Proteste in Serbien: RSF verzeichnet 89 Angriffe auf Medien innerhalb eines Jahres

Am 1. November 2024 stürzte im Norden Serbiens das Vordach eines Bahnhofs ein und forderte zahlreiche Todesopfer. Das war zugleich der Auftakte von Protesten, die weiter andauern. Journalistinnen und Journalisten, die über die Auflehnung gegen das Regime von Präsident Aleksandar Vučić berichten, stehen besonders im Visier der Angriffe von Schlägertrupps und Sicherheitsbehörden.

Innerhalb eines Jahres wurden serbische Medienschaffende laut RSF-Zählung Opfer von mindestens 89 körperlichen Angriffen. Die Gesamtzahl für 2025 liegt bei 82 Fällen und ist damit laut Vergleichsdaten von RSF und seinem lokalen Partner NUNS die höchste Jahreszahl seit 2008. Etwa die Hälfte der Gewalttaten wurde von Strafverfolgungsbeamten verübt, die darüber hinaus wegsehen, wenn Journalistinnen und Journalisten von regierungsnahen Aktivisten angegriffen werden.

Mehr Informationen unter:

https://rsf.org/en/protests-serbia-least-89-attacks-journalists-recorded-rsf-one-year

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OSZE: Schutz der Medienfreiheit im Zeitalter der großen Technologieplattformen und der KI

Das neue Policy Manual der OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) zeigt auf, wie das derzeitige digitale Informationsökosystem – dominiert von Big-Tech-Plattformen (Soziale Medien, Suchmaschinen, zunehmend auch KI-Unternehmen) – mittlerweile in einem Ausmaß vereinnahmt wird, dass die Medienfreiheit in ernsthafte Gefahr gerät.

Das Handbuch unterstreicht die Notwendigkeit demokratischer staatlicher Interventionen auf der Grundlage der Rechtsstaatlichkeit, um ein förderliches Umfeld für einen unabhängigen, pluralistischen Journalismus zu gewährleisten. Es bietet eine Vision für Online-Informationsräume, in denen die Verfügbarkeit und Zugänglichkeit von Informationen von öffentlichem Interesse gewährleistet ist.

Das Policy Manual enthält Maßnahmen zur Risikominderung und wichtige Empfehlungen für Staaten zur Umsetzung langfristiger struktureller Reformen und nachhaltiger Investitionen, um die Verzerrungen im heutigen Online-Informationsökosystem zu beseitigen.

Die empfohlenen Maßnahmen decken drei Schlüsselbereiche ab:

  • Sichtbarkeit von Journalismus und Informationen von öffentlichem Interesse im Internet – das Handbuch untersucht Mechanismen zur Förderung von unabhängigem Journalismus und Informationen von öffentlichem Interesse, einschließlich Must-Carry-Anforderungen für Nachrichten, begleitet von entsprechenden Garantien für die Medienfreiheit;
  • Medienrentabilität und Finanzierungsmodelle, die das öffentliche Interesse an Informationen unterstützen – das Handbuch erörtert die Bedeutung von Plattformen im Medienökosystem und untersucht Optionen für eine faire Vergütung, darunter Verhaltenskodizes für Nachrichtenmedien und digitale Abgaben;
  • Wachsamkeit oder die Online-Sicherheit des Journalismus – das Handbuch betont die Rolle von Regulierung, Änderungen am Plattformdesign und der Beteiligung an einer sinnvollen Zusammenarbeit verschiedener Interessengruppen, um die Online-Gewalt gegen den Journalismus einzudämmen.

OSZE – Schutz der Medienfreiheit im Zeitalter der großen Technologieplattformen und der KI (PDF-Download)

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80 Jahre Pressefreiheit – was haben Österreichs Medien daraus gemacht?

