bildschirmfoto-2017-04-20-um-11-31-43

Neues Fotobuch von Yann Arthus-Bertrand

Yann Arthus-Bertrand ist ein vielfach ausgezeichneter französischer Fotograf, Journalist und Umweltschützer. Seine spektakulären Luftbildaufnahmen in Büchern und Filmen machten ihn international bekannt. 100 seiner beeindruckendsten Bilder sind in unserem neuen „Fotobuch der Pressefreiheit“ zu sehen. Außerdem enthalten: ein Special Feature zum Thema „Watch out for Fake News!“, in französischer und englischer Sprache.

Unterstützen Sie uns, in dem Sie dieses Fotobuch um 9,9 Euro zzgl Porto kaufen! Bestellungen bitte per E-Mail.

Wahl

Türkei: Ohne Medienvielfalt ist der Weg für Erdoğan frei

Reporter ohne Grenzen (ROG) stellen die Gültigkeit des Referendums über die Verfassungsänderung in der Türkei am nächsten Sonntag ob der massiven Eindämmung der Informationsfreiheit in Frage. Das Ergebnis ist entscheidend für die Zukunft des Landes, aber die starke Kontrolle der Medien durch die Regierung hat eine angemessene öffentliche Debatte verhindert.

Menschenrechtsgruppen sind aufgrund der vorgeschlagenen Verfassungsänderungen alarmiert. Diese würden die Macht des Präsidenten erweitern und essentielle Kontrollmechanismen zerstören. Der Europarat hat die geplanten Veränderungen als einen „gefährlichen Schritt zurück“ hin zu einem „Einpersonenregime“ beschrieben.

Die öffentliche Debatte war hingegen völlig unzureichend, ist die Kampagne für das Referendum doch mit einer bisher nicht dagewesenen Maßregelung der unabhängigen türkischen Medienhäuser zusammengefallen.

„Die drastischen Beschränkungen der Medienvielfalt und der anhaltende Druck auf kritische JournalistInnen haben den Raum für eine demokratische Debatte massiv eingeschränkt“, meint Rubina Möhring, Vorsitzende von Reporter ohne Grenzen Österreich. „Wie können die türkischen BürgerInnen eine informierte Wahl treffen, wenn ihnen der Zugang zu einer vollständigen Medienberichterstattung und einer reichen Facette an Meinungen versperrt bleibt? Demokratie braucht Informationsfreiheit. Sie muss unmittelbar wiederhergestellt werden.“

Weiterlesen

Türkei: Cumhuriyet-JournalistInnen drohen 43 Jahre Haft

Aus einer gestern bekannt gewordenen Anklage geht hervor, dass 19 JournalistInnen und andere Angestellte der oppositionellen Tageszeitung Cumhuriyet für angebliche Unterstützung von Terrororganisationen Gefängnisstrafen zwischen siebeneinhalb und 43 Jahren erwarten könnten. Rubina Möhring, Präsidentin von Reporter ohne Grenzen, beurteilt diese Anklage als eine absolute Schande für die türkischen Behörden.

Erst gestern erfuhren die 19 Angeklagten, welche Anklagen gegen sie erhoben werden, obwohl einige von ihnen schon die vergangenen fünf Monate gefangen gehalten werden. Sie werden der „Mitgliedschaft“ oder „Unterstützung“ der Gülen-Bewegung, dem auch der versuchte Staatsputsch im Juli zugeschrieben wird, der Kurdischen Arbeiterpartei PKK und der linksextremen DHKP-C beschuldigt. Die Anklageschrift behauptet auch, dass „ein radikaler Wandel in der Redaktionslinie“ aufgetreten sei, seit Can Dündar im Februar 2015 die Chefredaktion der Cumhuriyet übernommen hat und dass die Cumhuriyet folglich die Ziele dieser illegalen Organisationen unterstützen würde.

