To Whoever Listens

To Whoever Listens

Blog von Rubina Möhring

Im Irak wurde der Starmoderator Hadi Al-Mahdi ermordet – unter den Mächtigen des Landes hatte er mehr Feinde als Freunde

Zehn Jahre 9/11 – der Anschlag auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001 – sind würdevoll abgefeiert. Gut so. Damals wie heute war das Ganze ein einziger Medienhype. Wochenlang konnten wir in den Medien lesen, hören, sehen, was damals geschah. Wir wurden über Hintergründe informiert, über Realpolitik und Verschwörungstheorien, über neue, vertrauenswürdige Flugsicherheiten, über entsprechende Überwachungspraktiken. Sicherheitspolitik ist in, Menschenrechte sind out. Nun wissen wir alles, oder – angesichts der gehabten Informationsflut – auch nichts.


Am 8. September, drei Tage vor 9/11 wurde in Bagdad der populäre Journalist Hadi Al-Mahdi in seiner Wohnung ermordet aufgefunden. Zweifacher Kopfschuss. Reporter ohne Grenzen geht von politischen Motiven aus. Hadi Al-Mahdi, Moderator der Talkshow “To Whoever Listens” auf Radio Demozy 104.1FM war ein kritischer Geist. Wer seinen gewaltsamen Tod initiiert hat, ist noch unklar.

Hadi Al-Mahdi, 44 Jahre alt und verheiratet mit einer Kurdin, war bekannt für seine exakten Recherchen und Unbestechlichkeit. Selbst Politiker, weder der Premierminister des Landes noch dessen Gegner, waren vor Al-Mahdis Kritik sicher. Der Journalist nahm sich kein Blatt vor den Mund, er berichtete über irakische Korruptionsnetzwerke ebenso wie über das desolate Schulsystem, über Reichtum und Armut, über Glück und Unglück. Auch deshalb war seine Talkshow die meist gehörte im Land. Er war der Star unter den irakischen Journalisten und als solcher auch über die Grenzen des Landes bekannt. Im vergangenen Jahr widmete ihm sogar die “New York Times” ein Portrait.

1989, kurz nach seinem Universitätsabschluss, war Hadi Al-Mahdi über Syrien nach Schweden geflohen. Dort arbeitete er bei einem arabisch-sprachigen Sender. Erst vor vier Jahren kehrte er in den Irak zurück. 2008 trat er bei dem unabhängigen Sender Radio Demozy ein und wurde mit seiner Sendung zum Liebling der Nation, zumindest in der Bevölkerung. Ihm war durchaus bewusst, dass er unter den Mächtigen des Landes mehr Feinde als Freunde hatte.

Aufgrund seiner Berichterstattung über eine Demonstration, die am 25. Februar auf dem Tahrir Platz in Bagdad stattgefunden hatte, wurde Hadi Al-Mahdi gemeinsam mit drei anderen Journalisten inhaftiert, verprügelt und gefoltert. Auch nach seiner Freilassung erhielt er ständig anonyme Drohungen. Hadi Al-Mahdi wusste, dass er in Gefahr war, dennoch blieb er seinen journalistischen Prinzipien treu. Zwei Tage bevor er ermordet wurde erwähnte er gegenüber Freunden, dass etwas Schreckliches passieren könnte.

Hadi Al-Mahdi ist der siebente Journalist, der seit Anfang dieses Jahres im Irak getötet wurde. Genau einen Monat zuvor hatte übrigens das Parlament in Bagdad ein neues Gesetz zum Schutz von Journalisten verabschiedet.

Seine Sendung “To Whoever Listens” ist nun verwaist. Wer nimmt bei uns zur Kenntnis, wenn JournalistInnen wie Hadi All Mahdi ermordet werden? In Bagdad hat sein gewaltsamer Tod die Menschen erschüttert, der Rest der Welt war gefangen im 9/11-Rausch. In einem halben Jahr kommt übrigens mit dem 11. März der nächste Hype auf uns zu: 3/11 im Doppelpack – acht Jahre Terroranschläge im Bahnhof von Madrid und ein Jahr Fukushima.

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