ROG unterstützt Mobilisierung zugunsten von Sayed Perwiz Kambakhsh

ROG unterstützt Mobilisierung zugunsten von Sayed Perwiz Kambakhsh

Am 8. Juli 2008 demonstrierten hunderte afghanische Journalisten
und Schriftsteller in 15 Provinzen des Landes für die Freilassung des
zum Tode verurteilten jungen Journalisten Sayed Perwiz Kambakhsh.
Diese vorbildliche Mobilisierung findet statt, während der
Berufungsprozess in Kabul ins Stocken gerät. Das Datum des nächsten
Gerichtstermins ist immer noch nicht festgelegt.


„Das Gericht hätte die Verurteilung zum Tode zurückziehen müssen,
nachdem ein Gerichtsmediziner bestätigt hatte, dass der junge
Journalist von den Sicherheitskräften gefoltert worden ist und in
erster Instanz keinen Verteidiger zur Seite gestellt bekam. Doch die
afghanischen Behörden verweigern die Freilassung von Sayed Perwiz
Kambakhsh. Nun ist die Mobilisierung der afghanischen Bevölkerung der
einzige Ausweg, um zu verhindern, dass Fundamentalisten und einige
Sektoren der afghanischen Regierung die Verfolgung des jungen
Journalisten vorantreiben,” sagte Rubina Möhring von Reporter ohne
Grenzen.  Am 8. Juli demonstrierten Menschen in 15 Provinzen
Afghanistans für Sayed Perwiz Kambakhsh. Intellektuelle und
Journalisten haben eine Deklaration für die Freilassung des jungen
Mannes unterschrieben, der von einem Tribunal in Mazar-i-Sharif im
Norden des Landes zum Tode verurteilt wurde. Die mit dem Titel „Wir
wollen Gerechtigkeit und einen sofortigen Entschluss im Falle Sayed
Perwiz Kambakhsh” war an die Gouverneure der Provinz zur Weiterleitung
an das Höchstgericht adressiert. Laut dem Journalisten Yaqub Ibrahimi,
dem Bruder des Verurteilten, fanden wichtige Treffen in den Provinzen
Bamiyan, Herat, Balkh, Nangarhrar und Kunduz statt.  Trotz der
Zusicherungen der Regierung geht der Berufungsprozess nur sehr
schleppend voran. Das Berufungsgericht sollte Studenten und Professoren
aus Mazar-i-Sharif, wo Kambakhsh studierte, anhören, jedoch wurden
diese noch nicht nach Kabul geladen. Die Richter wollen sie zu Fragen
zur Stellung der Frau im Islam verhören, welche der junge Journalist
während eines Kurses angeblich gestellt hat. „Was ist ein Verbrechen
daran, eine solche Frage zu stellen?” wundert sich Reporter ohne
Grenzen.  Ein Gutachten eines Gerichtsmediziners, das  im Zuge einer
Anhörung am 15. Juni präsentiert wurde, bestätigte, dass Sayed Perwiz
Kambakhsh nach seiner Verhaftung von Sicherheitskräften gefoltert
wurde. In einem Interview mit der italienischen Zeitung Corriere della Sera
erklärte Kambakhsh: „Ich bin ein politischer Gefangener. Die
Anschuldigungen gegen mich sind absurd, künstlich. (…) In meiner
Zelle sind keine Mörder, nur Diebe, die mir nichts ausmachen. Aber ich
gehe nie auf die Gänge, aus Angst, dass ein mit den Taliban
sympathisierender Häftling mich angreift und umbringen will, wie es  im
Gefängnis von Mazar-i-Sharif schon vorgekommen ist.”  Am 22. Oktober
2007 wurde der junge Journalist und Student Sayed Perwiz Kambakhsh in
Mazar-i-Sharif verhaftet. Die Festnahme war eine ersichtliche
Vergeltungsmaßnahme gegen seinen Bruder, der ebenfalls Journalist ist.
Ein lokales Gericht hat Kambakhsh am 22. Jänner 2008 nach einem Prozess
hinter verschlossenen Türen und ohne Verteidigung durch einen Anwalt
wegen Vorwurf der Gotteslästerung zum Tode verurteilt.

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