Wie Medien bei Sotschi 2014 instrumentalisiert werden

Wie Medien bei Sotschi 2014 instrumentalisiert werden

Sport in Co-Abhängigkeit mit Medien, kritische Sport-Berichterstattung ist selten

Wien, 29. Jänner 2014 – Im Februar starten die 22. Olympischen Winterspiele im russischen Sotschi. Präsident Wladimir Putin nützt das mediale Interesse und inszeniert ein Welt-Ereignis – trotz zahlreicher Missstände in Russland. Werden die Medien instrumentalisiert oder lassen sie sich instrumentalisieren? Dieser Frage gingen Andrej Iwanowski von der Nachrichtenagentur RIA Novosti sowie Sportjournalist Johann Skocek am Dienstag beim Hintergrundgespräch von Reporter ohne Grenzen und dem Presseclub Concordia auf den Grund.

Sotschi 2014 – für Präsident Wladimir Putin ein Prestige-Projekt allerhöchster Priorität: 36,5 Milliarden Euro werden in die Vorbereitungsarbeiten und die Abhaltung der Spiele investiert, Menschen wurden um- und angesiedelt. Proteste wurden im Keim erstickt. Putin inszeniert ein Welt-Ereignis, setzt auf einen internationalen Triumph und baut auf breite mediale Berichterstattung. Wie Medien bei sportlichen Großereignissen instrumentalisiert werden, diskutierten Andrej Iwanowski, Redaktionsleiter der Nachrichtenagentur RIA Novosti/Deutscher Dienst und Johann Skocek, Sportjournalist und Autor. Moderiert wurde das Gespräch von Rubina Möhring, Präsidentin von Reporter ohne Grenzen Österreich. Besprochen wurde unter anderem der Stellenwert von Menschenrechten und Pressefreiheit bei sportlichen Ereignissen wie den Olympischen Spielen in Sotschi.


Schwieriges Verhältnis zwischen Medien, Sport und Wirtschaft

Die Frage, ob Medien instrumentalisiert werden oder sich instrumentalisieren lassen, kann – so waren sich die beiden Sprecher einig – nicht eindeutig beantwortet werden. Schließlich handle es sich um ein symbiotisches System: Sport ist für Medien ein idealer Inhalt; er ist aktuell, kurzlebig und weckt Emotionen. Sport brauche Medien gleichermaßen wie umgekehrt. „Das Subsystem Sport mit diplomatisch und wirtschaftlich schwierigen Beziehungen verschiedener Länder in Zusammenhang zu bringen, halte ich nicht für sinnvoll. Weder der Boykott bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau noch 1984 in Los Angeles war zielführend”, so Skocek. Iwanowski ergänzt: „Bei einem Boykott zahlen nur die Sportler drauf. Auch nach 1980 ist die Sowjetunion in Afghanistan geblieben – der eigentliche Zweck des Boykotts wurde also nicht erreicht.”

Kritische Sportberichterstattung selten

„Sportberichterstattung ist seit jeher meist auf die Ergebnisse – Jubelmeldungen oder Niederlagen – fokussiert. Kritische Berichterstattung zum politischen Umfeld oder zum sportlichen Hintergrund ist eher selten. So werden Korruptionsgerüchte rund um Sportveranstaltungen wie die Olympischen Spiele kaum thematisiert”, so Skocek. „Das Interesse in der Öffentlichkeit ist eher gering, die glanzvolle Sogwirkung von Sieg und Niederlage zu groß. Dazu kommen problematische Sponsoringgeschäfte: „Auch Österreichische Medien kooperieren mit Sportorganisationen – das erschwert kritische Berichte.” Was die Berichterstattung in russischen Medien anbelangt, so sei diese dennoch weitgehend unabhängig, so Iwanowski. „Die westlichen Medien übernehmen sämtliche Informationen zu Umsiedlungen, Missachtung der Menschenrechte, etc. von russischen Medien. Hier muss man zwischen offiziellen und nicht-staatlichen Medien unterscheiden. Nicht-staatliche Medien berichten durchaus kritisch. Jedoch reagiert die russische Zivilbevölkerung eher passiv auf aufgedeckte Missstände. Die Enttäuschung über die Politik ist groß.”

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