Internationaler Frauentag: Mehr Schutz für Journalistinnen bei Online-Angriffen!

Was Redaktionen innerhalb der ersten 24 Stunden nach einem Online-Angriff tun sollten

Online-Angriffe richten sich unverhältnismäßig oft gegen Journalistinnen, insbesondere gegen diejenigen, die über Geschlechterfragen, Frauenrechte und geschlechtsspezifische Gewalt berichten. Die meisten dieser Belästigungen erfolgen in Form von sexistischen, sexualisierten und bedrohlichen Nachrichten, die die psychische Gesundheit, die körperliche Unversehrtheit und den beruflichen Ruf von Journalistinnen ernsthaft schädigen können.

Eine schnelle, koordinierte Reaktion der Redaktionen innerhalb der ersten 24 Stunden ist entscheidend, um die Situation zu stabilisieren, eine Eskalation zu verhindern und die Journalistin zu unterstützen.

Reporter ohne Grenzen (RSF) empfiehlt Redaktionen, kurz nach Online-Angriffen u.a. folgende praktische Schritte zu befolgen:

Sichern Sie alle Geräte und Online-Konten: Aktualisieren Sie sofort die Passwörter für E-Mail-, Social-Media- und Arbeitskonten. Aktivieren Sie nach Möglichkeit die Zwei-Faktor-Authentifizierung. Stellen Sie sicher, dass die Geräte sicher sind, und beschränken Sie die öffentliche Zugänglichkeit sensibler persönlicher oder beruflicher Informationen. Die Website RSF Resources for Journalists bietet praktische Leitlinien zu digitalen Sicherheitsmaßnahmen.

Bieten Sie psychologische Unterstützung an: Bieten Sie Beratung, Traumabehandlung und Zugang zu Fachleuten für psychische Gesundheit an. Geben Sie der Journalistin Zeit und Raum, um den Angriff zu verarbeiten und zu entscheiden, wie sie reagieren soll. Erkennen Sie an, dass ihre psychische Sicherheit für die Fortsetzung der Arbeit von entscheidender Bedeutung ist.

Beauftragen Sie einen Rechtsbeistand: Beziehen Sie umgehend eine anwaltliche Vertretung ein, um mögliche Ansprüche wegen Verleumdung, Verletzung der Privatsphäre oder Belästigung zu prüfen. Lassen Sie sich beraten, ob Sie den Fall den Behörden melden, zivilrechtliche Schritte einleiten oder öffentlich reagieren sollten.

Mehr Informationen

Fotocredit: Joshua Koblin (Unsplash)

Blog

Am Wendepunkt: Europarat zur Pressefreiheit 2025

Zunehmend feindseliges Umfeld für Journalismus

Die Pressefreiheit in Europa stand 2025 weiterhin unter anhaltendem Druck, bedingt durch rechtliche Drohungen, körperliche Angriffe und Einschüchterungen, Versuche der Vereinnahmung der Medien und transnationale Repressionen. Dies geht aus dem Jahresbericht der Partnerorganisationen der Plattform des Europarates zur Förderung des Schutzes des Journalismus und der Sicherheit von Journalisten hervor.

Im Jahr 2025 veröffentlichten die Plattformpartner 344 Warnmeldungen über schwerwiegende Bedrohungen der Medienfreiheit, ein deutlicher Anstieg (+29 %) gegenüber 2024, als 266 registriert wurden. Die Länder mit der höchsten Anzahl von Meldungen waren Russland (50), die Türkei (49), Georgien (35), Serbien (35) und die Ukraine (27) – die meisten bezogen sich auf russisch besetzte Gebiete oder wurden russischen Streitkräften zugeschrieben.

Die häufigste Kategorie von Meldungen (90) betraf Angriffe auf die körperliche Sicherheit und Unversehrtheit von Journalistinnen und Journalisten, darunter die Tötung von vier Medienmitarbeitenden durch russische Drohnenangriffe (der ukrainischen Journalistinnen bzw. Journalisten Olena Hramowa, Jewgeni Karmasin und Tetjana Kulyk sowie des französischen Fotojournalisten Antoni Lallican) und der Tod des türkischen freiberuflichen Journalisten Hakan Tosun nach einem brutalen Angriff. Bis 31. Dezember 2025 blieben 51 Morde an Journalistinnen und Journalisten auf der Plattform unaufgeklärt.

Jahresbericht 2025 zum Download (in englischer Sprache)

Blog

Berichterstattung über den Krieg in der Ukraine

Journalistinnen und Journalisten erzählen ihre Geschichten

Die Information der Öffentlichkeit ist eines der wirksamsten Mittel gegen die Propaganda unter Putins totalitärer Herrschaft in Russland.

