James Murdoch geht, das Imperium lebt

James Murdoch geht, das Imperium lebt

Verantwortlich für die unverzeihlichen journalistischen Fehltritte bei “Sun” und “News of the World” war auch Little Murdoch

Blog von Rubina Möhring

Der Schaden, den das britische Revolverblatt “Sun” und die mittlerweile eingestellte “News of the World” verursacht haben, ist für journalistische Glaubwürdigkeit unermesslich, die Inszenierung des Abgangs des Chefs vordergründig perfekt: James Murdoch, der Junior, zieht sich aus den Führungsgremien des Londoner Zeitungskonzerns “News Corp” zurück. Paukenschlag oder Notbremse?

Little Murdoch ist der 39-jährige Sohn und Hoffnungsträger des alternden australisch-amerikanischen Medien-Tykoons Rupert Murdoch, der bekanntlich auch den britischen Medienmarkt maßgeblich beherrscht. Anlass für den Junior-Rücktritt sind die infamen Recherche-Praktiken Konzerneigener Medien.


“Inglorious Bastard” der Medienszene

Der “Guardian” nennt James Murdochs Schritt einen “ignominous”, einen schmachvollen Ausstieg. Dies vor allem angesichts der erdrückenden Beweislast in den Korruptions- und Abhörskandalen rund um die widerrechtlichen “Recherche-Praktiken” des mittlerweile eingestellten Boulevardblatts “News of the World”. James Murdoch, der einst alert-smarte, erfolgsbewusste Sunnyboy der internationalen Medienszene trägt plötzlich das Stigma eines “Inglorious Bastards”.

Schritt für Schritt kommt vielleicht nicht alles, aber doch sehr vieles an den Tag. Murdoch-Redakteure recherchierten dank eines speziellen Redaktionsbudgets per Schmiergeldern bei Polizei, Militär, Justiz, im Gesundheitswesen und selbst bei der Regierung. Von “Zugeldern” bis zu 95.000 Euro ist die Rede. Widerlich.

Ein Verfall der Sitten

Die Untersuchungen lassen vermuten, dass Zahlungen in allen Bereichen des öffentlichen Lebens geleistet wurden und dass es bei den Murdoch-Medien eine “Kultur illegaler Zahlungen” gegeben hat, gibt vor Gericht Scotland Yard zu Protokoll. Zumindest die Polizei zeigte sich im Gegenzug nobel erkenntlich, und stellte der damaligen “News of the World”-Chefin Rebekkah Brooks ein Polizeipferd für private Ausritte zur Verfügung. Ein Verfall der Sitten also auch bei den Behörden, möglicherweise als Symptom einer Gesellschaft per se. Ekelhaft.

Als “Murder Press” könnte der Murdoch-Konzern in die Annalen der britischen Mediengeschichte eingehen. Derzeit bemüht sich der Konzern, sich in Vergleichen mit den Opfern seiner illegalen Abhörstrategie freizukaufen. Geld gegen erlittenes Leid. Auch Vergleiche sind Schuldzugeständnisse. Verantwortlich für diese unverzeihlichen journalistischen Fehltritte war auch Little Murdoch.

James Murdoch geht, das Medienimperium lebt. Murdoch junior klinkt sich jedoch nur vordergründig aus dem britischen Markt aus. Nicht von heute auf morgen sondern längst geplant und wohlüberlegt. Der Firmensitz von News Corp. ist in den USA angesiedelt. Dort betreibt der Murdoch-Konzern den ultrarechten Sender Fox. Selbst Bestechungsaffären jenseits der USA können extrem hohe Strafen und einen ebensolchen Imageverlust nach sich ziehen. Fox muss angesichts der bevorstehenden US-Wahlen unbeschadet bleiben. Klar doch.

Keine Existenzängste

Unter Existenzängsten hat James Murdoch nicht zu leiden und News Corp. bleibt trotz seines taktischen Rücktritts weitgehend unter familiärer Observanz. Die Murdochs halten zwar nur zwölf Prozent der Anteile an News Corp, dennoch haben sie mit zwei Fünftel Mitspracherechte. Nicht schlecht. Harold James, Professor an der renommierten US-Universität Princeton, nennt das Murdoch-System schlicht Familienkapitalismus. Am 11. März feiert Vater Rupert Murdoch seinen 81. Geburtstag. Happy Birthday.

Gut, dass künftig auch in Österreich mediale Eigentümerverhältnisse klar gelegt werden sollen. Dann wissen wir wenigstens defintiv, was Sache ist und wer wo in Sachen Medienkapitalismus jedweder Art das Sagen hat. Nicht gemunkelt sondern schwarz auf weiß.

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