USA : Reporter ohne Grenzen empört über gewalttätige Ausschreitungen gegenüber JournalistInnen in Charlottesville

charlottesvilleReporter ohne Grenzen (ROG) verurteilt die gewalttätigen Angriffe gegen JournalistInnen während der Berichterstattung über die „Unite the Right“-Demonstration und protestiert folgendes Wochenende in Virginia. Während der Veranstaltung sind mindestens vier JournalistInnen ins Gesicht sowie mit Schlagstöckern geschlagen worden und mit Urin bespritzt worden.

„Dass Berichterstattung zunehmend auch in westlichen Staaten wie der USA durch Gewalt behindert wird, ist schon ein starkes Stück. Gerade Journalistinnen und Journalisten sollten sich während der Berichterstattung bei Demonstrationen eigentlich sicher fühlen können“, mahnt Rubina Möhring von Reporter ohne Grenzen Österreich.

Auch Delphine Halgand, Direktorin der nordamerikanischen ROG-Abteilung, betont, dass solch brutale Angriffe leider nicht ungewöhnlich sind: „Beispielsweise wurde im Mai der Guardian-Journalist Ben Jacobs von einem Kandidaten für den republikanischen Kongress angegriffen, und auch während der BlackLivesMatter-Proteste wurden JournalistInnen zu Boden geworfen.“

JournalistInnen aus allen Ecken des Landes sind nach Charlottesville, Virginia, gereist, um über die Proteste zu berichten, an denen hunderte von Rechtsextremen und auf der anderen Seite AnftifaschistInnen teilgenommen hatten. Viele Nachrichtenhäuser wie The Daily Progress“ hatten sich bereits seit Monaten auf gewalttätige Ausschreitungen eingestellt und vorbereitet.

Taylor Lorenz, eine Journalistin der Zeitung „The Hills“, versuchte das Geschehen nach dem Attentat zu streamen, als sie plötzlich von einem Demonstranten mit den Worten „Stop the fucking recording“ angeschrien, ins Gesicht geschlagen wird und ihr Smartphone zu Boden geworfen wird. Der Täter, Jacob L. Smith, wurde festgenommen und wegen Körperverletzung bestraft. Als Lorenz danach ein Video machte, wurde sie von einer Gruppe mit den Worten „Don´t snitch, media bitch!“ beschimpft.

Die Korrespondentin und Journalistin Katie Couric berichtet, dass zwei ihrer Produzenten, die für ihre kommende National Geographic-Serie in Charlottesville vor Ort waren, mit Urin bespritzt worden seien.

Am darauffolgenden Tag filmte ein CBS 6-Fotojournalist eine antirassistische Gegendemonstration in Richmond, als ein Demonstrant ihn aufforderte, sofort das Filmen zu unterlassen. Als der Journalist antwortete „Ich kann machen, was immer ich will, geh‘ mir aus den Augen“, wurde sein Smartphone aus der Hand geworfen und er selbst mit einem Stock geschlagen. Er musste ins Krankenhaus gebracht und seine Kopfverletzung genäht werden.

Reporter ohne Grenzen erinnert JournalistInnen daran, bei Protesten besondere Vorsicht walten zu lassen. ROG’s „Safety Guide for Journalists“, die in Zusammenarbeit mit der UNESCO veröffentlicht wurde, beinhaltet Regeln und Ratschläge für die Arbeit in größeren Menschenmengen, Demonstrationen und Ausschreitungen.

PHOTO CREDIT: ANDREW CABALLERO-REYNOLDS / AFP