Gewaltwelle gegen Journalisten in Rom

Gewaltwelle gegen Journalisten in Rom

Journalisten werden in der italienischen Hauptstadt seit Anfang November zunehmend bedroht. Hinter den vermehrten Gewaltausbrüchen und Drohungen gegenüber Journalisten sieht die Organisation Reporter ohne Grenzen eine Einschüchterungskampagne von rechtsextremen Gruppierungen.

Erst kürzlich war die  Fernsehreporterin  des Nachrichtenprogramms TG 1, auf dem staatlichen Sender RAI 1, Alessandra Di Tommaso , sowie ihr Kameramann während Dreharbeiten im römischen Vorort Il Trullo von maskierten Jugendlichen bedroht und beleidigt worden, bis sich das Team entschied, den Drehort unter Polizeischutz zu verlassen.


Bei dem geplanten Bericht handelte es sich um eine Reportage über rassistisch motivierte Gewaltverbrechen von jungen Italienern auf Immigranten. Der Anlass war die Inhaftierung von fünf jugendlichen Bewohnern des Viertels wegen Diebstahls und rassistischer Übergriffe am Tag zuvor.

Reporter ohne Grenzen fordert die italienische Regierung zu schärferem Eingreifen und intensiveren Nachforschungen über Ursachen, Hintergründe und Verantwortliche für die vermehrten Übergriffe auf Journalisten auf. „Schon die Mafia hat in Italien ein nicht zu akzeptierendes Maß an Bedrohung für diejenigen geschaffen, die über sie berichten. Italien darf nicht zulassen, dass politische Bewegungen Gewalt gegen Medien ausüben – denn diese arbeiten im öffentlichen Interesse”, so Rubina Möhring von Reporter ohne Grenzen.

„Der brutale Übergriff das Journalistenteam von TG1 zeigt einmal mehr, in welch bedrückendem sozialen Klima sich diejenigen in Italien befinden, die die Öffentlichkeit zu informieren versuchen”, meinte ein Sprecher des italienischen Journalistenkommittees zu dem Vorfall.
 
Drei Tage zuvor hatten Rechtsaktivisten das Auto von Concita De Gregorio, dem Herausgeber der landesweiten Tageszeitung L’Unita beschädigt. Auf dem Auto waren mit schwarzer Farbe die Worte „De Gregorio: Stop mit dem Hass und den Lügen” gesprayt worden. Unterzeichnet hatte eine Gruppe namens Forza Nuova.

Ebenfalls in Rom beschädigt worden war das Auto des Journalisten Santo della Volpe vom Nachrichtenprogramm TG3 des staatlichen Senders RAI 3. Unter anderem sprayten rechtsradikale ein keltisches Kreuz auf sein Auto, unterzeichnet war mit den Buchstaben T.S., den Initialen von Neofaschisten.

Am 3. November sendete RAI 3 Filmmaterial von Studentendemonstrationen auf dem römischen Platz Pizza Navona. Die Gesichter von einigen rechtsextremen Aktivisten waren auf dem Filmmaterial deutlich zu erkennen. Daraufhin stürmten gegen Mitternacht etwa 40 Personen das Sendegebäude, um gegen die Veröffentlichung des Materials zu protestieren. Zahlreiche Telefonanrufer bedrohten den Sender ebenfalls.

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