Zweiter Journalist in Bangkok erschossen / ROG mahnt Schutz für Reporter an

Zweiter Journalist in Bangkok erschossen / ROG mahnt Schutz für Reporter an

Reporter ohne Grenzen (ROG) ist bestürzt über den Tod des freien Fotografen
Fabi Polenghi am Morgen des 19. Mai in der thailändischen Hauptstadt
Bangkok. Er ist beim Angriff der thailändischen Armee auf die Rothemden von
Kugeln getroffen worden. Bei der Militäroffensive wurden außerdem ein
niederländischer Reporter und ein US-amerikanischer Dokumentarfilmer
verletzt. In den vergangenen Tagen waren bei den Auseinandersetzungen in
Bangkoks Innenstadt bereits ein französischer Kameramann sowie zwei
thailändische Fotografen verletzt worden.

ROG appellierte ein weitere Mal an die thailändische Armee und die
Rothemden, für die Sicherheit von Medienschaffenden zu sorgen. “Wir sind
fassungslos und schockiert angesichts der rücksichtslosen Gewalt. Beide
Seiten müssen sich den Anforderungen des internationalen Rechts unterwerfen,
nach denen Journalisten nicht zu militärischen Zielen werden dürfen.
Reporter haben denselben Schutzstatus wie Zivilisten”, kritisiert ROG.
“Wir fordern eine unabhängige und transparente Untersuchung der Umstände von
Polenghis Tod, einschließlich einer Obduktion und einer ballistischen
Studie. Falls nötig, sollten auch ausländische Experten herangezogen
werden”, so ROG weiter.


ROG hat sowohl die Rothemden als auch die staatlichen Sicherheitsbehörden
mehrfach dazu aufgefordert, die Sicherheit von Journalisten zu garantieren.
Während der Kämpfe in Bangkok war es Medienschaffenden nicht möglich, über
die Krise zu berichten, ohne dabei große Sicherheitsrisiken auf sich zu
nehmen. Besonders gefährlich war die Situation für Journalisten im Lumpini
Park, dem Versammlungsort der Rothemden. In diesem Gebiet waren sie sowohl
dem Gewehrfeuer der Sicherheitskräfte als auch möglichen Angriffen der
Rebellen ausgesetzt. Nach der Kapitulation der Rothemden am 19. Mai setzten
wütende Anhänger der oppositionellen Bewegung zudem unter anderem das
Gebäude des nationalen Fernsehsenders “Channel 3” in Brand.

Offenbar erschweren die thailändischen Behörden eine unabhängige
Berichterstattung über die Auseinandersetzungen. In den vergangenen Wochen
hatten sie ihre Absicht erklärt, Medien vom Ort der Kämpfe und der geplanten
Offensive fernzuhalten. Zudem wurden im Zuge der Zensur von Nachrichten rund
4.500 Internetseiten gesperrt. Der Twitter-Account von Thaksin Shinawatra
ist seit dem Morgen des 19. Mai in Thailand nicht mehr zugänglich. Thaksin,
der ehemalige Premierminister des Landes, wird von den Rothemden
unterstützt.

Fabi Polenghi arbeitete fast drei Jahrzehnte lang als Journalist, darunter
für Magazine wie “Vogue” und “Vanity Fair”. Er ist bereits der zweite
Medienmitarbeiter, der während der Krise im südostasiatischen Staat getötet
wurde. Am 10. April wurde Hiroyuki Muramoto bei den Unruhen in Bangkok
erschossen. Der Japaner arbeitete als Kameramann für die Nachrichtenagentur
“Reuters”. Die Ergebnisse einer offiziellen Untersuchung über die Umstände
von Muramotos Tod wurden nicht, wie von ROG gefordert, veröffentlicht.

Nach Medienberichten wurden bei den Auseinandersetzungen in der
thailändischen Hauptstadt seit Mitte März rund 70 Menschen getötet, 1700
wurden verletzt.

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