RANGLISTE PRESSEFREIHEIT 2018

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Über die Rangliste der Pressefreiheit

Die Rangliste der Pressefreiheit wird seit 2002 jährlich erstellt und misst durch 87 Fragen die Situation von Journalistinnen und Journalisten, Medienhäusern und zivilen Bürgerreporterinnen und -reportern in 180 Ländern. Damit ist die Rangliste der Pressefreiheit eines der besten Instrumente, um Informationsfreiheit sowie Pressefreiheit in einer Region zu erfassen. Der Index ist allerdings kein Beurteilungsmaßstab für die Qualität von Journalismus, die durch verschiedene rechtliche Rahmenbedingungen eingeschränkt sein kann.

 

Lage Österreich

Nachdem Österreich im Jahr 2016 aufgrund der auffällig hohen Inseratendichte, des weiterhin verschleppten transparenteren Informationsgesetzes und der Beibehaltung des Amtsgeheimnisses sowie der Nachrichtensperre rund um das Flüchtlingsaufnahmezentrum Traiskirchen gleich um vier Plätze gefallen war, bleibt Österreich 2018 wie im Vorjahr stabil auf Platz 11 und liegt damit im weißen Bereich. Diesen Platz hat es aber auch aufgrund Verschiebungen innerhalb der restlichen Länder.

Ausschlaggebender als die Platzierung selbst ist der Score. Dieser lag 2015 noch bei 10,85, verschlechterte sich seither aber von Jahr zu Jahr. 2016 lag er bei 13,18, 2017 bei 13,47 und mit der diesjährigen Rangliste verschlechtert er sich um 0,57 Punkte auf 14,04.

Diese Verschlechterung erklärt sich durch direkte Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten vor allem durch Politikerinnen und Politiker der FPÖ. „Attacken nicht nur gegen Medien an sich, sondern gegen einzelne Journalistinnen und Journalisten persönlich haben zugenommen. Eine sorgenvolle Entwicklung, gerade in Zusammenhang mit dem Vormarsch autoritärer Personen in Österreich und seinen Nachbarländern“, bilanziert Rubina Möhring, Präsidentin von Reporter ohne Grenzen. Das habe sich auch auf den verschlechterten Score ausgewirkt. „Dieses Vorgehen dient, genauso wie wiederholte Drohungen von Einsparungen und Entlassungen im öffentlichen Rundfunk, der Einschüchterung von Journalisten. Ein Vorgehen, das einer Demokratie nicht angemessen ist“, meint Möhring.

„Der zunehmende Druck auf Journalistinnen und Journalisten, etwa durch finanzielle Unsicherheit und damit Unabhängigkeit des ORF, wird sich vermutlich noch stark auf die Pressefreiheit und damit auf die Rangliste im Jahr 2019 auswirken“, befürchtet Möhring.

Rangliste international

Auf Platz 1 und 2 liegen wie bereits im Vorjahr Norwegen und Schweden, die Niederlande haben es mit einer Verbesserung um zwei Plätze auf Rang 3 geschafft. 7 von 10 Ländern in den Top Ten sind nach wie vor europäisch, auf Platz 6 hat es Jamaica geschafft, auf Rang 8 und 10 liegen Neuseeland und Costa Rica.

Mit einem zusätzlichen Score von 4,97 beziehungsweise 4,75 Punkte sind Tschechien und die Slowakei die Score-Verlierer des Rankings 2018. Sie büßen 11 und 10 Punkte in der Rangliste ein, gefolgt von Nordkorea, das angesichts seines bisherigen letzten Platzes auch mit dem dritthöchsten Scoregewinn von 3,89 nicht weiter fallen kann.

Am meisten Plätze verloren hat mit einem drastischen Fall um 18 Plätze Malta, das jetzt nur mehr auf Rang 65 von 180 liegt. Von den Ländern mit dem höchsten Rangverlust sind vier von fünf Ländern europäisch: Neben Malta sind das Tschechien (um 11 Ränge verschlechtert auf Platz 34), Serbien (um 10 Ränge verschlechtert auf Platz 76) und die Slowakei (um 10 Ränge verschlechtert auf Platz 27.)

Der Irak ist mit einem zusätzlichen Score von 2,53 und einem Rangverlust von 2 Plätzen in die Kategorie der „schwarzen Länder“ abgerutscht, in denen die Situation als sehr schwierig eingestuft wird. Noch nie zuvor waren so viele Länder wie dieses Jahr schwarz eingefärbt. Insgesamt sind nun 22 Länder, also 12 % aller Länder als sehr schwierige Länder klassifiziert.