In einem neuen Dokumentationsvideo gibt Reporter ohne Grenzen (RSF) ukrainischen Journalistinnen und Journalisten eine Plattform, damit deren Stimmen international gehört werden.

Drohnenangriffe, Artilleriefeuer, Entführungen – auch im Jahr 2025 wurden ukrainische und internationale Medienschaffende, die über den Krieg berichteten, von der russischen Armee angegriffen. Seit Beginn des großangelegten Einmarsches Russlands in das Land am 24. Februar 2022 sind mindestens 175 Reporterinnen und Reporter russischen Übergriffen zum Opfer gefallen.

Die Verantwortlichen für diese Verbrechen müssen zur Rechenschaft gezogen werden!

Blog

Konferenz: Medienfreiheit ohne Grenzen?

Internationale Debatte zu Informationsrechten im Krisenfokus

Medienfreiheit ist ein für demokratische Gesellschaften konstitutives Menschenrecht. In EU-Mitgliedsstaaten wie Ungarn, Tschechien und der Slowakei wird die unabhängige Presse in ihrer Existenz gefährdet. Ziel der internationalen Konferenz ist es, die Bedeutung des freien Journalismus insbesondere in Krisenzeiten herauszustreichen und Medienschaffende bei der Strategieentwicklung mit der Zivilgesellschaft zu vernetzen.

Freitag, 20. Februar 2026, 14.00 – 18.00 Uhr

Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien, Währinger Straße 29, Hörsaal 2, 2. Stock, 1090 Wien

English version

Begrüßung:

Jörg Matthes (stv. Leiter, Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft)
Fritz Hausjell (Präsident Reporter ohne Grenzen Österreich)

Vorträge und Diskussion:

  • Beata Balogová (Chefkommentatorin SME; Bratislava)
  • Pavla Holcová (Chefredakteurin investigace.cz; Prag)
  • Edit Inotai (Centre for Euro-Atlantic Integration and Democracy; Budapest)
  • Antoine Bernard (RSF-Direktor Advocacy und Rechtshilfe; Paris)

Moderation: Barbara Tóth (Vorstandsmitglied Reporter ohne Grenzen Österreich)

Weiterer Programmpunkt:

Führung durch die internationale Ausstellung Fotografien der Welt von morgen anlässlich 40 Jahre Reporter ohne Grenzen.

Eine gemeinsame Veranstaltung von Reporter ohne Grenzen (RSF) Österreich und dem Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien.

Kurzbiographien:

Beata Balogová ist eine preisgekrönte Journalistin; von 2014 bis 2025 war sie Chefredakteurin der slowakischen Tageszeitung und Nachrichtenwebsite SME und ist derzeit Chefkommentatorin; 2020 erhielt sie den European Press Prize in der Kategorie Meinung und wurde dreimal mit nationalen Journalismuspreisen in der Slowakei ausgezeichnet; sie ist Mitglied im Vorstand des European Press Prize und war von 2016 bis 2022 stellvertretende Vorsitzende des Exekutivrats des International Press Institute.

Pavla Holcová ist investigative Journalistin und Gründerin des unabhängigen Nachrichtenportals und OCCPR-Mitglieds investigace.cz; sie hat an großen grenzüberschreitenden Projekten wie den Panama Papers, den russischen und aserbaidschanischen Laundromats, dem Pegasus-Projekt, den Pandora Papers und dem Russian Asset Tracker mitgewirkt; sie ist Preisträgerin des ICFJ Knight International Journalism Award und hat zusammen mit Arpád Soltész und Eva Kubániová den Anthony Lewis Prize Award des World Justice Project gewonnen.

Edit Inotai war von 2003 bis 2007 als Korrespondentin in Berlin und bis 2014 als Auslandskorrespondentin der führenden Tageszeitung Népszabadság tätig; später wechselte sie zur Wirtschaftswochenzeitung Figyelő, die 2017 von der Regierung übernommen wurde; aktuell arbeitet sie für den deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ARD und die investigative Nachrichtenseite Balkan Insight in Budapest und als Vorstandsmitglied des in Budapest ansässigen Thinktanks Centre for Euro-atlantic Integration and Democracy (CEID).

Antoine Bernard ist Rechtsanwalt und Direktor für Advocacy und Rechtsstreitigkeiten bei Reporter ohne Grenzen (RSF) International; Co-Direktor des Masterstudiengangs für Menschenrechte und humanitäre Hilfe an der Sciences Po (PSIA).

