Rettung des ORF – Aktion von #aufstehn, Presseclub Concordia und Reporter ohne Grenzen vor dem Bundeskanzleramt Posted on 2. Mai 2024von Dominik Brandtner Im Vorfeld des Internationalen Tages der Pressefreiheit am 3. Mai veranstaltet die zivilgesellschaftliche Kampagnenorganisation #aufstehn eine Foto-Aktion zur “Rettung des ORF” vor dem Bundeskanzleramt mit der Forderung Medienministerin Susanne Raab und die Regierung müssen das ORF-Gesetz reparieren, um den politischen Einfluss auf den ORF zu verringern. Auch Reporter ohne Grenzen ist dabei – mit einer Rede von Michael Kerbler, Vorstandsmitglied von Reporter ohne Grenzen (RSF) Österreich: Warum stehen wir heute hier? Wegen des Unternehmens ORF? Nein. Ich stehe heute hier für REPORTER OHNE GRENZEN ÖSTERREICH, weil es uns darum geht, klar zu sagen, was der ORF für unser Land bedeutet. Wofür er stellvertretend steht. Und was es für unser Land, für unsere Heimat bedeuten würde, wenn er durch parteipolitische Interessen und Einflussnahmen entstellt würde. Warum stehen wir also wirklich da? Wir stehen hier, weil ein Stück unserer Freiheit zur Disposition steht. Denn die Freiheit aller Medien, und damit auch die Unabhängigkeit des ORF sind ein wesentlicher Teil unserer Freiheit. Ich bin seit mehr als 50 Jahren Journalist. Fast 38 Jahre davon war ich für den ORF tätig. Ich war unter anderem Chefredakteur der Radio-Information. Da darf man nicht wehleidig sein. Aber jetzt – und ich spreche aus der Sicht eines heute Außenstehenden – jetzt droht eine Linie im Sand überschritten zu werden. Die aktuellen Ereignisse rund um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk der Slowakei, die Lage des öffentlichen Rundfunks in Polen und in Ungarn sind unüberhörbare Warnsignale. REPORTER OHNE GRENZEN ÖSTERREICH hält es für geboten, präventive gesetzliche Schritte zu setzen, die eine Fremdbestimmung des ORF ausschließen. Andernfalls wären die Folgen weitreichend: ein drohender Verlust der redaktionellen Unabhängigkeit und die Gefährdung der freien Berichterstattung, weil die innere Pressefreiheit der ORF-Redaktionen ausgehöhlt würde. Faktum ist: um jeder Bürgerin und jedem Bürger die Möglichkeit zu geben, sich eine freie, eigene Meinung zu bilden, um am öffentlichen Diskurs teilnehmen zu können, braucht es den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Ein für alle Mal: Der ORF gehört den BürgerInnen dieser Republik. Deshalb unterstützt REPORTER OHNE GRENZEN die fünf zentralen Forderungen des Presseclubs Concordia, deren Ziel es ist, die redaktionelle und operative Unabhängigkeit des ORF langfristig zu sichern. Hervorheben möchte ich, dass der ORF-Stiftungsrat sinnvollerweise mit parteipolitisch unabhängigen Profis zu besetzen ist, deren Bestellung a) über jeden Zweifel erhaben ist, b) faktenbasiert begründet ist und c) gegebenenfalls überprüft werden kann. Es geht also um die Sicherung des Rechts der BürgerInnen auf freien und ungehinderten Zugang zu Information. Es geht um nicht mehr und nicht weniger als um das Grundrecht auf öffentliche Kommunikation. Was ich unter Freiheit verstehe? Ich halte es mit George Orwell. »Freiheit bedeutet die Freiheit, zu sagen, dass zwei und zwei vier ist. Gilt dies, ergibt sich alles Übrige von selbst.« Ich werde das Gefühl nicht los, dass wir Zeiten entgegengehen, in denen die Grundrechnungsarten der Machtverteilung geändert werden sollen. Wer Auseinanderdividieren will, beginnt beim bedeutendsten identitätsstiftenden Medienunternehmen eines Landes. Ungarn, Polen und die Slowakei habe ich bereits genannt. Wer – um bei Georg Orwell zu bleiben – Neusprech einführen will, will das Denken der Menschen beeinflussen. Will die Meinung im Land kontrollieren. Ich erinnere an den Wahlspruch der Partei in Orwells „1984“: Krieg ist Frieden! Freiheit ist Sklaverei! Unwissenheit ist Stärke! Wir wissen, was zu tun ist. Sorgen wir gemeinsam dafür, dass die bewährten Grundrechnungsarten unserer Demokratie erhalten bleiben. Übrigens: morgen veröffentlicht REPORTER OHNE GRENZEN den Index der PRESSEFREIHEIT 2024. Im Vorjahr lagen wir auf dem 29. Platz, auf den wir wirklich nicht stolz sein können. Stärken wir die Pressefreiheit, dann stärken wir unsere Demokratie! Es gibt keine Freiheit ohne Pressefreiheit! Michael Kerbler mit seinem Aufruf zur Rettung des ORF credits: Maria von Usslar/#aufstehn Hier die gesamten Ansprachen zum Nachhören: credits: #aufstehn/Maria von Usslar
