Kritischer Dialog mit der Medienpolitik Posted on 21. Juli 2025von Martin Wassermair Reporter ohne Grenzen setzt Impulse zur Stärkung von Journalismus und journalistischen Medien Reporter ohne Grenzen (RSF) Österreich hat in der Halbjahresbilanz 2025 zur Medienpolitik deutlich gemacht, dass wichtige Vorhaben der Bundesregierung aus ÖVP, SPÖ und NEOS noch nicht richtig Fahrt aufgenommen haben. Das betrifft einerseits die Stärkung von Journalismus und journalistischen Medien, um sich zukünftig gegen politische Einschränkungen von Informationsfreiheit und Verringerung von Meinungsvielfalt zu behaupten. Andererseits ist sicherzustellen, dass Propaganda und Fake News in Schranken gewiesen werden, was nicht zuletzt mehr Vermittlung medialer Kompetenzen auf unterschiedlichen gesellschaftlichen Ebenen erfordert. “Aus diesem Grund suchen wir neben den wichtigsten Ansprechpersonen in den Ministerien auch aktiv das Gespräch mit den Mediensprecherinnen und Mediensprechern der politischen Parteien in Regierung und Opposition, um auch ihnen gegenüber die notwendigen Impulse für eine Stärkung der journalistischen Abwehrkräfte zu setzen”, erklärt ROG-Präsident Fritz Hausjell. Den Auftakt machte Henrike Brandstötter, Mediensprecherin der Regierungspartei NEOS. Der gemeinsame Austausch erzielte Übereinstimmung, dass insbesondere das Europäische Medienfreiheitsgesetz anlässlich des Inkrafttretens am 8. August 2025 öffentliche Aufmerksamkeit finden muss. Dessen Bestimmungen zielen darauf ab, die Medienfreiheit sowie die journalistische Unabhängigkeit in der Europäischen Union zu schützen und die Eigentumsverhältnisse bei Medien transparenter zu gestalten. “Gemeinsam mit dem Informationsfreiheitsgesetz, das ab 1. September in Österreich gelten wird, finden wir bedeutsame legistische Grundsteine vor, bei deren Umsetzung unser kritischer Blick auch weiterhin auf die Politik gerichtet bleibt”, so Hausjell abschließend. (ROG 21-07-2025) Fotocredit: Parlementsdirektion / Johannes Zinner
Donald Trump: Sechs Monate Krieg gegen die Presse Posted on 18. Juli 2025von Martin Wassermair Sechs Monate nach Beginn der zweiten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump ist seine Regierung zunehmend feindselig gegenüber der Presse eingestellt und ahmt autoritäre und quasi-autoritäre Regime auf der ganzen Welt nach oder inspiriert sie sogar. Reporter ohne Grenzen (RSF) warnt vor den Gefahren einer transnationalen Anti-Presse-Bewegung, die ihre Taktiken über Grenzen hinweg austauscht und im amerikanischen Präsidenten einen ihrer bislang mächtigsten Befürworter gefunden hat. Donald Trump hat sich zu einer Schlüsselfigur einer globalen politischen Bewegung gegen den Journalismus entwickelt, die zu einem weltweiten Rückgang der Pressefreiheit beigetragen hat und derzeit, nur sechs Monate nach Beginn seiner zweiten Amtszeit, in den Vereinigten Staaten in vollem Umfang zum Ausdruck kommt. Anti-Presse-Regime auf der ganzen Welt übernehmen häufig Taktiken voneinander, von der verbalen Belästigung von Journalisten bis hin zur Zerschlagung unabhängiger Medien. Ob absichtlich oder nicht, sie folgen einem gemeinsamen Drehbuch, um unabhängige Medien zu kontrollieren, einzuschüchtern und zu bestrafen. „Donald Trump mag zwar Barrieren für den internationalen Handel errichten, aber wenn es um Angriffe auf die Presse geht, fließen die Ideen zwischen Ländern mit schlechter Pressefreiheitsbilanz frei. Seit seinem Amtsantritt vor sechs Monaten hat Trump seine jahrelangen verbalen Angriffe auf Journalisten mit neuen, konkreten Maßnahmen zur Einschränkung der Pressefreiheit untermauert. Viele dieser Taktiken sind nichts Neues – es ist das gleiche Drehbuch, das wir weltweit bei Verfechtern der Pressefreiheit beobachten können. Aber es ist klar, dass Trump dieses Phänomen verstärkt hat und andere Staatschefs ermutigt und inspiriert, gegen ihre eigenen Medien vorzugehen. Das Ergebnis ist eine Katastrophe für die Pressefreiheit weltweit.“ Clayton WeimersGeschäftsführer, RSF USA Mehr Informationen unter: https://rsf.org/en/six-months-trump-s-war-press-importing-and-exporting-authoritarian-tendencies
Under Attack! Antidemokratischer Populismus und Medien Posted on 9. Juli 20259. Juli 2025von Martin Wassermair Der öffentlich-rechtliche ORF hat die aktuelle Ausgabe der Public-Value-Texte dem wichtigen Thema gewidmet: “Under Attack! Antidemokratischer Populismus und Medien”. Thibaut Bruttin (Generaldirektor RSF International), Fritz Hausjell (Präsident Reporter ohne Grenzen Österreich) sowie ROG-Generalsekretär Martin Wassermair haben gemeinsam einen Text mit der Forderung nach einem europäischen Demokratieschild dazu beigetragen. Under Attack! Antidemokratischer Populismus und Medien (deutschsprachige Version) Under Attack: Populism and Public Service Media (englischsprachige Version)
