Dirty Campaigning: Harte Zeiten für JournalistInnen

Rubina Möhrings „Press Freedom Watchblog“ auf derstandard.at:

Wahlkampf in Österreich: Nicht nur Tarek Leitner wurde beschädigt, auch der ORF samt Belegschaft wird an den Pranger gestellt. Darüber hinaus wird die Glaubwürdigkeit von Medien per se infrage gestellt.

Mehr und mehr werden Journalisten zu Freiwild politischer Jagdgesellschaften und von Parteifunktionären, denen die Würde eines Menschen weniger am Herzen zu liegen scheint als der erhoffte Wahlsieg ihres Spitzenkandidaten. Mit Meinungs- und Informationsfreiheit hat das wenig, wenn nicht gar nichts zu tun. Auch nicht mit der journalistischen Pflicht, kritische Fragen zu stellen und nicht nur als Mikrofonhalter zu fungieren. Professionelle Journalisten sehen harten Zeiten entgegen.

Wieder einmal müssen Journalisten ihren Kopf hinhalten, wenn wahlwerbende Parteien punkten wollen – diesmal nicht in den USA, sondern hier bei uns im kleinen, feinen Österreich. Und wieder schießt sich eine Partei bevorzugt auf den öffentlich-rechtlichen Sender ORF ein. Dies nicht nur, weil ihr Spitzenkandidat beim diesjährigen „Sommergespräch“ inhaltlich flau über den Bildschirm gekommen war und sein ORF-Gegenüber nicht müde werden wollte, ihn bei allzu wolkigen Darstellungen mit konkreten Fragen und der Hoffnung auf kurze, konkrete Antworten zu unterbrechen. Seit langem schon hatte die „Liste Sebastian Kurz – die neue Volkspartei“ einen Coup vorbereitet, um den Moderator dieser Sendereihe zu desavouieren und – symbolisch gesagt – beruflich vielleicht sogar mit einem Schlag um einen Kopf kürzer zu machen. Gnadenlos. Auch mit gesellschaftlicher Ethik hat das nichts gemein.

Rückgriff auf Dirty Campaigning

Lange Rede, kurzer Sinn: Dem ORF-Moderator Tarek Leitner wird bekanntlich seitens der VP – die übrigens mit Kurz auf das Ö als Zeichen nationaler Identität verzichtet hat – vorgeworfen, mit dem jetzigen Bundeskanzler Christian Kern, als dieser noch nicht Bundeskanzler war, zusammen einen Urlaub verbracht zu haben. Dies auf Wunsch der Kinder, die sich in der Schule angefreundet hatten. Auch andere Kinder waren mit ihren Eltern bei dieser Ferienreise dabei. Neu sind diese scheinbaren News nicht, Leitner hatte darauf schon vor einiger Zeit hingewiesen.

Weiterlesen

Symposion am 25. und 26.9.: Vertreibung und Vernichtung

Symposion des DÖW:
Vertreibung und Vernichtung. Neue quantitative und qualitative Forschungen zu Exil und Holocaust

25. und 26. September 2017

Ort: Salvatorsaal, Altes Rathaus, Wipplingerstraße 6-8, 1010 Wien

Detailliertes Programm siehe hier.

Seit vielen Jahren bearbeitet das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes die Vertreibung, Verfolgung und Ermordung der österreichischen Jüdinnen und Juden in Form von wissenschaftlichen Forschungen wie auch von Dokumentationsprojekten. Mit dem 2014 bis 2017 durchgeführten Projekt „Vertreibung und Vernichtung. Neue quantitative und qualitative Forschungen zu Exil und Holocaust“, das die seit 2009 laufenden Exil-Projekte des DÖW mit dem Projekt der „Namentlichen Erfassung der österreichischen Holocaustopfer“ vernetzte sind für die aufgrund der „Nürnberger Gesetze“ als Jüdinnen und Juden Verfolgte Fragen zum sozialen Beziehungsgefüge, zur Geschichte der Vertreibung und Vernichtung und zum späteren Schicksal dieser quantitativ größten Gruppe von NS-Opfern, die auch dem größten Vernichtungsdruck ausgesetzt war, zu beantworten und eine sozialstrukturelle Analyse sowie eine kollektivbiographische Annäherung möglich.
Zum Abschluss des Projektes präsentiert das DÖW die Ergebnisse seiner langjährigen Forschungsarbeiten und möchte sie mit der aktuellen Holocaustforschung kontextualisieren. Darüber hinaus wird ein Ausblick auf die künftigen Forschungsvorhaben des DÖW im Bereich der Holocaustforschung gegeben.

Mit Vorträgen von Brigitte Bailer, Winfried R. Garscha, Andreas Kranebitter, Martin Krist, Claudia Kuretsidis-Haider, Eleonore Lappin-Eppel, Irene Messinger, Manfred Mugrauer, Michaela Raggam-Blesch, Lisa Rettl, Ursula Schwarz, Barbara Staudinger, Gerhard Ungar.

Podiumsdiskussion im Rahmen der Wiener Vorlesungen
Thema: „Flucht und Vertreibung damals und heute“

26. September 2017
19 – 21 Uhr

Ort: Juridicum, Dachgeschoß, Schottenbastei 10-16, 1010 Wien

Die ORF-Journalistin Judith Brandner (ORF) diskutiert mit der Historikerin Gabriele Anderl, der Kommunikationswissenschaftlerin Evelyn Steinthaler, der Psychologin Friedrun Huemer und dem Schriftsteller und Historiker Doron Rabinovici Unterschiede und Parallelen der Fluchtsituation und Vertreibung in und nach dem Zweiten Weltkrieg sowie im Zuge der gegenwärtigen Flüchtlings- und Migrationsbewegungen.

