40 Jahre Reporter ohne Grenzen Posted on 16. November 202529. Dezember 2025von Martin Wassermair Jubiläum mit internationalem Diskurs und Austausch “Es macht uns stolz, wenn wir Trump, Putin und den vielen anderen Feinden der Pressefreiheit ein Dorn im Auge sind!” – Am 15. November 2025 machte Generaldirektor Thibaut Bruttin zum Abschluss des 40-Jahr-Jubiläums von Reporter ohne Grenzen (RSF) in Paris deutlich, dass der Journalismus weltweit immer stärker unter Druck gerät. Es muss deshalb noch mehr Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass unabhängige Medien im Hinblick auf die Zukunft der Demokratien von ganz besonderer Bedeutung sind. Für die österreichische RSF-Sektion nahmen Vorstandsmitglied Barbara Toth und Generalsekretär Martin Wassermair am internationalen Diskurs und Austausch teil.
40 Jahre Einsatz für das Recht auf freie Meinungsäußerung Posted on 12. November 2025von Martin Wassermair Reporter ohne Grenzen warnt zum Jubiläum vor Verschlechterungen für Pressefreiheit und unabhängige Medien Von 13. bis 15. November 2025 feiert das Netzwerk von Reporter ohne Grenzen (RSF) in Paris das Jubiläum des 40-jährigens Bestehens. Die im südfranzösischen Montpellier gegründete Menschenrechtsorganisation an der Schnittstelle von Demokratie und Medien setzt sich seit 1985 für das Recht auf freie Meinungsäußerung ein, verteidigt die mediale Unabhängigkeit und unterstützt den Journalismus mit Rechtshilfe und Schutzmaßnahmen im Krisenfall. “Was in den ersten vier Jahrzehnten für die demokratischen Rahmenbedingungen der globalen Informationssphäre geleistet wurde, verdient höchste Anerkennung”, erklärt Martin Wassermair, Generalsekretär der österreichischen und zugleich kleinsten Sektion im internationalen RSF-Verband. “Während der Vormarsch von Verschwörungserzählungen, Desinformation und Propaganda bei vielen Menschen zunehmend zu einem Vertrauensverlust gegenüber Politik und Medien führt, bietet Reporter ohne Grenzen in diesen unruhigen Informationswelten einen verlässlichen Anker – getragen von Expertise und Engagement!” Mit seinen Glückwünschen zum Jubiläum verbindet ROG-Präsident Fritz Hausjell die Sorge, dass trotz der in den vergangenen Jahren erzielten Fortschritte zahlreiche Verschlechterungen eingetreten sind. “In den Vereinigten Staaten ist die Pressefreiheit unter Präsident Donald Trump dramatisch unter Druck geraten. Das aggressive Ausschalten kritischer Redaktionen entsetzt uns aber auch in Ungarn, Serbien sowie der Slowakei.” Reporter ohne Grenzen wird vor dem Hintergrund der anwachsenden autoritären Entwicklungen auch in Österreich weiterhin besonders wachsam bleiben. Die 40-Jahr-Feierlichkeiten sollen daher für den Austausch von Erfahrungen genutzt werden, wie in den unterschiedlichen Ländern der Bedrohung und Einschränkung von Informations- und Medienvielfalt begegnet wird. “Für das RSF-Netzwerk sind wir ein verlässlicher Partner, der nicht zuletzt durch die geopolitische Lage in Mitteleuropa eine bedeutende Vermittlerrolle einnimmt. Gleichzeitig müssen die Kräfte, die sich hierzulande gegen politische Angriffe auf kritische und unabhängige Medien wehren, weiter gestärkt werden. Wir werden jedenfalls alles daransetzen, dass Österreich im internationalen Pressefreiheits-Ranking vom derzeitigen 22. Platz wieder deutlich nach oben rückt. Deshalb bringen wir künftig noch intensiver Ideen zur Stärkung von faktenbasierter Information und kritisch-kontrollierendem Journalismus in den öffentlichen Diskurs ein“, so Hausjell abschließend. Videogrußbotschaft von Reporter ohne Grenzen (RSF) Österreich zum 40-Jahr-Jubiläum:
40 Jahre RSF: Was bedeutet Journalismus? Posted on 8. November 202510. November 2025von Martin Wassermair Anlässlich des 40-Jahr-Jubiläums von RSF International von 13. – 15. November 2025 in Paris hat auch Reporter ohne Grenzen (RSF) Österreich ein Video in englischer Sprache beigetragen, das drei Fragen zur schwierigen Situation von Demokratie und Pressefreiheit sowie zu Journalismus als gesellschaftliche Verantwortungspraxis beantwortet. Hier die deutschsprachige Version: Was bedeutet Journalismus für euch? Reporter ohne Grenzen (RSF) Österreich setzt sich aus Personen mit unterschiedlichen professionellen Hintergründen zusammen. Die verschiedenen Standpunkte und Sichtweisen sind eine besondere Stärke der kleinen österreichischen Sektion. Dennoch lässt sich eine gemeinsame Klammer deutlich zusammenfassen: Für uns ist Journalismus weit mehr als bloße Informationsvermittlung – wir verstehen ihn als unverzichtbare Säule demokratischer Teilhabe und als Instrument, um gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen. Journalistinnen und Journalisten spielen eine zentrale Rolle, komplexe Realitäten sichtbar zu machen, Machtverhältnisse kritisch zu hinterfragen und jenen eine Stimme zu geben, die sonst kaum Gehör finden. Journalismus bedeutet aber auch, Mut und Haltung zu beweisen – gerade in Zeiten politischer Polarisierung, von Kriegen und sozialen Spannungen. Zu den Aufgaben des Journalismus zählt unter anderem, Narrative zu entwickeln, die Menschen in ihrer Zuversicht auf eine Welt in Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden bestärken. Dabei geht es nicht um neutrale Distanz im Sinne von Gleichgültigkeit, sondern um eine engagierte, differenzierende Berichterstattung, die Orientierung bietet und Empathie fördert. Journalismus existiert also keineswegs isoliert: Pressefreiheit, Unabhängigkeit und der Schutz von Medienschaffenden sind Grundbedingungen einer funktionierenden Demokratie. Nur wenn Journalistinnen und Journalisten frei und kritisch arbeiten können, lässt sich eine Öffentlichkeit herstellen, die politische Teilhabe ermöglicht. In diesem Sinn betrachten wir Journalismus als gesellschaftliche Verantwortungspraxis, die dazu beiträgt, Zusammenhalt, Dialogfähigkeit und Vertrauen in demokratische Prozesse zu stärken. Was ist der wichtigste Grundlagentext für den Journalismus in Ihrem Land? Intellektuelle Köpfe machen sich seit geraumer Zeit kritische Gedanken zu Demokratie, Meinungsfreiheit und Menschenrechten in Österreich. Ob Marlene Streeruwitz, Robert Menasse, Elfriede Jelinek oder Thomas Bernhard – sie alle warnen unablässig vor einer totalitären Entwicklung, die nicht zuletzt auch die freie Presse zum Schweigen bringen will. Die österreichische Sektion von Reporter ohne Grenzen ist selbst tief verankert in medienkritischen und medienpolitischen Diskursen und kann daher mit zahlreichen öffentlichen Auftritten und Publikationen selbst als wichtige Referenz für eine Bestandsaufnahme von Demokratie und Informationsfreiheit betrachtet werden. Welches einzelne Wort fasst die größte Herausforderung für den Journalismus in Ihrer Region im Jahr 2025 am besten zusammen? Die Antwort muss lauten: Volkskanzler. Viele bezeichnen das Medienjahr 2025 in Österreich bereits als Annus Horribilis, das kurzzeitig vom Drohszenario einer Bundesregierung unter Führung der rechtsextremen FPÖ eingeläutet wurde. Parteichef Herbert Kickl hat versprochen, ein “Volkskanzler” sein zu wollen – eine beispiellose Provokation, denn auch Adolf Hitler brachte sein nationalsozialistisches Terrorregime als selbsternannter “Volkskanzler” an die Macht. Die Gefahr konnte zu Jahresbeginn abgewendet werden. Dennoch bleibt die Sorge bestehen, dass die stärkste politische Kraft im Land die allgemeine Stimmung weiterhin gegen kritischen Journalismus und unabhängige Medien aufbringen wird. Zugleich werden unter dem ökonomischen Druck in vielen Redaktionen Stellen abgebaut, was die journalistische Widerstandsfähigkeit auf längere Perspektive nachhaltig schwächen wird. Reporter ohne Grenzen ruft in Österreich deshalb zu großer Wachsamkeit und mehr Wehrhaftigkeit gegen illiberale und totalitäre Tendenzen auf.
