Russischer Journalist Timur Kuaschew tot aufgefunden

Russischer Journalist Timur Kuaschew tot aufgefunden

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Reporter ohne Grenzen (ROG) ist erschüttert über die mutmaßliche Ermordung des russischen Journalisten und Menschenrechtsaktivisten Timur Kuaschew, der am vergangenen Freitag in einem Vorort der Stadt Naltschik in der autonomen nordrussischen Republik Kabardino-Balkarien tot aufgefunden wurde.
Kuaschew war als Korrespondent für die unabhängige Zeitschrift „Dosh” tätig, die vor allem über die Kaukasus-Region berichtet und 2009 den Press Freedom Prize von Reporter ohne Grenzen gewonnen hat.
„Der Tod von Timur Kuaschew zeigt einmal mehr, welchen Gefahren unabhängige Journalisten in Russland, vor allem in der Region des russischen Kaukasus ausgesetzt sind, so Rubina Möhring, Präsidentin von Reporter ohne Grenzen Österreich. Die gesellschaftliche Atmosphäre in der Region ist extrem polarisiert und gezeichnet von Dauerkonflikten mit benachbarten Republiken. Unabhängiger Journalismus wird hier meist mit der Unterstützung bewaffneter islamistischer Gruppierungen gleichgesetzt. Kuaschew jedoch schrieb „Artikel zu allen aktuellen Themen in der Politik wie auch über den Missbrauch von polizeilicher Gewalt, auf eine sehr ehrliche und couragierte Art”, so „Dosh”-Verleger Abdulla Duduyev.

„Es ist schockierend zu sehen, wie die zuständigen Behörden Todesdrohungen gegen Kuaschew beständig ignoriert haben, wie ihm jeglicher Schutz verweigert wurde. Reporter ohne Grenzen fordert eine eingehende Untersuchung, wenn nötig von außerhalb der Republik Kabardino-Balkarien. Die dort weit verbreitete Straflosigkeit von Angriffen gegen Journalisten muss ein Ende finden”, so Möhring weiter.
Der Körper des Journalisten Kuaschew wurde am Freitag Nachmittag in einem Waldstück eines Vorortes von Naltschik gefunden. Die Todesumstände sind bisher ungeklärt, eine Autopsie steht noch aus.
„Wir vermuten, dass Kuaschew von seinem Appartement entführt wurde”, schreibt die Zeitschrift „Dosh” und weist darauf hin, dass der Journalist sein Mobiltelefon, das er sonst immer dabeihabe, in seinem Apartment liegengelassen habe und auch seine Kleidung nicht darauf hindeutet, dass er seine Wohnung habe verlassen wollen.
Als Korrespondent für „Dosh” hatte der Journalist immer wieder über missbräuchliche Handlungen von staatlichen Sicherheitskräften und Polizei in sogenannten „Anti-Terror-Operationen” berichtet. Auch sonst galt er als kritischer politischer Beobachter. Kuaschew erhielt bereits seit Jahren Todesdrohungen. Im April 2013 veröffentlichte er einen offenen Brief an die Polizei und an Menschenrechtsorganisationen, in dem er bekanntgab, er fürchte um sein Leben.
Reporter ohne Grenzen veröffentlichte zuletzt 2011 einen Bericht über Pressefreiheit in den nahegelegenen Republiken Dagestan und Tschetschenien.
Auf der ROG-Rangliste der Pressefreiheit steht Russland auf Platz 148 von 180 Ländern. Weitere Informationen über die Lage der Medien finden Sie unter http://en.rsf.org/russia.html.
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