Die meisten Plätze gut gemacht haben hingegen Gambia, Südkorea und Griechenland mit einer Verbesserung um 21, 20 und 14 Rängen. Im Score haben sich Gambia, Usbekistan und der Iran um 8,35, 5,28 und 4,4 Punkten am stärksten verbessert.

Insgesamt wurden im Jahr 2017 65 JournalistInnen getötet, 326 wurden inhaftiert und 54 wurden als Geisel gehalten. In den letzten 15 Jahren wurden insgesamt 1035 Journalistinnen und Journalisten getötet.

Im Jahr 2018 wurden bisher 13 JournalistInnen getötet.

 

weltweite Verteilung von Ländern je nach Situation

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0 – 15 Punkte                gute Situation (weiß)
15,01 – 25 Punkte         ausreichende Situation (gelb)
25,01 – 35 Punkte         spürbares Problem (orange)
35,01 – 55 Punkte         schwierige Situation (rot)
55,01 – 100 Punkte        sehr schwierige Situation (schwarz)

 

 

Als Trend festzuhalten ist, dass sich direkte Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten nicht mehr nur auf offen medienfeindliche Länder wie die Türkei oder Ägypten konzentrieren, sondern auch in demokratischen Ländern Journalistinnen und Journalisten oft nicht mehr als Verbündete innerhalb der Demokratie, sondern als Gegner wahrgenommen werden. Bestes Beispiel ist Donald Trump, der Medienvertreter als „Volksfeinde“ bezeichnet, aber auch Vorfälle in Österreich wie zuletzt rund um Armin Wolf, bei denen Angriffe gezielt gegen Personen gerichtet sind. Europa ist trotz der insgesamt noch immer besten Lage deshalb auch die Region, die sich am stärksten verschlechtert hat.

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Über Reporter ohne Grenzen Österreich

Seit 1998 gibt es in Österreich eine Sektion der international tätigen NGO Reporter ohne Grenzen. Der Verein mit mehr als 150 Mitgliedern setzt sich für Bewusstseinsbildung rund um Pressefreiheit ein und unterstützt Journalistinnen in Österreich und weltweit. Jährlich wird von Reporter ohne Grenzen Österreich der Press Freedom Award für besondere Verdienste um unabhängigen Journalismus vergeben, zuletzt an die montenegrinische Investigativjournalistin Saska Cvetkovska. Seit 2001/2002 leitet Dr. Rubina Möhring Reporter ohne Grenzen Österreich.

  

Methodologie

Ein Fragebogen bestehend aus 117 Fragen wird weltweit an Expertinnen und Experten geschickt und beantwortet. Darauf aufbauend wird in 7 Kategorien ein Punktewert vergeben. Einbezogen werden Ereignisse zwischen 1. Jänner und 31. Dezember 2017. Die Expertinnen und Experten wurden zwischen November 2017 und Mitte Jänner 2018 befragt.

  • Pluralität: Misst, inwiefern verschiedene Meinungen abgebildet sind.
  • Medienunabhängigkeit: Misst, wie stark Medien unabhängig vom Einfluss von Politik, Regierung, Wirtschaft oder Religion arbeiten können.
  • Umwelt und Selbstzensur: Analysiert die Umgebung, in der Nachrichtenhäuser agieren.
  • rechtliche Rahmenbedinungen: Misst, welchen Einfluss der rechtliche Rahmen hat, innerhalb dessen Medien arbeiten.
  • Transparenz: Misst die Transparenz von Institutionen und ihren Einfluss auf die Entstehung von Nachrichten.
  • Infrastruktur: Misst die Qualität der Infrastruktur, die Journalistinnen und Journalisten bei der Beschaffung von Informationen unterstützt.
  • Gewalt: Zeichnet alle Formen von Gewalt gegen Journalistinnen und Journalisten auf.

Jedem Indikator wird eine Wertung zwischen 0 und 100 zugewiesen. Die Indikatoren 1-6 werden kombiniert und mit dem Indikator 7 aufgerechnet. So soll verhindert werden, dass Länder mit massiven Einschränkungen und engmaschiger Informationskontrolle, aber ohne physische Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten im Score zu gut abschneiden.

weiterführendes Material und Analysen 

Rangliste der Pressefreiheit 2018

Landkarte der Pressefreiheit 2018

Informationen zur Methodologie (EN)

allgemeine Analyse Rangliste 2018 (EN)

Analyse Europa / Balkan Rangliste 2018 (EN)

Analyse Nordamerika Rangliste 2018 (EN)

Analyse Nordafrika Rangliste 2018 (EN)

Analyse Nahost Rangliste 2018 (EN)

Analyse Lateinamerika Rangliste 2018 (EN)

Analyse Asien / Pazifik Rangliste 2018 (EN)

Analyse ex-Soviet-Länder / Türkei Rangliste 201 (EN)

 

 

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