DORFTV-Diskussion am 1. Oktober 2025 mit ROG-Präsident Fritz Hausjell und Daniela Hainberger (Geschäftsführung OÖ. Presseclub)

Am 1. Oktober 2025 beging Österreich das 80-Jahr-Jubiläum der Wiederherstellung der Pressefreiheit nach deren Zerstörung durch den Austrofaschismus ab 1934 und dem NS-Terrorregime ab 1938. Nach der militärischen Niederringung des nationalsozialistischen Machtkomplexes und der Befreiung der noch lebenden Häftlinge in den Vernichtungslagern, schritten die alliierten Befreiungsmächte zügig daran, neue demokratische Strukturen aufzubauen. Dazu gehörte auch die frühe Etablierung des Rechts auf freie und unabhängige österreichische Medien. Die weitere Entwicklung von Demokratie und Pressefreiheit verlief in der weiteren Nachkriegszeit nicht immer ohne Probleme – und doch hat sich weitgehend als erfolgreich erwiesen. Aber dennoch: Gerade die jüngere Vergangenheit hat mit den Angriffen der FPÖ und anderer rechtspopulistischer Kräfte in Österreich und benachbarten EU-Mitgliedsstaaten mit illiberalen Tendenzen deutlich gemacht, dass Informations- und Medienfreiheit nie etwas dauerhaft Gesichertes sind. Unbestritten ist, dass ein vielfältiger und unabhängiger Journalismus auch nach 80 Jahren noch immer verteidigt und im öffentlichen Bewusstsein noch stärker verankert werden muss.

Im Mittelpunkt des Gesprächs standen daher u.a. Fragen, welchen Stellenwert die Pressefreiheit für Journalismus und Medien einnimmt, wie es diesbezüglich um Österreich im internationalen Vergleich steht und wie Zivilgesellschaft, Presseclubs und die Politik zur Verbesserung der Situation beitragen können.

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Kampagne: Stärken Sie die Pressefreiheit!

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80 Jahre Wiederherstellung der Pressefreiheit

Reporter ohne Grenzen sieht im Jubiläum am 1. Oktober Verpflichtung und Mahnung zugleich

Am Mittwoch, 1. Oktober 2025, begeht Österreich das 80-Jahr-Jubiläum der Wiederherstellung der Pressefreiheit nach deren Zerstörung durch den austrofaschistischen „Ständestaat“ ab 1933/34 und dem NS-Regime ab 1938. Nach der militärischen Niederringung des nationalsozialistischen Machtkomplexes und der Befreiung der noch lebenden Häftlinge in den Vernichtungslagern, schritten die alliierten Befreiungsmächte zügig daran, neue demokratische Strukturen aufzubauen. Dazu gehörte auch die auf den ersten Blick – im Vergleich zu Deutschland – frühe Etablierung des Rechts auf freie, unabhängige österreichische Medien. Bis zum Sommerende 1945 unterlagen alle Medien der Kontrolle der alliierten Befreiungsstreitkräfte.

„Wir verdanken die Proklamation der Pressefreiheit bereits am 1. Oktober 1945 der Moskauer Deklaration von 1943 und dem Optimismus der vier alliierten Mächte, Österreich als befreites Land zu behandeln“, erklärt Fritz Hausjell, Präsident von Reporter ohne Grenzen (RSF) Österreich. „Es gab zunächst auch Vorbehalte, doch diese wollte man in die Hände österreichischer Medien legen. Sie sollten selbst dafür Sorge zu tragen, dass ab Herbst 1945 keine alten Elemente der NS-Ideologie medial Platz bekamen.“ Das funktionierte leider schlecht, weswegen sich der Alliierte Rat damals genötigt sah, politischen Revisionismus durch Verwarnungen, temporäre und dauernde Erscheinungsverbote zu sanktionieren. Die Lerngeschichte der Demokratie und der Pressefreiheit war jedenfalls in der Folge mühsam, über die Jahrzehnte aber letztlich erfolgreich.