Mit Unterstützung von:

Blog

SRG-Volksabstimmung: “Ziel ist die Schwächung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in der Schweiz!”

Valentin Rubin ist Policy- und Advocacy-Manager bei der Schweizer Sektion von Reporter ohne Grenzen (RSF). Im Interview spricht er über die Initiative “200 Franken sind genug!” am 8. März 2026 und deren Gefahren für die Unabhängigkeit der SRG.

Welchen Stellenwert hat der öffentlich-rechtliche Rundfunk in der Schweiz?

Die Schweizer Medienlandschaft wird von zwei Säulen getragen. Von den privaten Verlagen sowie vom öffentlichen Rundfunk, der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft SRG. Bei den privaten Medien herrscht seit Jahren eine tiefe wirtschaftliche Krise, Redaktionen mussten vielerorts zusammengelegt werden, Büros fernab der großen Städte sind mittlerweile nur noch spärlich. Jedes Jahr ist aufs Neue von einem Annus Horribilis die Rede, weil bei diversen Medienunternehmen immer neue Kündigungswellen folgen. Die relevanten, überregionalen Zeitungen befinden sich – mit ganz wenigen Ausnahmen – mittlerweile in der Hand von nur noch vier großen Verlagen. Drei davon haben ihren Hauptsitz in Zürich. Wir mussten in den letzten Jahren eine rapide Medienkonzentration im privaten Sektor beobachten, die Vielfalt nimmt klar ab. Demgegenüber kann der öffentliche Rundfunk, die SRG, nach wie vor überregional und unabhängig in allen vier Landessprachen arbeiten. Sie bietet ein Vollprogramm auf Französisch, Italienisch und Deutsch – dazu ein solides Angebot auf Rätoromanisch. Mit sieben Haupt- und 17 weiteren Standorten im ganzen Land kann sie föderal und einigermaßen dezentral über das Geschehen in der ganzen Schweiz berichten. Aber auch sie ist großem Druck ausgesetzt und musste in jüngster Zeit eigentlich etablierte Sendungen aus dem Programm streichen.

Was bezweckt die Initiative “200 Franken sind genug!”?

Die SRG finanziert sich zu einem substanziellen Teil durch eine Haushaltsabgabe, die jeder Haushalt pro Jahr leisten muss. Es handelt sich um ein solidarisches Modell, in der alle ihren Anteil zahlen, unabhängig davon, wie viele Inhalte der SRG sie konsumieren. Aktuell beläuft sich diese Abgabe auf 335 Franken pro Jahr. 2015 waren es noch 462 Franken. Die Initiatorinnen und Initiatoren, die ausschließlich aus dem rechten und konservativen Lager kommen, finden, 335 Franken seien immer noch zu viel. Sie wollen die Gebühr darum auf 200 senken. Zudem verlangt die Initiative, dass Unternehmen – die, sofern sie einen gewissen Jahresumsatz verzeichnen, aktuell auch eine Gebühr entrichten müssen – ganz von der Abgabe befreit werden sollen. Das beträfe aber nur 25 % aller Unternehmen. Der Rest muss schon heute keine Abgabe mehr zahlen, da ihr Umsatz ein gewisses Niveau nicht übersteigt. Für die SRG hätte eine Senkung der Haushalts- und eine komplette Streichung der Unternehmensabgabe eine Halbierung ihres Budgets zur Folge – mit massiven Konsequenzen für ihre mehrsprachige und überregionale Berichterstattung. Die Initiatorinnen und Initiatoren argumentieren mit einer finanziellen Entlastung für die Haushalte. Um der Initiative Wind aus den Segeln zu nehmen, hat der Bundesrat, die Schweizer Regierung, allerdings bereits beschlossen, dass die Haushaltsabgabe bis 2029 unabhängig vom Ausgang der Initiative auf 300 Franken sinkt. Ab dann müssen zudem auch noch weniger Unternehmen eine Unternehmensabgabe entrichten. Das hat aber nichts daran geändert, dass die aktuellen Umfragewerte auf ein enges Rennen hindeuten.

Wer bestimmt die Debatten im Vorfeld der Volksabstimmung am 8. März 2026?

