Russland: Zum Tod von Michail Beketow – ein Kämpfer für die Pressefreiheit

Russland: Zum Tod von Michail Beketow – ein Kämpfer für die Pressefreiheit

andrey_stenin_taille_ok-2-733dd.jpgReporter ohne Grenzen (ROG) ist zutiefst betroffen vom Tod des erst 55-jährigen russischen Journalisten Michail Beketow am gestrigen Montag infolge eines Herzinfarkts. Der ehemalige Chefredakteur der „Chimkinskaja Prawda”, bekannt für seine mutigen und kritischen Texte, lebte nach einem Überfall im Jahr 2008 mit schweren bleibenden Schäden zurückgezogen.

Michail Beketow, geboren in Moskau, arbeitete nach dem Abschluss der Journalistik-Fakultät der Universität Moskau Lomonossow 1983 bei verschiedenen Moskauer Zeitungen als Korrespondent, Redakteur und Kommentator. Von 2006 bis 2008 war er Chefredakteur der lokalen Oppositionszeitung „Chimkinskaja Prawda”.


In seinen Texten thematisierte der heute 55-jährige Beketow immer wieder Korruption und Wahlfälschungen im Moskauer Vorort Chimki. Er war außerdem aktives Mitglied einer lokalen Protestbewegung gegen den geplanten Bau einer Fernstraße durch ein Waldgebiet bei Chimki. Der Moskauer berichtete auch über die illegale Vermarktung von Waldgrundstücken im Speckgürtel der Hauptstadt.

Michail Beketow erhielt oft Drohungen wegen seiner kritischen Berichterstattung. Nachdem sein Auto in Brand gesteckt und sein Hund getötet wurde, traf es ihn am 12. November 2008 selbst. In der Nähe seines Hauses in Chimki schlugen unbekannte Täter ihn brutal zusammen. Er verlor ein Bein und mehrere Finger und musste nach einer schweren Kopfverletzung wieder neu sprechen lernen. Seinem Beruf als Journalist konnte er seitdem nicht mehr nachgehen.

Von den Tätern und Hintermännern der Gewalttat fehlt jede Spur. Der Bürgermeister der Moskauer Vorstadt Chimki stritt jegliche Schuld ab, doch brachten verschiedene Medien ihn wiederholt in Verbindung mit brutalen Überfällen auf Journalisten.

Beketow erhielt von der russischen Journalistengemeinschaft und von Menschenrechtsorganisationen mehrere Preise. Auch Reporter ohne Grenzen zeichnete Michail Beketow 2010 mit dem Press Freedom Award aus.

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