Türkei: weitere Gerichtsentscheidungen gegen JournalistInnen

Nun auch Wall Street Journal-Journalistin Ayla Albayrak verurteilt; deutsche Journalistin Mesale Tolu weiterhin in Haft

Ayla Albayrak arbeitet in Istanbul als Journalistin für The Wall Street Journal – dabei berichtet sie vor allem über die Situation syrischer Flüchtlinge und kurdischer Minderheiten in der Türkei. Nun wurde sie von einem türkischen Gericht unter dem Vorwurf der „terroristischen Propaganda“ zu mehr als zwei Jahren Haft verurteilt. Es ist eine sehr willkürliche Strafe gegen eine Journalistin, die ihre Arbeit verfolgt hat. Der Zweck? Ausländische Journalisten vor der Berichterstattung in der Türkei abzuschrecken. Mehr zu diesem Urteil hier (englisch).

Weiters hat ein Gericht in der Silivri-Haftanstalt in Istanbul gestern entschieden, die Untersuchungshaft der seit 5. Mai in der Türkei inhaftierten deutschen Journalistin und Übersetzerin Mesale Tolu zu verlängern. „Wir sind bestürzt über diese Entscheidung“, so Rubina Möhring, Präsidentin von Reporter ohne Grenze Österreich. Die Staatsanwaltschaft hat keine neuen glaubwürdigen Belege präsentiert, die die unangemessenen Anschuldigungen gegen Mesale Tolu rechtfertigen. Die Entscheidung, ihre Haft zu verlängern, zeigt erneut, dass von einer unabhängigen Justiz in der Türkei keine Rede sein kann.

Bei ihrer Festnahme wurde Tolu von ihrem zweijährigen Sohn Serkan getrennt, der daraufhin zunächst bei Verwandten unterkam. Erst später durfte er auf eigenen Wunsch zu seiner Mutter ins Gefängnis ziehen. Tolu beschreibt ihn als so traumatisiert von den Ereignissen, dass er nicht von ihrer Seite weichen und den Gefängniskindergarten besuchen wolle. Spielzeug von außerhalb des Gefängnisses werde ihm von den Behörden verweigert. Kontakt zu ihrem Ehemann, der schon seit dem 5. April in einem türkischen Gefängnis festgehalten wird, darf Tolu nach eigener Darstellung nur per Brief halten. „Mesale Tolu muss frei gelassen werden“, fordert Möhring.

Update 16.10.2017: Tolus Sohn kommt nun doch aus dem Gefängnis, siehe Artikel der Schwäbischen Zeitung.

Auf der Rangliste der Pressefreiheit steht die Türkei auf Platz 155 von 180 Staaten.