3. Mai Präsentation des Welt-Pressefreiheitsindex 2024 von Reporter ohne Grenzen (RSF) Posted on 24. April 2024von Reporter ohne Grenzen
Konstruktiver Meinungsaustausch zwischen Justizministerin Zadić und„Reporter ohne Grenzen Österreich“ Posted on 19. April 2024von Reporter ohne Grenzen Aktuelle Fragen zur Lage von Presse-, Medien- und Informationsfreiheit inÖsterreich standen im Mittelpunkt eines Gesprächs, zu dem dieBundesministerin für Justiz, Dr.in Alma Zadić, und von „Reporter ohne GrenzenÖsterreich“ (RSF) Vorstandsmitglied Michael Kerbler sowie PräsidentAo.Univ.Prof. Dr. Fritz Hausjell zusammengetroffen sind. Ein zentrales Thema war die Frage nach dem Stand der vomVerfassungsgerichtshof geforderten Reform des Datenschutzrechts beiMedienunternehmen. Wie müssen künftig Medien mit Daten von Personen,über die berichtet wird, umgehen, wenn diesen Daten von Informantinnen zugespielt wurden? Müssten Medien solche Daten offenlegen, „wäre das Redaktionsgeheimnis – ein zentrales Werkzeug des Journalismus – dramatisch gefährdet“, argumentierten Hausjell und Kerbler. Insbesondere Whistleblower würden dadurch abgeschreckt werden, Medien wichtige Informationen zuzuspielen. Die Konsequenz: Die Veröffentlichung investigativer Recherchen wäre bedroht. Es gelte, so die Vertreter der Pressefreiheitsorganisation, „die Freiheit der Recherche zu sichern, Informantinnen zu schützen und dasRedaktionsgeheimnis nicht auszuhöhlen“. Sie stießen damit bei JustizministerinZadić auf volle Zustimmung, die betonte, dass eine Reform desDatenschutzrechts jedenfalls die wichtige Watchdog-Funktion von Medienbeachten müsse. Ebenso müssen der Quellenschutz und der Schutz desRedaktionsgeheimnisses umfassend gewährleistet bleiben. Die Ministerinbestätigte auch, dass innerhalb der Koalition zielstrebig die vomVerfassungsgerichtshof geforderte Reform des Datenschutzgesetzes ohnepolitische Junktimierung mit einer anderen Rechtsmaterie zeitgerecht über dieBühne gebracht werde.Zum vom Koalitionspartner ÖVP seit langer Zeit gewünschten und zuletztimmer heftiger geforderten journalistischen Zitierverbot aus Ermittlungsaktenwiesen die Vertreter von „Reporter ohne Grenzen Österreich“ einmal mehr aufdie „enorm schädlichen Auswirkungen eines derartigen Verbots für denkontrollierenden Journalismus“ hin. Wie bereits in einem Gespräch mitVerfassungsministerin Dr. Karoline Edtstadler im Jänner betonten sie, dassdamit auch die Beschuldigtenrechte beschnitten würden. Justizministerin Zadićsteht einem journalistischen Zitierverbot ebenfalls ablehnend gegenüber. „Diegewünschte Stärkung von Staatsanwaltschaft und Richter*innenschaftgegenüber vorverurteilender sowie vorfreisprechenderMedienberichterstattung würde man indes eher durch Maßnahmen zur Schaffung von Transparenz von LitigationPR erreichen“, argumentierte„Reporter ohne Grenzen Österreich“ in diesem sehr konstruktivenMeinungsaustausch gegenüber der Justizministerin. Hausjell empfiehlt eindafür geeignetes Register, in dem alle LitigationPR-Aufträge meldepflichtig seinsollten.Einig waren sich die Justizministerin und die „Reporter ohne GrenzenÖsterreich“-Vertreter darüber hinaus auch darin, dass die Stärkung der Freiheitder journalistischen Berichterstattung sowie der Unabhängigkeit der Justiz fürdie gute Weiterentwicklung der modernen österreichischen Gesellschaft vonenormer Bedeutung seien. Fotocredits: BMJ/Antonio Nedić
