich von den Haftbedingungen vor Ort ein Bild zu machen. Wie er uns mitgeteilt hat, wurde ihm aber der Zugang verweigert – mit der lapidaren Begründung, es gäbe laufendende Ermittlungen und zu wenig Personal. Das erscheint uns mehr als bedenklich. Der Staat hat die Verantwortung für Menschen, die sich im Strafvollzug befinden. Der Journalismus hat die Aufgabe, den Staat dabei zu kontrollieren und Missstände öffentlich zu machen. Die Frage nach einer menschenwürdigen Unterbringung ist – wie der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in seiner Entscheidung „Szurovecz gegen Ungarn“ klargestellt hat – eine Frage von erheblichem öffentlichen Interesse. Sie berührt zentrale Grund- und Menschenrechte und geht uns alle etwas an. Es ist daher nicht mit der journalistischen Freiheit (Artikel 10 der Europäischen Menschenrechtskonvention) vereinbar, wenn der Staat Recherchen zu diesem Thema behindert und Journalist:innen den Zugang zu Informationen verweigert, ohne dafür einen gewichtigen, in einer demokratischen Gesellschaft notwendigen Grund zu haben. Insbesondere laufende Ermittlungen, aber auch zu wenig Personal sind unserer Ansicht nach keine derartigen gewichtigen Gründe. Diese Behinderung journalistischer Arbeit ist umso gravierender, als sie kein isoliertes Ereignis darstellt. Erste Erkenntnisse aus dem „Monitor Journalismusfreiheit“ des Presseclub Concordia deuten auf ein strukturelles Problem hin: Die unzulässige Beschränkung des Informationszugangs wurde von Expert:innen ganz grundsätzlich als ein zentrales Problemfeld identifiziert. Als eine mögliche Ursache wurde genannt, dass in Teilen von Verwaltung, Justiz und Politik ein unzureichendes Verständnis für die Rolle und Funktion des Journalismus herrscht. Der aktuelle Fall bietet die Gelegenheit, deutlich zu machen, dass es Ihrerseits nicht an einem solchen Verständnis mangelt. Wir erwarten daher, dass Sie die Journalismusfreiheit achten und den verfassungsgesetzlich gewährleisteten Zugang zu Information sicherstellen – sowohl im vorliegenden Fall als auch überall dort, wo dies in Ihrem Verantwortungsbereich geboten ist. Mit freundlichen Grüßen Christa Zöchling, Andreas Koller _ Österreichischer Presserat _ Senatssprecher:innen Fritz Hausjell _ Reporter ohne Grenzen Österreich _ Präsident Walter Strobl _ Presseclub Concordia _ Rechtsdienst Journalismus
Informationsrechte im Krisenfokus Posted on 13. Feber 202613. Feber 2026von Martin Wassermair Internationale Konferenz über Pressefreiheit, Meinungsvielfalt und Menschenrechte Pressefreiheit, Meinungsvielfalt und Menschenrechte sind mittlerweile auch in EU-Mitgliedsstaaten mit illiberalen Regierungen konfrontiert, die das demokratische Gefüge zunehmend aus den Angeln heben. In diesem Zusammenhang müssen vor allem Ungarn, die Tschechische Republik sowie die Slowakei besondere Beachtung finden. “Im Hinblick auf die Entwicklungen in unseren Nachbarstaaten sehen wir es als wichtige Aufgabe”, erklärt Martin Wassermair als Generalsekretär von Reporter ohne Grenzen (RSF) Österreich, “journalistische Medien auch im eigenen Land gegen Angriffe, Diffamierungen und ökonomischen Druck abzusichern.” Am Freitag, 20. Februar 2026, lädt Reporter ohne Grenzen (RSF) Österreich unter dem Titel „Medienfreiheit ohne Grenzen?” zu einer internationalen Konferenz. In Kooperation mit dem Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien widmet sich die öffentlich und kostenfrei zugängliche Diskussionsveranstaltung dem Erfahrungsaustausch über Bedrohungen von Demokratie und Medienfreiheit sowie der Erörterung gemeinsamer Strategien für eine resiliente Mediendemokratie. Unter der Moderation von ROG-Vorstandsmitglied Barbara Tóth (Concordia-Preisträgerin 2025 in der Kategorie „Pressefreiheit“) erwarten die Teilnehmenden spannende Beiträge von renommierten Vortragenden: Beata Balogová (Chefkommentatorin, SME, Bratislava), Pavla Holcová (Chefredakteurin, investigace.cz, Prag), Edit Inotai (Centre for Euro-Atlantic Integration and Democracy, Budapest) und Antoine Bernard (Direktor Advocacy und Rechtshilfe, RSF, Paris). Fritz Hausjell, Präsident von Reporter ohne Grenzen (RSF) Österreich, betont, dass ein grenzüberschreitendes Bewusstsein für Medienfreiheit als konstitutives Menschenrecht immer wieder erkämpft werden muss. “Sie ist fundamentale Voraussetzung für demokratische Öffentlichkeiten. In einer Zeit, in der unabhängiger Journalismus in zahlreichen EU-Mitgliedsstaaten erheblichen politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen ausgesetzt ist, bietet unsere Konferenz eine Plattform für Austausch, Analyse und Netzwerkbildung zwischen Medienschaffenden, Wissenschaft und Zivilgesellschaft”, so Hausjell abschließend. Medienfreiheit ohne Grenzen?Internationale Debatte zu Informationsrechten im Krisenfokus Freitag, 20. Februar 2026, 14.00 – 18.00 UhrInstitut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien, Währinger Straße 29, Hörsaal 2, 2. Stock, 1090 Wien Konferenz in englischer Sprache – der Eintritt ist frei! Um Anmeldung wird gebeten unter: info@rog.at Weitere Informationen zu Konferenzprogramm und Vortragenden (ROG 13-02-2026)