Brutale Festnahme ukrainischer Investigativjournalisten in Wien 9. Oktober 2026 Reporter ohne Grenzen fordert sofortige Aufklärung, rechtsstaatliche Transparenz und uneingeschränkten Schutz journalistischer Arbeit Der ukrainische Investigativjournalist Mykhailo Tkach, der erst am 29. September 2026 in Oslo mit dem renommierten Free Media Award für seine mutige Korruptionsrecherche ausgezeichnet wurde, ist am Donnerstagabend gemeinsam mit einem Kollegen in Wien festgenommen worden. Kameramann Yaroslav Bondarenko wurde bei dem Polizeieinsatz sogar schwer verletzt, was wiederum schwerwiegende Fragen zum Schutz der Pressefreiheit und zur Verhältnismäßigkeit der staatlichen Vorgehensweise journalistische Arbeit aufwirft. Mykhailo Tkach hielt sich in der österreichischen Hauptstadt auf, um zum Aufenthaltsort des ehemaligen ukrainischen Generalstaatsanwalts Ruslan Kravchenko zu recherchieren. Dieser war nach Korruptionsvorwürfen von seinem Amt zurückgetreten. Tkach hatte öffentlich gemacht, dass sich Kravchenko und dessen Frau in Wien niedergelassen haben sollen. Nun wurde ausgerechnet jener Journalist festgenommen, der zu möglichen Missständen im Umfeld eines hochrangigen Amtsträgers recherchiert. Mittlerweile sind Tkach und Bondarenko wieder auf freiem Fuß, weil sich die Vorwürfe einer mutmaßlichen Spionage nicht erhärten ließen. “Die Festnahme eines investigativen Journalisten und die Verletzung seines Kameramanns bei einem Polizeieinsatz sind ein schwerwiegender Vorgang, der lückenlose Aufklärung verlangt”, macht Martin Wassermair, Generalsekretär von Reporter ohne Grenzen (RSF) Österreich, deutlich. Auch Jeanne Calvalier äußert als Leiterin des RSF-Büros für Osteuropa tiefe Besorgnis angesichts der Berichte über einen gewaltsamen Polizeieinsatz gegen zwei ukrainische Journalisten in Österreich. Präsident Fritz Hausjell bekräftigt angesichts der aktuellen Vorfälle eine langjährige Forderung der österreichischen RSF-Sektion: “Pressefreiheit ist ganz besonders dort zu schützen, wo Journalistinnen und Journalisten zu Machtmissbrauch und möglicher Korruption recherchieren. Wer solche Recherchen durchführt, muss die Arbeit ohne Einschüchterung und ohne unverhältnismäßige Eingriffe ausüben können. Die österreichischen Behörden stehen nun in der Pflicht, für eine lückenlose Aufklärung zu sorgen, rechtsstaatliche Transparenz sicherzustellen und einen uneingeschränkten Schutz journalistischer Tätigkeit zu gewährleisten!”