Gerechtigkeit für den libanesischen Reporter, der vor sechs Monaten durch gezieltes israelisches Arilleriefeuer auf Journalist*innen getötet wurde Posted on 16. April 2024von Reporter ohne Grenzen Reporter ohne Grenzen (RSF) ruft die internationale Gemeinschaft auf, Druck auszuüben, um sicherzustellen, dass Israel für den Tod des Reuters-Journalisten Issam Abdallah vor sechs Monaten im Südlibanon zur Rechenschaft gezogen wird. Sechs verschiedene Untersuchungen, darunter eine von RSF, sind zu dem Schluss gekommen, dass gezielter israelischer Beschuss ihn getötet und sechs weitere Reporter verletzt hat. Der Angriff ereignete sich am 13. Oktober 2023 in Alma el-Shaab im Südlibanon, als ein israelischer Panzer zwei Granaten auf eine Gruppe von Journalist*innen abfeuerte. Reuters-Reporter Issam Abdallah wurde getötet, sechs seiner Kollegen, die ihn begleitet hatten, wurden verletzt – zwei weitere Reuters-Journalisten, Maher Nazeh und Thaer al-Sudani, Reporter von Agence France-Presse Christina Assi und Dylan Collins, sowie die Reporter von Al Jazeera Carmen Joukhadar und Elie Brakhya. Alle sechs Untersuchungen, einschließlich der von RSF, kamen zu dem Schluss, dass die israelischen Granaten absichtlich auf den Ort abgefeuert wurden, an dem sich die Reporter befanden, obwohl sie eindeutig als Journalisten erkennbar waren. Dennoch wurde Israel bisher nicht zur Rechenschaft gezogen. “Obwohl mehrere Untersuchungen eindeutig belegt haben, dass Issam Abdallah und seine Kollegen gezielt von israelischen Granaten angegriffen wurden, obwohl sie eindeutig als Journalisten identifiziert wurden, wurden die israelischen Streitkräfte bisher nicht für dieses Verbrechen zur Rechenschaft gezogen. Diese Straflosigkeit gefährdet Journalist*innen weltweit. Wir werden die Überlebenden dieses Angriffs, sowie die Familie und Kollegen von Issam Abdallah weiterhin bei ihrer Suche nach Gerechtigkeit unterstützen.“Trotz verheerender und unbestreitbarer Untersuchungen, die zeigen, dass Issam Abdallah durch israelischen Beschuss getötet wurde, der auf ihn und sechs Kollegen abzielte, die alle eindeutig als Journalisten identifizierbar waren, Jonathan DagherLeiter der RSF-Abteilung Naher Osten “Ich möchte genau wissen, wer mir das angetan hat”, sagte die 28-jährige Assi, als sie am 20. März von einer RSF-Delegation in ihrer Wohnung im Libanon besucht wurde. Assi verbrachte mehrere Monate auf der Intensivstation, nachdem sie am 13. Oktober so schwer verletzt worden war, dass ihr ein Teil des Beins amputiert werden musste.” “Was aus allen Untersuchungen hervorgeht, ist, dass wir angegriffen wurden”, sagte sie. “Warum sollte ich im Rollstuhl sitzen, nicht arbeiten können, um das Geschehen zu verfolgen und meinen Job zu machen?” Collins, Assis AFP-Kollege, wurde durch die zweite israelische Granate verletzt, die in seiner Nähe einschlug, als er versuchte, Assis Knie zu verbinden. “Sie haben eindeutig versucht, uns alle zu töten”, sagte er RSF aus dem AFP-Büro in Beirut. Abdallah war sein Freund, und er sprach über seine bemerkenswerte Persönlichkeit. “Issam war charismatisch”, sagte er. “Jeder, der ihn kannte, war sich einig. Er war derjenige, den man anrief, wenn man Probleme hatte. Er war auch der lustigste Typ in der Gruppe. Er war das Herz und die Seele der Presse hier im Libanon. Warum haben sie ihn getötet?” Ermittlungen bestätigen gezieltes Vorgehen Reuters veröffentlichte die Ergebnisse der jüngsten Untersuchung des israelischen Beschusses letzten Monat. Die im Südlibanon ansässige Interimstruppe der Vereinten Nationen im Libanon (UNIFIL) berichtete, dass ein israelischer Panzer Abdallah tötete, indem er zwei 120-mm-Granaten auf eine Gruppe von “eindeutig identifizierbaren Journalisten” abfeuerte. Der Bericht, der RSF vorliegt, kommt zu dem Schluss, dass die auf die Journalisten abgefeuerten Geschosse einen Verstoß gegen internationales Recht darstellen. Die IDF (=israelische Verteidigungsstreitkräfte) erklärte gegenüber Reuters, die israelische Armee habe mit Artilleriefeuer reagiert, um eine Bedrohung zu beseitigen. Foto von Charbel Karam auf Unsplash