Das Initiativkomitee besteht aus Vertreterinnen und Vertretern der größten Schweizer Partei, der rechtskonservativen SVP (Schweizerische Volkspartei). Daneben kämpfen vor allem die Jungfreisinnigen (die Jungpartei der bürgerlich-liberalen FDP) sowie der Gewerbeverband für die Initiative. Ihr Hauptslogan “Mehr Geld zum Leben” ist aber ein Etikettenschwindel. Ab 2029 wäre die allfällige jährliche Ersparnis nur noch 100 Franken. Das wären 27 Rappen pro Tag. Das Sparargument ist also vorgeschoben. Viel eher geht es dem Initiativkomitee darum, die unabhängigen Medienangebote der SRG mittels Gebührensenkung zu schwächen. Die SRG steht in ihren Augen politisch zu links, aber auch das ist vorgeschoben. Untersuchungen bescheinigen den Sendern der SRG eine politisch ausgewogene und überaus neutrale Berichterstattung. Dennoch monieren konservative Kreise seit Jahren pauschal, sie berichte viel zu unausgewogen. Im Vergleich zu den privaten Medien können die konservativen Kreise die SRG aber nicht kaufen oder kontrollieren. Also versuchen sie, sie zu schwächen, wo es geht. Ähnliche Kreise wollten bereits 2018 die Gebühren für die SRG ganz abschaffen. Die entsprechende Initiative scheiterte damals an der Urne aber klar.

Demgegenüber steht eine breite Allianz aus Politik, fast allen privaten Verlagen, der Zivilgesellschaft sowie aus Kreisen der Kultur, der Bildung, des Sports und der Unterhaltung. Auch wir von der Schweizer Sektion von RSF sind Teil dieser Gruppe. Wir warnen, dass eine Halbierung des Budgets der SRG schwerwiegende Konsequenzen für die Berichterstattung in allen Bereichen hätte. Die Schweiz braucht eine solide und unabhängige Berichterstattung, angesichts von Fake News und Bedrohungen im Cyber-Space, der wir ausgesetzt sind. Selbst unser Verteidigungsminister gab jüngst zu bedenken, dass wir genau deswegen starke und unabhängige Medien brauchen. Jüngst hat sich sogar der russische Propaganda-Sender RT Deutsch (früher Russia Today) in den Abstimmungskampf eingemischt und für ein Ja an der Urne geworben. Das macht mehr als deutlich, wem eine Annahme der Initiative nützen würde.

Welche Folgen hätte eine Halbierung der Rundfunkgebühren für Medienvielfalt und Pressefreiheit in der Schweiz?

In den letzten Jahren mussten wir in der Schweiz bereits eine beispiellose Medienkonzentration beobachten. Der Medienpluralismus nimmt wie in vielen Ländern auch hierzulande ab. Zudem haben wir eine viersprachige Bevölkerung, sodass der sowieso schon kleine Medienmarkt noch fragmentierter und daher noch schwieriger zu finanzieren ist. Der freie Markt kann hier kaum eine vielfältige Medienlandschaft garantieren. Darum haben wir die SRG. Eine Annahme der Initiative würde der SRG aber mindestens 600 Millionen Franken entziehen. Die Initiatorinnen und Initiatoren argumentieren, dass dieses Geld den privaten Medien zugutekäme und dass dies den Medienmarkt im Land beleben würde. Aber es gibt keine Anzeichen, dass die Zeitungsverlage oder die privaten Fernsehstationen und Radiosender davon profitieren würden. Das Geld wäre unwiederbringlich weg. Und der Schaden für die SRG sowie für die Medienlandschaft in der Schweiz allgemein wäre enorm groß.

Ungeachtet des Ausgangs der Volksabstimmung am 8. März 2026: Was erwartet die Schweizer Medienlandschaft nach der SRG-Initiative?

Die Debatte über die Rolle des öffentlichen Rundfunks wird nicht abebben. Die SRG steht quasi unter Dauerbeschuss, ist stark gefordert und muss sich anpassen an einen sich rapide verändernden Markt. Insofern hat die Initiative hier schon sehr viel ausgelöst. Und unabhängig von der Initiative stehen dem Journalismus in der Schweiz schwierige Zeiten bevor. Im Ranking der Pressefreiheit von RSF stehen wir zwar immer noch auf dem vergleichsweise guten neunten Rang. Doch die wirtschaftliche Lage wird sich, selbst bei einer Ablehnung der Initiative am 8. März, kaum schnell verbessern. Die Werbeeinnahmen haben sich in den letzten zwanzig Jahren über alle Medien betrachtet halbiert. Und die Zahlungsbereitschaft von Leserinnen und Lesern ist noch immer sehr gering. Nebst diesem wirtschaftlichen Sturm bestehen darüber hinaus schwerwiegende pressefeindliche Gesetze, die investigativen Journalismus in der Schweiz stark erschweren. Die Fronten bleiben also bestehen – und keine wird sich so schnell in Luft auflösen.

Blog