Kriminalisierte Blattlinie
Zehn der Angeklagten, darunter der bekannte Kolumnist Kadri Gürsel, Chefredakteur Murat Sabuncu und Karikaturist Musa Kart sitzen bereits die letzten fünf Monate in Untersuchungshaft. Der Investigativjournalist Ahmet Şık sitzt seit Dezember ein. Unter den Angeklagten sind außerdem der vorübergehende leitende Redakteur Aydın Engin, Washington Post-Korrespondent İlhan Tanir und Dündar selbst, der zurzeit im selbstgewählten Exil in Deutschland lebt.

Weiterlesen

motiv-freeturkeyjournalists_kl

Türkei im Ausnahmezustand

Türkei im Ausnahmezustand: 150 JournalistInnen wurden bereits festgenommen, viele mehr sind in Gefahr. Wir fordern ihre Freiheit!
Sie können die Journalistinnen und Journalisten in der Türkei unterstützen, in dem Sie diesen Appell unterschreiben.

Was sich gerade in der Türkei abspielt, ist beängstigend: Das Land ist in einem extremen Ausnahmezustand. Die Presse- und Meinungsfreiheit ist außer Kraft gesetzt. 170 Medien wurden verboten, 150 JournalistInnen sind bereits in Haft. Hunderte fürchten um ihre Freiheit. Ihr “Verbrechen”: unabhängige Berichterstattung.

Einer von ihnen ist Kadri Gürsel. „Vor drei Monaten wurden wir im Zuge einer politischen Operation verhaftet. Das Ziel: Unsere Zeitung Cumhuriyet zum Schweigen zu bringen und zu zerstören. Uns wird vorgeworfen, Teil einer terroristischen Organisation zu sein“, erzählt der inhaftierte Journalist. So wie Kadri Gürsel geht es vielen JournalistInnen und BloggerInnen in der Türkei.

Sie fürchten, dass sich die Situation in den nächsten Wochen weiter verschärft: Denn am 16. April stimmen die TürkInnen in einem Referendum über die geplanten Verfassungsänderungen ab, mit denen Präsident Erdoğan seine Macht ausbauen will. Weitere Einschränkungen der Presse- und Meinungsfreiheit werden befürchtet. Die internationale Gemeinschaft darf nicht länger wegsehen. Wenn wir jetzt aktiv werden, können wir Druck auf die türkische Regierung aufbauen und die JournalistInnen schützen und unterstützen.

Kadri Gürsel und seine inhaftierten KollegInnen zählen auf unsere Unterstützung: „Ich würde auch mit euch zusammenstehen, mit denen ich jahrelang für die Pressefreiheit gekämpft habe“, schreibt er aus der Haft. Er hofft auf internationale Solidarität.

Deshalb haben wir eine breite Koalition aus österreichischen und internationalen Organisationen gebildet*. Wir fordern die sofortige Freilassung der inhaftierten JournalistInnen, ein Ende der Repressionen und die Achtung der Presse- und Meinungsfreiheit. Gemeinsam appellieren wir an die türkische Botschaft in Österreich und Präsident Erdoğan. Bitte schließen auch Sie sich an, damit unsere Stimme Gewicht hat.

Hier klicken und den dringenden Appell zur Freilassung der JournalistInnen unterzeichnen!

*Folgende PartnerInnen unterstützen den Appell:
#aufstehn, International Press Institute, Reporter ohne Grenzen
Co-PartnerInnen: Initiative Qualität im Journalismus, Presseclub Concordia, GPA-djp

Belarus: rund 50 JournalistInnen innerhalb von zwei Tagen verhaftet

Nachdem sie von landesweiten Protesten in Belarus (Weißrussland) am vergangenen Wochenende berichtet hatten, wurden mindestens 49 JournalistInnen und BloggerInnen verhaftet und zunächst mindestens fünf zu Gefängnisstrafen verurteilt. Reporter ohne Grenzen (ROG) kritisiert das scharfe Vorgehen und fordert die internationale Gemeinschaft auf, die Regierung zur Rechenschaft zu ziehen: „Diese brutale und systematische Polizeischikane stellt eine eklatante Verletzung der Medienfreiheit dar“, erklärt Rubina Möhring, Präsidentin von Reporter ohne Grenzen Österreich.

