Mutmaßlicher Mittäter des Mordes an Journalisten Gongadse verhaftet

Mutmaßlicher Mittäter des Mordes an Journalisten Gongadse verhaftet

Reporter ohne Grenzen (ROG) begrüßt die Ermittlungsfortschritte im Fall des getöteten Journalisten Georgij Gongadse  in der Ukraine. Am 21. Juli konnte der ehemalige Beamte Oleksij Pukatsch in einem Dorf im Norden des Landes festgenommen werden. Nach Angaben des Nationalen Sicherheitsdienstes hat Pukatsch die Tat gestanden. Er beschuldigt Vertreter der damaligen Regierung, ihn mit dem Mord beauftragt zu haben.

Der regierungskritische Journalist Georgij Gongadse wurde im September 2000 unter bisher ungeklärten Umständen ermordet. Zum Tatzeitpunkt war Pukatsch Leiter des Auslandsgeheimdienstes im Innenministerium.

„Die Verhaftung Oleksij Pukatschs ist ein entscheidender Fortschritt in dem Fall, der bisher exemplarisch für die Straflosigkeit in der Ukraine stand. Die Behörden müssen nun zügig Ermittlungen gegen die von Pukatsch beschuldigten Regierungsvertreter einleiten und ihre Namen veröffentlichen”, fordert ROG.


Der stellvertretende Chef des ukrainischen Geheimdienstes SBU, Vassil Grjzak, gab gestern bekannt, dass Pukatsch in einem Dorf nahe der Stadt Schytomyr im Norden des Landes aufgegriffen wurde und die Tat mittlerweile gestanden habe. Außerdem habe er die Namen der Regierungsmitglieder genannt, die ihn mit dem Mord beauftragt hatten. Zur Veröffentlichung der Namen sei jedoch nur der Generalstaatsanwalt befugt.

Hinweise auf die Identität der Auftraggeber des Mordes könnten auch die geheimen Mitschnitte von Mikola Melnischenko geben. Der oberste Gerichtshof in Kiew hatte am 12. Juni entschieden, die Aufnahmen des Leibwächters des ehemaligen Präsidenten Leonid Kutschma für die Ermittlungen zuzulassen.

Der ukrainische Staatschef Viktor Juschtschenko begrüßte die Festnahme Pukatschs. Er fügte hinzu, dass der Sicherheit Pukatschs höchste Priorität beigemessen werde und der Leiter des SBU persönlich für dessen Schutz zuständig sei. Der Präsident hatte versprochen, den Fall während seiner Amtszeit aufzuklären.

Die Anwältin der Witwe Gongadses, Valentina Telitschenko, zeigte sich derweil skeptisch, dass die Auftraggeber nun tatsächlich zur Rechenschaft gezogen werden. „Die Festnahme Pukatschs bietet leider keine Gewähr für die Aufklärung des Verbrechens. Wir fürchten, dass nun enormer politischer Druck auf den Staatsanwalt ausgeübt und damit das juristische Verfahren beeinträchtigt wird”, sagte sie gegenüber ROG.

Ukrainischen Berichten zufolge will Pukatsch den Behörden auch die Stelle nennen, an der der Kopf Gongadses vergraben wurde. Die kopflose Leiche wurde zwei Wochen nach der Entführung Gongadses am 16. September 2000 in einem Wald in der Nähe der Hauptstadt Kiew gefunden.

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