ROG-Präsident Hausjell, der sich beruflich Jahrzehnte mit Österreichs Journalismusgeschichte beschäftigt hat, sagt heute: „Wir blicken mit Sorge nun in eines jener Länder, das wesentlich für die Entwicklung des freien, mutigen, selbstbestimmten österreichischen Journalismus seit 1945 war.“ Die USA holten im Exchange-of-Persons-Program ab Ende der 1940er Jahre junge Journalisten, denen amerikanische Nachkriegsplaner künftig eine führende Rolle zutrauten, für Monate in die USA, und „lehrten ihnen, wie selbstbewusster Journalismus amerikanischen Stils geht“. Hugo Portisch war einer davon. „Er wurde nicht zufällig in den 1960er Jahren zu einer Gallionsfigur in der Auseinandersetzung mit der verkrusteten ÖVP-SPÖ-Dauerkoalitionspolitik und zum Wortführer des bahnbrechenden Rundfunkvolksbegehrens. Portisch hat übrigens in seiner Wiener Dissertation historische Verhältnisse zwischen Politik und Journalismus in den USA analysiert und daraus Lehren für seine alltägliche Arbeit gezogen und später unbeirrt praktiziert, wie er mir einmal berichtete“, erinnert Hausjell. Junge Journalistinnen und Journalisten der 1960er- und 1970er-Jahre blickten zudem in die heimische Journalismusgeschichte vom späten 19. Jahrhundert bis zum Ende der Ersten Republik und entdeckten dort Haltungen und Methoden des investigativen Journalismus. Es entstanden mutiger Radio- und TV-Journalismus und Investigativmagazine wie „Profil“ und „Extrablatt“. Rundfunkreform und dann 1981 endlich ein modernes Mediengesetz waren Meilensteine einer späten Modernisierung, die journalistische Medien zwischenzeitlich tatsächlich zu einer „Vierten Macht“ der Zweiten Republik werden ließen.

Gerade die jüngere Vergangenheit hat aber deutlich gemacht, „dass Pressefreiheit nie etwas dauerhaft Gesichertes ist, und wir alle, die an starkem, vielfältigem und unabhängigem Journalismus interessiert sind, müssen auf die Rahmenbedingungen achtgeben“, betont Hausjell. 2025 hat Österreich im internationalen RSF-Ranking der Pressefreiheit zehn Plätze vom davor schlechtesten Rankingplatz gutgemacht und liegt nun auf 22. ROG-Generalsekretär Martin Wassermair dazu: „Wir können und wollen uns damit keineswegs zufriedengeben. Wir wenden uns regelmäßig mit unseren Forderungen zur Stärkung der Medienvielfalt und der ökonomischen Grundlagen an die Medienhäuser und die Regierenden. Allein der weiter fortschreitende Abbau journalistischer Stellen wird sich bei der Beurteilung im nächsten Jahr sicherlich negativ auswirken“.

Für Reporter ohne Grenzen (RSF) Österreich ist der 1. Oktober 2025 Verpflichtung und Mahnung zugleich. Der Tag wird daher zum Anlass genommen, mit einer breit angelegten Kampagne, die gemeinsam mit der Lowe GGK Werbeagentur GmbH erarbeitet wurde, die Bedeutung der Pressefreiheit aufzuzeigen – nicht zuletzt auch in Anbetracht ihrer Gefährdung in den benachbarten EU-Mitgliedsstaaten Slowakei und Ungarn sowie auch unter US-Präsident Donald Trump und dem kriegsführenden Russland unter Wladimir Putin. „Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat uns zu diesem Zweck ein persönliches Videostatement zur Verfügung gestellt. Das unterstreicht, dass unser Einsatz für Informations- und Medienfreiheit bis an die Spitze der Republik auf großes Interesse stößt und zugleich Unterstützung findet“, so Hausjell abschließend.

https://www.rog.at/bundespraesident-80-jahre-pressefreiheit

(ROG 30-09-2025)

Fotocredit: Ahsan Raza (Unsplash)

Pressemitteilung