Durch die Verurteilungen vom 25. und 26. März beläuft sich die Zahl von verhafteten ReporterInnen in Belarus mittlerweile auf circa 100 seit dem 10. März – das ist auch ein Zeichen für die Verschärfung der repressiven Methoden, die von den Behörden als Antwort auf die Welle von Antiregierungsprotesten angewendet werden.

Gegen fünf Journalisten wurden am Montag Gefängnisstrafen wegen Hooliganismus und Teilnahme an unautorisierten Demonstrationen verhängt. Wie auch die Proteste selbst, war dieses Vorgehen beispiellos seit 2011.

„Die internationale Gemeinschaft muss Druck auf die Regierung in Belarus ausüben. Die Journalisten, die für die Ausübung ihrer Arbeit verhaftet wurden, müssen sofort freigelassen und alle Anklagen fallengelassen werden. Das Vorgehen der Regierung unterstreicht die dringende Notwendigkeit, aus Achtung der Menschenrechte strenge Bedingungen für Wiederannäherungen mit Belarus zu setzen,“ so Rubina Möhring.

Weiterlesen

Erol Önderoğlu

Türkei: wieder Gerichtsverhandlungen gegen Journalisten

Morgen, Dienstag, werden in Istanbul die Verhandlungen gegen Erol Önderoğlu, Journalist und Korrespondent von Reporter ohne Grenzen, und zwei weitere Angeklagte fortgesetzt. „Die Türkei muss die Anklagen fallen lassen – gegen Erol und alle anderen unschuldig angeklagten Journalisten“, so Rubina Möhring, Präsidentin von Reporter ohne Grenzen Österreich.

Vertreter von Reporter ohne Grenzen sind in Istanbul vor Ort, um die Wiederaufnahme der Verhandlungen zu beobachten. Mit Erol Önderoğlu sind auch Frau Şebnem Korur Fincancı, Vorsitzende der Türkischen Menschenrechtsorganisation „Human Rights Foundation (TIHV)“ und der Autor Ahmet Nesin angeklagt. Ihnen drohen mehrjährige Gefängnisstrafen, weil sie sich gemeinsam für die kurdische Tageszeitung Özgür Gündem eingesetzt hatten.

Die Vertreter von Reporter ohne Grenzen, die in Istanbul den Prozess beobachten, zeigen damit ihre Unterstützung – für die heute Angeklagten, ihre inhaftierten Kolleginnen und Kollegen und die türkischen Journalistinnen und Journalisten generell, die beispielloser Hetze und Verfolgung ausgesetzt sind.

„Diese Menschen setzen sich mutig für Meinungsfreiheit und Pluralismus in den Medien ein – sie gehören ausgezeichnet, nicht angeklagt“, sagt Rubina Möhring, Präsidentin von Reporter ohne Grenzen Österreich. Die steigende Zahl an Medienunternehmen, die in der Türkei in den vergangenen Monaten geschlossen wurden, zeige, wie wichtig der Einsatz von Erol Önderoğlu und seinen KollegInnen sei.

„Die absurden Anschuldigungen müssen fallengelassen werden“, fordert Möhring. Gerade im Hinblick auf das türkische Referendum am 16. April 2017 wäre eine vielfältige Medienlandschaft in der Türkei besonders wichtig. Stattdessen sei die türkische Medienlandschaft zunehmend von Gleichschaltung und restriktiver Informationspolitik gezeichnet.

Weiterlesen

Welttag gegen Internetzensur

Welttag gegen Internetzensur: blockierte Webseiten entsperrt

Zum Welttag gegen Internetzensur am 12. März 2017 hat Reporter ohne Grenzen (ROG) fünf zensierte Webseiten in Aserbaidschan, Katar, Saudi-Arabien, der Türkei und Turkmenistan entsperrt. Mit der Aktion Grenzenloses Internet setzt die Organisation ein Zeichen gegen die weitreichende Internetzensur in vielen Staaten.

