Hacker übernehmen das Informationszepter – WikiLeaks hat sich ins Out manövriert

Hacker übernehmen das Informationszepter – WikiLeaks hat sich ins Out manövriert

Die weiße Weste ist verdreckt, da hilft auch die beste Reinigungsfirma nicht mehr

Blog von Rubina Möhring

     
Nun haben wir den Salat. WikiLeaks’ Vertrauenswürdigkeit ist verspielt. Statt besonnen nur solche Dokumente zu veröffentlichen, aufgrund derer keine Menschen gefährdet werden, ist nun wahllos das gesamte Archiv im Netz nachzulesen. Von Datenschutz ist keine Rede mehr. Vor allem für engagierte Informanten in autoritären Staaten ist das bitter. Warum, fragt man sich, musste das passieren. Das passt doch gar nicht zu dem ursprünglichen Anspruch der Betreiber der Plattform, Informations-Saubermänner sein zu wollen. Die weiße Weste ist verdreckt, da hilft auch die beste Reinigungsfirma nicht mehr. WikiLeaks hat sich ins Out manövriert.   

Nerven weg geschmissen, sagen die einen. Der Druck der Politik sei zu stark gewesen, die Hetzjagd auf den Gründer Julian Assange zu zermürbend, sein persönlicher Ehrgeiz zu hochfliegend, ebenso der seiner Mitstreiter. Intern ging die einstige Vertrauensbasis flöten: Kampf aufs Messer, und zwar jeder gegen jeden, war irgendwann angesagt. Menschliches Versagen also. Sieger in diesem Nervenkrieg waren die Regierungen. Nur ist der Schuss nach hinten losgegangen.

Totale organisatorische Überforderung, meinen andere. Tatsächlich war Wikileaks ein informationstechnisches Versuchskaninchen gepaart mit hohem moralischem Anspruch aber ohne jede Kenntnis interner Strategiemechanismen. Darüber ist WikiLeaks nun gestolpert. Längst jedoch wurden inzwischen genügend andere Info-Plattformen aus dem Hut gezaubert.
 


Hacker sind da am Werk, die zunächst spielerisch ausprobieren, wie weit sie gehen und Netzwerke jedweder Art manipulieren können. IT-Natives, wie sie schon Stieg Larsson vor gut zehn Jahren in seiner Krimi-Triologie beschrieben hat. Das Rezept ist einfach: man verfüge über hohes technologisches Wissen, eine deftige Prise Anarchie und ganz viel Spaß an Machtbewusstsein.

Manche dieser Hacker waren zunächst gesellschaftliche Outcasts, die ihre Dienste zum illegalen Herunterladen von Programmen anboten. Nicht nur dies. Sie lieferten auch Anleitungen für die ebenfalls illegale Nutzung von Programmen und für den allgemeinen Zugang zu geheimen Daten.

Inzwischen haben nicht wenige dieser Internet-Anarchos der ersten Stunde flugs die Seite gewechselt und stehen als Berater für Cybersicherheit im Dienste von Regierungen und Wirtschaftsmultis. Heute sind sie hoch qualifizierte Experten, die hoch im Kurs stehen. Ihre Karrieren verlaufen völlig diametral zu den üblichen Bildungsprogrammen. Sie haben nun in vielen Bereichen das Informationszepter in der Hand.

Das Internet-Kollektiv Anonymous ist da schon etwas Anderes. Anonymus versteht sich nicht als Gruppe sondern als Idee und als Internetpiraten. Als solche funkten diese erfolgreich bei Scientology hinein, bei Visa und Mastercard aber auch bei SPÖ, FPÖ und der GIS. Als nächstes ist Facebook im Visier. “We do not forgive” tönt ein Anonymous via Youtube. Unverzeihlich sei die Zusammenarbeit von Facebook mit offiziellen Stellen. Für 5. November ist das Ende des sozialen Netzwerkes angesagt.

Was machen wir dann? Schauen wir halt wieder fern und warten darauf, dass Politiker, wie jüngst in London, versehentlich Geheimdokumente vor die Kamera halten. Die Generation der IT-Nonnatives sieht ziemlich alt aus.

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