Für die Stärkung der journalistischen Abwehrkräfte ist noch viel zu tun! Posted on 3. Juli 202529. Dezember 2025von Martin Wassermair Reporter ohne Grenzen zieht medienpolitische Halbjahresbilanz 2025 Nachdem zu Jahresbeginn 2025 die Gefahr einer Regierungsbeteiligung der in großen Teilen rechtsextremen FPÖ abgewendet werden konnte, hat sich die Koalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS einem ambitionierten Programm zur Stärkung der demokratischen Grundlagen in Politik und Medien verschrieben. Ein halbes Jahr später zieht Reporter ohne Grenzen (RSF) Österreich eine eher nüchterne Zwischenbilanz. “In Anbetracht der weitreichenden Vorgaben zur Budgetkonsolidierung entsteht aktuell der Eindruck, dass wichtige medienpolitische Vorhaben gar nicht richtig Fahrt aufnehmen”, erklärt ROG-Präsident Fritz Hausjell. Insbesondere dringend erforderliche Maßnahmen zur nachhaltigen Absicherung von Unabhängigkeit und Ausbau von Medienvielfalt dulden keinen Aufschub. Nachbarstaaten wie Ungarn oder die Slowakei haben bewiesen, wie schnell der kritische Journalismus kurzerhand weitgehend ausgeschaltet werden kann, wenn dessen Abwehrkräfte den illiberalen Entwicklungen nichts mehr entgegensetzen können. Zudem müssen gemeinwohlorientierte Medien deutlich mehr Unterstützung erfahren, ebenso neue und innovative Ansätze, was in erster Linie der Journalismus-Produktion der jüngeren Generation zugutekommen soll. “Einer der wichtigsten Gradmesser, an dem konkrete Fortschritte in der Medienpolitik der Bundesregierung gemessen werden müssen, ist die gesetzliche Stärkung von Quellenschutz und Redaktionsgeheimnis. Die vorgelegten Pläne zur Messenger-Überwachung sind mit den Grundprinzipien einer zeitgemäßen Gewährleistung von Pressefreiheit nicht vereinbar”, betont Hausjell. Die vom Verfassungsgericht verordnete Verringerung des Regierungseinflusses bei der Besetzung der Steuerungsgremien des ORF wurde, so Hausjell, “leider nur in der Minimalvariante praktiziert”, und zwei nominierte Publikumsräte zogen sich erst nach öffentlicher Kritik wegen Unvereinbarkeit mit parteipolitischen Funktionen zurück: “Die Verringerung des direkten parteipolitischen Einflusses ist für manche Partei offenbar ein mühsamer Lernprozess”, bilanziert der Präsident von Reporter ohne Grenzen Österreich, “aber er geht zumindest in die richtige Richtung”. Die Medienpolitik muss sich endlich vom Dogma lösen, dass journalistische Medien dann gut wären, wenn sie “billiger und wirtschaftlich noch schlanker” aufgestellt seien. “In einer Welt der Kriege mit zerstörerischer Desinformation brauchen wir jedoch mehr unabhängige journalistische Medien in großer Vielfalt, um die demokratische Gesellschaft zu stützen”, macht Hausjell klar: “Innovative neue Finanzierungswege für Journalismus sind längst dringend erforderlich, ebenso aber auch ein großes Bildungsprojekt nicht nur für die jungen Menschen, sondern für die gesamte Gesellschaft.” Es geht darum, dass möglichst viele Menschen ausreichend über “Medienkompetenz” verfügen, wie im Regierungsprogramm richtig an mehreren Stellen ausgeführt ist. Das bedeutet konkret, dass möglichst viele “erkennen können, wie vorteilhaft im Alltag journalistisch geprüftes Wissen gegenüber den meist überreizten Angeboten digitaler Plattformen ist”, so Hausjell abschließend. Foto: Dana Grohs (ROG 03-07-2025)
Im Iran ist der Journalismus in großer Gefahr und benötigt sofortigen Schutz Posted on 25. Juni 202527. Juni 2025von Martin Wassermair Der Krieg mit Israel hat die äußerst prekäre Lage von Journalistinnen und Journalisten im Iran deutlich gemacht, einem der fünf Länder mit der schlechtesten Lage im Weltpressefreiheitsindex von Reporter ohne Grenzen (RSF). Auch wenn die israelischen Bomben die seit langem bestehende Unterdrückung durch das iranische Regime nicht mehr verschärfen, haben die jüngsten Angriffe die Lage der Reporterinnen und Reporter im Land noch prekärer gemacht als je zuvor. RSF bekundet seine Solidarität mit dem Journalismus im Iran und fordert die internationale Gemeinschaft auf, zu seinem Schutz beizutragen. Am 16. Juni, drei Tage nach Beginn der israelischen Offensive gegen den Iran, trafen israelische Raketen das iranische Staatsfernsehen, töteten zwei Mitarbeiter und unterbrachen die Sendungen. Obwohl der Sender seit langem als Propagandainstrument des Obersten Führers kritisiert wurde, war der Angriff eine abschreckende Botschaft. Am 23. Juni trafen israelische Raketen das Tor des Evin-Gefängnisses, das für die Inhaftierung von Journalistinnen und Journalisten und politischen Gefangenen berüchtigt ist. Der israelische Außenminister lobte den Treffer auf das Symbol der Unterdrückung durch das Regime, erwähnte jedoch nicht die Gefahr, die die Angriffe für die regimekritischen Stimmen im Inneren darstellen. Mehr Informationen unter: https://rsf.org/en/iran-s-journalists-are-still-danger-and-need-immediate-protection