„Immer wieder sperren autoritäre Regime Inhalte im Internet, um der Bevölkerung kritische Informationen vorzuenthalten“, sagt Rubina Möhring, Präsidentin von Reporter ohne Grenzen Österreich. „Wir protestieren gegen die Bemühungen von Staaten, unabhängige Informationsquellen zu sperren. Regierungen dürfen nicht darüber entscheiden, was Menschen wissen und welche Meinungen sie sich bilden.“

Um die zensierten Seiten zugänglich zu machen, hat ROG die fünf Webseiten „gespiegelt“ und auf den Cloud-Servern großer Anbieter wie Amazon, Microsoft und Google abgelegt. Eine Regierung könnte die gespiegelten Webseiten nur noch sperren, indem sie den gesamten jeweiligen Cloud-Server blockiert. Doch damit träfe sie zugleich tausende Unternehmen, die auf Dienste derselben Anbieter angewiesen sind. Einen so großen wirtschaftlichen und politischen „Kollateralschaden“ ihrer Internetzensur dürften Regierungen in der Regel scheuen.

Die fünf für die Aktion ausgewählten Webseiten sind wichtige Nachrichten- oder Menschenrechtsportale. Zu den entsperrten Seiten gehört das neue kritische Onlinemedium Özgürüz. Das deutsch-türkische Portal wurde Ende Jänner – einen Tag, bevor die Berichterstattung losgehen sollte – in der Türkei gesperrt. Chefredakteur ist der türkische Journalist Can Dündar.

Ein weiteres Beispiel ist der Exil-Sender Meydan TV. Das 2013 vom aserbaidschanischen Journalisten Emin Milli gegründete Medium berichtet über Politik, Kultur und Gesellschaft Aserbaidschans und wurde in kurzer Zeit populär. Es gehört zu den wenigen Quellen für unabhängige Informationen aus Aserbaidschan. Immer wieder versuchte das aserbaidschanische Regime, die Arbeit des Senders zu verhindern und Mitarbeiter einzuschüchtern.

Weiterlesen

Schutz für Journalistinnen in Kabul: Warum es den Versuch wert ist

Journalistinnen entsprechen in Afghanistan nicht dem traditionellen weiblichen Rollenbild

„Ruz Bakheyr“ ist das afghanische Synonym für „guten Tag“. Die wörtliche Übersetzung lautet: schöner Tag. Einen schönen Tag wünsche ich an diesem speziellen Tag natürlich uns allen Frauen, die wir nicht durch ein x-beliebiges, sondern ganz dezidiert durch das X-Chromosom ausgezeichnet sind. Zeitgerecht zum Internationalen Frauentag ist es Reporter ohne Grenzen gelungen, in Afghanistans Hauptstadt Kabul ein Schutzzentrum für Journalistinnen zu eröffnen. Es ist dies ein Wagnis, doch den Versuch ist es wert. Warum? Journalistinnen entsprechen in Afghanistan nicht dem traditionellen weiblichen Rollenbild. Weder die Taliban wollen Frauen, die recherchieren, schreiben, fotografieren, noch der IS noch leider oft auch die eigenen traditionellen Familien.

Unerschrockene professionelle Journalistinnen

Dennoch gibt es sie, diese selbstbestimmten, unerschrockenen professionellen Journalistinnen. Ihr Credo ist weder Schleiertanz noch jegliche Art verschleierter Blicke: Sie schärfen vielmehr den Blick für ungeschminkte Wahrheiten. Leicht ist das nicht, ungefährlich schon gar nicht. Deshalb dieses neue Zentrum in Kabul unter Leitung der bekannten Journalistin Farida Nekzad. Nekzad hatte 2009 die Nachrichtenagentur Wakht gegründet, ein Forum für Journalistinnen, um über Frauenrechte und andere gesellschaftspolitische Themen zu informieren. Öfters wurde versucht, sie zu entführen oder zu töten. Immer vergeblich. Besonders gefährdet war ihr Leben, als sie im Jahr 2007 den Mord an der Journalistin Sakia Saki recherchierte. Im vergangenen Jahr wurden weltweit fünf Journalistinnen getötet – drei davon in Afghanistan.

Weiterlesen