Medienförderung: Mehr Geld im Topf allein ist nicht genug! Posted on 4. November 20253. November 2025von Martin Wassermair Reporter ohne Grenzen fordert grundlegende Neuausrichtung Medienminister Andreas Babler hat angekündigt, die österreichische Medienförderung kräftig aufzustocken. Konkret verspricht er eine Erhöhung von 25 % auf 100 Millionen Euro. Damit reagiert der ressortzuständige Vizekanzler auf die aktuelle Entwicklung, die in den vergangenen Wochen vorrangig vom Abbau zahlreicher journalistischer Arbeitsplätze gekennzeichnet war. “Der sich abzeichnende weitere Jobverlust in den Redaktionen erfordert konsequente Schlussfolgerungen, die insbesondere auch auf eine strukturelle Neuausrichtung abzielen müssen!” Martin Wassermair, Generalsekretär von Reporter ohne Grenzen (RSF) Österreich, stellt damit klar: “Mehr Geld im Topf allein ist keineswegs genug!” ROG-Präsident Fritz Hausjell ruft aus gegebenem Anlass langjährige Forderungen in Erinnerung, für deren Umsetzung jetzt der richtige Zeitpunkt wäre. “Wir stimmen mit dem Rechnungshof überein, dass zunächst die Medienvielfalt im Sinne einer Meinungsvielfalt sowie der Journalismus insgesamt gestärkt werden müssen. Deshalb ist die Medienförderung für junge und innovative Medienformate konsequent zu öffnen.” Der Blick in die Nachbarstaaten Slowakei und Ungarn mahnt zudem auch für Österreich eine bessere Absicherung des unabhängigen Journalismus gegenüber totalitären und illiberalen Tendenzen ein. Mehr Resilienz verlangt nicht zuletzt auch nach mehr Schutz von kritischer Medienarbeit vor strafrechtlicher Verfolgung sowie vor jeder Form von Einschränkung der Informations- und Pressefreiheit. “Sensibilisierung von Teilen der Richterschaft erscheint uns ein Gebot der Stunde, damit bei Klagen gegen Medienschaffende die Bedeutung der Pressefreiheit wieder mehr ins Blickfeld rückt”, betont Hausjell. Auch eine zielgerichtete Förderung von mehr Medienkompetenz durch geeigneten Medienjournalismus ist von großer Bedeutung, damit Bürgerinnen und Bürger einen faktenbasierten Journalismus von Desinformation, Fake News und Propaganda noch besser unterscheiden können. Die medienpolitischen Drohszenarien einer Regierung unter FPÖ-Chef Herbert Kickl sind noch in Erinnerung. “Die aktuelle Bundesregierung hat es in der Hand, unabhängige Medien als Stärkungsmittel für das Immunsystem unserer Demokratie zu begreifen. Dafür braucht es gerade jetzt Mut und Weitblick der Politik, worauf wir große Hoffnung setzen”, so Hausjell abschließend. (ROG 04-11-2025)
COP30: Journalismus im Kampf für eine freie Umwelt- und Klimaberichterstattung Posted on 3. November 20253. November 2025von Martin Wassermair Von Kambodscha bis zum Amazonas, von Frankreich bis Ägypten: Journalistinnen und Journalisten, die über Themen im Zusammenhang mit natürlichen Ressourcen, deren Ausbeutung oder Schutz berichten, werden oft behindert, bedroht, verhaftet, angegriffen oder sogar inhaftiert oder getötet. Reporter ohne Grenzen (RSF) stellt 30 konkrete Fälle vor, die im vergangenen Jahr wegen einer Berichterstattung über Umwelt- und Klimafragen auf diese Weise verfolgt wurden. Angesichts der Weltklimakonferenz COP30, die am 10. November in der brasilianischen Stadt Belém beginnt, fordert RSF die Regierungen auf, dafür zu sorgen, dass die Verteidigung einer zuverlässigen Berichterstattung und ihrer Akteure ein wesentlicher Bestandteil des Kampfes gegen den Klimawandel ist. Mehr Informationen unter: https://rsf.org/en/30-journalists-embody-struggle-freely-reported-environmental-coverage