Eintritt frei!
Anmeldung per E-Mail hier.

Medienangriffe und Inhaftierungen – der Preis der Solidarität in der Türkei

Credit: Ozan Kose / AFP

Reporter ohne Grenzen (ROG) verurteilt die zahlreicher werdenden Schikanen gegenüber Verteidigern der Pressefreiheit in der Türkei. Diese sind nun wieder Angriffen von regierungstreuen Gruppen ausgesetzt, insbesondere bei der Berichterstattung über 17 Cumhuriyet-Journalisten und durch Inhaftierungen von Journalisten wegen der Teilnahme an einer Kampagne für eine pro-kurdische Zeitung.

In den vergangenen zehn Tagen bezeichneten regierungsnahe Medien ca. 30 Journalisten, die über den Cumhuriyet-Prozess berichten, als „Verräter“ und „Erdoğanfeinde“, die „Chaos stiften“ und für einen „Staatsstreich werben“ würden.

Das Ziel der Hetzkampagne waren unter anderen führende Persönlichkeiten wie Ertuğrul Mavioğlu, Banu Güven, Soner Yalçin, Fatih Polat und Canan Coşkun, aber auch Verteidiger der Pressefreiheit wie Erol Önderoğlu von Reporter ohne Grenzen und Faruk Eren von DİSK Basın-İş. Weiterlesen

USA : Reporter ohne Grenzen empört über gewalttätige Ausschreitungen gegenüber JournalistInnen in Charlottesville

charlottesvilleReporter ohne Grenzen (ROG) verurteilt die gewalttätigen Angriffe gegen JournalistInnen während der Berichterstattung über die „Unite the Right“-Demonstration und protestiert folgendes Wochenende in Virginia. Während der Veranstaltung sind mindestens vier JournalistInnen ins Gesicht sowie mit Schlagstöckern geschlagen worden und mit Urin bespritzt worden.

„Dass Berichterstattung zunehmend auch in westlichen Staaten wie der USA durch Gewalt behindert wird, ist schon ein starkes Stück. Gerade Journalistinnen und Journalisten sollten sich während der Berichterstattung bei Demonstrationen eigentlich sicher fühlen können“, mahnt Rubina Möhring von Reporter ohne Grenzen Österreich. Weiterlesen

China: Vier Jahre Gefängnis für Blogger wegen Berichterstattung über Proteste

lu_yuyuReporter ohne Grenzen (ROG) verurteilt den Kampf der chinesischen Regierung gegen Bürgerrechtsjournalisten und Blogger. Das jüngste Opfer des Regimes ist Lu Yuyu, Preisträger des 2016 verliehenen ROG-TV5 Monde Press Freedom Prize.

Lu wurde letzte Woche wegen eines Blogs über wachsende soziale Unruhen in China mit vier Jahren Freiheitsentzug bestraft.

Ein Gericht in Dali in der südwestlichen Provinz Yunnan verhängte die Strafe am 3. August. Die Begründung: Lu habe „Streit provoziert und für Unruhen gesorgt“, ein bewusst vage formulierter Vorwurf, den das Regime benutzt, um Kritiker mundtot zu machen.

„Die Unterstellungen des Gerichts sind völlig absurd. Schauprozesse wie diese müssen sofort eine Ende finden und die Beschuldigten freigesprochen werden“, sagt Rubina Möhring von Reporter ohne Grenzen Österreich. „Vielmehr müssten solch engagierte Menschen für ihr Verhalten belohnt werden.“ Weiterlesen

malen

Trauer um Malén Aznárez

Wir sind sehr traurig über den Tod einer großartigen Kollegin: Malén Aznárez, Präsidentin von Reporter ohne Grenzen Spanien, ist gestern nach langer Krankheit gestorben. Sie war eine ausgezeichnete Journalistin und eine starke Stimme für Presse- und Informationsfreiheit. Im Jahr 2008 wurde sie Vize-Präsidentin der spanischen Sektion von Reporter ohne Grenzen, drei Jahre später Präsidentin.

Neben ihrem unermüdlichen Einsatz für Medienfreiheit in Spanien setzte sich Malén auch sehr für die weltweite Zusammenarbeit innerhalb von Reporter ohne Grenzen ein.

„Malén war kompromisslos, wenn es um Pressefreiheit ging. Jeder, der sie kennenlernen durfte, schätzte ihre klare und verbindliche Art. Unser Beileid gilt ihrer Familie, Freundinnen und Freunden“, sagt Rubina Möhring, Präsidentin von Reporter ohne Grenzen Österreich.

Maléns Einsatz wird uns fehlen.

OSZE-Medienfreiheitsbeauftragter ist nötiger denn je – Reporter ohne Grenzen begrüßt Ende der Vakanz

Reporter ohne Grenzen begrüßt die Einigung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE) auf einen neuen Medienfreiheitsbeauftragten. Am Dienstagmittag verstrich die Frist für Einwendungen der Mitgliedsstaaten gegen die Ernennung des Franzosen Harlem Désir zum neuen Beauftragten für Medienfreiheit.

„Es ist gut, dass die OSZE endlich den Posten des Beauftragten für Medienfreiheit nachbesetzt hat. Gerade jetzt bedarf es einer zügigen Nachbesetzung, um dem Vormarsch der Gegner der Pressefreiheit etwas entgegenzustellen – erst recht die OSZE muss hier klare Zeichen setzen“, betont Rubina Möhring von Reporter ohne Grenzen Österreich.

Weiterlesen