Russland: Journalist der Nowaja Gazeta flieht nach Morddrohungen von Polizeichef ins Exil

Russland: Journalist der Nowaja Gazeta flieht nach Morddrohungen von Polizeichef ins Exil

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Wegen eines kritischen Textes über ihn und seine Behörde hat Alexander Bastrikin, Chef der Obersten Ermittlungsbehörde (vergleichbar mit dem amerikanischen FBI) dem Journalisten Sergej Solokov (stellvertretender Chefredakteur der unabhängigen Zeitung „Nowaja Gazeta“) mit Mord gedroht. Dieser ist mittlerweile ins Ausland geflohen.

Reporter ohne Grenzen (ROG) ist schockiert über das Verhalten von Alexander Bastrikin. “Ironischerweise ist Bastrikin als einer der ranghöchsten Polizeioffiziere des Landes auch mit der Aufklärung des Mordes an Anna Politowskaja (ebenfalls eine Journalistin der “Nowaja Gazeta”, die 2006 ermordet wurde, Anm.) beauftragt. Nun hat er einem Journalisten der gleichen Zeitung, einem Symbol für unabhängigen Journalismus in Russland schlechthin, mit Mord gedroht.”


Bereits fünf Journalisten der “Nowaja Gazeta” sind aufgrund ihrer Arbeit bereits ermordet worden. „Diese Zeitung hat einen hohen Preis bezahlt für ihr journalistisches Selbstverständnis, das von Unabhängigkeit und kritischer Berichterstattung geprägt ist. Um so schockierender ist es, dass Bastrikin, anstatt die Täter zu finden, sich nun auf die Seite der Mörder stellt”, so ROG weiter.

In einem offenen Brief warf Dmitri Muratow, Chefredakteur der “Nowaja Gazeta”, am 13. Juni Bastrikin vor, er habe Solokov bei einem “verstörenden” Mann-zu-Mann Treffen in einem Wald am 4 Juni damit gedroht, er werde ihn umbringen lassen. Muratow kündigt auch gerichtliche Schritte gegen Bastrikin an.

Auslöser für die Drohungen war ein Artikel Solokovs am 4. Juni, in dem er kritisierte, dass ein ehemaliger parlamentarischer Abgeordneter der Region Krasnodar zu lediglich einer geringen Geldstrafe verurteilt wurde. Der ehemalige Abgeordnete hatte eine kriminelle Gruppe gedeckt, die für 12 Morde im Jahr 2010 verantwortlich gemacht wird. Solokov beschuldigte auch General Bastrikin, mit dieser Gruppe zu kooperieren.

Der Journalist entschuldigte sich zwar während einer öffentlichen Diskussion mit Bastrikin für seine harschen Worte, dieser nahm die Entschuldigung jedoch nicht an. Nach der Veranstaltung zwangen zwei von Bastrikins Bodygards Solokov in einen Wagen und brachten ihn an einen Wald am Rande von Moskau. Dort habe Bastrikin ihn nicht nur bedroht, sondern auch seine unmissverständliche Meinung zum Fall Anna Politowskaja und der Zeitung „Nowaja Gazeta” klargemacht. Sollte Solokov etwas passieren, sei er derjenige, der die Ermittlungen leite, soll Bastrikin zu dem Journalisten gesagt haben.

Die Oberste Ermittlungsbehörde, deren Chef Bastrikin ist, gab bisher keine Stellungnahme zu dem Vorfall an Reporter ohne Grenzen ab.

Vor dem Gebäude der Behörde kam es zu Demonstrationen von Unterstützern Solokovs und der „Nowaja Gazeta”. Dabei kam es zu Festnahmen weiterer Journalisten.

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