Schutzzentrum für afghanische Journalistinnen

Zum Internationalen Frauentag eröffnet Reporter ohne Grenzen (ROG) in Kabul das Zentrum für den Schutz von Journalistinnen in Afghanistan (CPAWJ). Unter der Federführung der bekannten afghanischen Journalistin Farida Nekzad setzt sich das CPAWJ für die Sicherheit von Frauen in Medienberufen ein und hilft ihnen, gegen den sozialen Druck in einer patriarchal geprägten Gesellschaft anzukämpfen.

„Afghanistan ist entgegen vieler Behauptungen kein sicheres Land, am wenigsten für Medienmenschen. Besonders Journalistinnen sind in hohem Maße gefährdet. Sie werden von den Taliban und dem IS verfolgt, auch weil sie sich nicht deren weiblichem Rollenbild unterordnen“, sagt Rubina Möhring, Präsidentin von Reporter ohne Grenzen Österreich. „Auch der gesellschaftliche Druck ist für Journalistinnen extrem hoch. Wir kennen die Fälle von vier Journalistinnen, die von Familienmitgliedern ermordet wurden.“. Gleichzeitig zwingt viele der soziale Druck dazu, ihre Arbeit aufzugeben. Seit 2002 wurden mindestens vier Journalistinnen von ihren Verwandten ermordet. Um Journalistinnen besser zur schützen, organisiert das CPAWJ unter anderem Seminare über physische und digitale Sicherheit. Zudem setzt sich das neue Zentrum für ihre Rechte gegenüber Behörden und Medienunternehmen ein. Es gibt Empfehlungen an die Behörden darüber, welche Gesetze die Arbeitsbedingungen von Frauen in Medienberufen verbessern können.

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Das CPAWJ fungiert auch als Ort des Austauschs mit der Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen, insbesondere für Journalistinnen, die in abgelegenen Gebieten arbeiten. Dafür arbeitet das Zentrum bereits mit zehn Journalistinnen in zehn verschiedenen Provinzen zusammen, fünf davon in Konfliktgebieten. Ziel ist es, das Netzwerk im ganzen Land auszubauen.

Die Journalistin Farida Nekzad wird das Zentrum leiten. Sie hat im Jahr 2009 die Nachrichtenagentur Wakht gegründet, in der Journalistinnen unter anderem über die Rechte von Frauen berichteten. Ihre Kritiker haben wiederholt versucht, sie zu entführen oder umzubringen. Als Nekzad im Jahr 2007 den Mord an der Journalistin Sakia Saki recherchierte, bekam sie Anrufe und Emails mit der Drohung, dass sie das gleiche Schicksal erleiden werde. Nekzad hat zahlreiche Preise gewonnen, darunter den Courage in Journalism Award der Internationalen Stiftung für Frauen in den Medien. Auf Vorschlag von ROG lebte sie 2014 als Stipendiatin der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte mit ihrer Tochter in Hamburg.

Zwei Feinde der Pressefreiheit in Afghanistan

Afghanistan gehört zu den gefährlichsten Ländern für Journalisten weltweit. Im vergangenen Jahr wurden dort mindestens zehn Medienschaffende wegen ihrer Arbeit getötet. ROG zählt die dort Terror verbreitenden Organisationen Taliban und Islamischer Staat zu den weltweit größten Feinden der Pressefreiheit. Die Zahl der Journalisten aus Afghanistan, die sich mit der Bitte um Unterstützung an das ROG-Nothilfereferat wenden, ist 2016 im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen. Momentan steht ROG mit 10 afghanischen Journalisten in Kontakt, die Hälfte von ihnen sind Frauen.

Von den im vergangenen Jahr weltweit getöteten fünf Journalistinnen kamen drei aus Afghanistan. Die drei beim privaten afghanischen Fernsehsender Tolo TV angestellten Journalistinnen Mariam Ebrahimi, Mehri Asisi und Sainab Mirsai kamen ebenso wie vier ihrer männlichen Kollegen im Januar 2016 bei einem Selbstmordanschlag auf einen Kleinbus des Senders in der Hauptstadt Kabul ums Leben. Im Januar 2017 starb eine Mitarbeiterin des parlamentarischen Fernsehsenders bei einem Bombenanschlag auf das Parlament in Kabul.

Gewalt gegen Journalistinnen

Neben dem hohen Sicherheitsrisiko stehen Journalistinnen in Afghanistan vor gesellschaftlichen Hürden. Viele werden von ihren eigenen Familien unter Druck gesetzt, weil diese um die Sicherheit der Frauen fürchten. Seit 2002 wurden mindestens vier Journalistinnen von Verwandten getötet, darunter die Tolo TV Moderatorin Schaima Resaji im Jahr 2005 und zwei Jahre später die Moderatorin des Senders Schamschad TV, Schakiba Sanga Amadsch.

Viele Journalistinnen mussten ihre Arbeit schließlich aufgeben. In einigen Regionen des Landes arbeiten gar keine Frauen im Journalismus mehr.
Auf der Rangliste der Pressefreiheit steht Afghanistan auf Platz 120 von 180 Staaten.