“Afrika und Europa – Plädoyer für ein Ende der Unterstützung autokratischer Regime”

“Afrika und Europa – Plädoyer für ein Ende der Unterstützung autokratischer Regime”

Wiener Vorlesung am 25. Februar 2013

Wiener Rathaus, Festsaal, Feststiege I
Lichtenfelsgasse 2
1010 Wien

19 Uhr

Moderation: Margit Maximilian, ORF-Journalistin und Vorstandsmitglied von Reporter ohne Grenzen

Es diskutieren:

Dr. Asfa-Wossen Asserate (Unternehmensberater, Autor, Äthiopien):

Für die Politik und Wirtschaft des Westens hat Afrika bis vor Kurzem kaum mehr eine Rolle gespielt. Der Kontinent war marginalisiert. Scheinbar aufgegeben. Man beschränkte sich weitgehend auf die sicher wichtige Katastrophenhilfe. Inzwischen gibt es tatsächlich Hoffnung für einige Länder. Afrika ist nicht mehr die amorphe Masse, der schwarze Elendskontinent, sondern eine Gegend, in der sich nun einiges bewegt. Das große Engagement Chinas in den letzten zehn Jahren hat sicherlich einiges dazu beigetragen. Der Westen gerät deshalb immer wieder in die Gefahr, die eigenen Wertmaßstäbe in Afrika angesichts der Konkurrenz durch China zu verraten, weil er den Chinesen nicht diese profitablen Nischen mit bis dahin geächteten Diktatoren und korrupten Regierungen kampflos überlassen möchte. Ich jedoch bin davon überzeugt, dass es in Afrika keine nachhaltigen Entwicklungen ohne Rechtstaatlichkeit und Rechtsicherheit geben kann.

Botschafterin Brigitte Öppinger-Walchshofer (Pretoria):

Es mag zwar richtig sein, dass viele afrikanische Länder bestenfalls “Fassadendemokratien” sind, gleichzeitig stehen diese Regierungen jedoch einer zunehmend kritischen Zivilgesellschaft und Medienöffentlichkeit gegenüber, die Menschenrechtsverletzungen und Korruption anprangern und eine bessere Regierungsführung einklagen. Viele Staaten weisen hohe ökonomische Wachstumsraten und Fortschritte bei der Armutsminderung auf. Die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit wird sich weiterhin in ihren Partnerländern engagieren und jene Kräfte unterstützen, die sich für Demokratie und Menschenrechte einsetzen, aber auch für eine wirtschaftliche Entwicklung, die unsere Partnerländer aus der Armut führt.

Univ. Prof. Walter Sauer (Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte Uni Wien):

Afrika und Europa – eine Geschichte von Sklaverei, Ausbeutung, Rassismus und gegenseitigen Vorurteilen. Viele dieser Faktoren erweisen sich auch für die Gegenwart als prägend. Trotz Unabhängigkeit ist Afrika für Europa ein kostengünstiges Rohstoffreservoir geblieben. Weltwirtschaftliche Rahmenbedingungen und politische Interventionen berauben den Kontinent der Möglichkeit einer selbstbestimmten, autarken Entwicklung. Die Folge ist armutsbedingte Emigration. In einem selbstkritischen Diskurs, der sich über die Rolle Europas in der Welt Rechenschaft gibt, stellt sich daher die Frage: Sollen weiterhin kolonialistische Seilschaften, autokratische Eliten oder wirtschaftliche Profitinteressen das Verhältnis zwischen Afrika und Europa bestimmen – oder Solidarität und ein gemeinsames Streben nach einer gerechteren Welt?

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