Schießerei in Annapolis: „Wir sind untröstlich“

Schießerei in Annapolis: „Wir sind untröstlich“

Schießerei in Annapolis: „Wir sind untröstlich“

Am Donnerstag fand in Annapolis in den Vereinigten Staaten eine Schießerei in einer Redaktion statt. Fünf Personen der Lokalzeitung Capital Gazette kamen ums Leben, weitere wurden verletzt. Ein Tatverdächtiger ist festgenommen worden. Rubina Möhring, Präsidentin von Reporter ohne Grenzen Österreich, sieht auch eine Verantwortung bei der amerikanischen Regierung: „Die zahlreichen medienfeindlichen Äußerungen haben auch zu einer Atmosphäre beigetragen, in der Gewalt gegen JournalistInnen denkbar wird.“

 Capital Gazette – Reporter Phil Davis berichtete, wie ein Bewaffneter durch die Glastür des Büros das Feuer eröffnete. Der Angriff war gezielt vorbereitet worden, sagte Polizeichef Bill Krampf. Neben einer Schusswaffe mit langem Lauf habe er etwa rauchbildende Flüssigkeiten mit dabeigehabt. Die Polizei war extrem schnell vor Ort und konnte weitere Tote verhindern. Man geht von einem Mann Ende 30 aus der Region als Täter aus.

Reporter ohne Grenzen Österreich ist tief bestürzt von dem Ereignis. „Wir sind schockiert. Dass in Demokratien Journalistinnen und Journalisten um ihr Leben fürchten müssen, ist eine dramatische Entwicklung“, so Rubina Möhring. Personen in öffentlichen Positionen sollten sich ihrer Verantwortung bewusst sein, wenn sie ihre öffentliche Wirksamkeit für Hetze gegen Medien nutzen. „Das Klima, das durch ständige Angriffe auf JournalistInnen entsteht, ist gefährlich“, so Möhring.

Trotz der Attacke brachte die Capital Gazette am Freitag eine Ausgabe heraus, in der sie über den Angriff berichteten. Bereits kurz nach der Tat schrieb Reporter Chase Cook: „Eines kann ich euch sagen: Wir werden morgen eine verdammte Zeitung veröffentlichen.“ Am Freitag erschien am Titelblatt ein Bericht über die Attacke. „Wir sind untröstlich“, schrieben die überlebenden Journalistenkollegen.

Das Blatt zählt zu den ältesten Tageszeitungen der USA und berichtet als Teil der Gruppe der Baltimore Sun über Nachrichten aus der Region. Im Vorfeld der Schießerei hatte es Drohungen gegen die Zeitung gegeben. Der Tatverdächtige selbst führte vor Jahren einen Rechtsstreit gegen die Capital Gazette, den er verlor.

Beim Angriff auf die Zeitung kamen fünf Journalistinnen und Journalisten ums Leben. Die Capital Gazette veröffentliche Lebensläufe der fünf verstorbenen Mitarbeiter Gerald Fischman, Rob Hiaasen, John McNamara, Rebecca Smith und Wendi Winters.

Gerald Fischman, 61, war unter anderem für Leitartikel zuständig und wird von seinen Kollegen als eine ruhige Persönlichkeit mit brillantem Kopf, Humor und gefährlicher Schreibweise geschätzt.
Der Schreibstiel des 59-jährigen Rob Hiaasen wurde als ironisch beobachtend beschrieben. Er setzte sich im Mentoring junger Journalisten ein.
John McNamaras Steckenpferd war der Sport. Seine Kollegen erinnern sich an die flexible und prägnante Art zu schreiben des 56-Jährigen.
Rebecca Smith arbeitete erst seit Kurzem bei der Capital Gazette, ihre Kollegen beschrieben sie als „wertvollen Gewinn“ für die Zeitung. Sie wurde 34.
Wendi Winters, 51, war nach einer Karriere in Mode und Public Relations als Freelance-Reporterin für die Capital Gazette tätig.

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