ROG fordert afghanische Behörden zum besseren Schutz von Journalistinnen auf

ROG fordert afghanische Behörden zum besseren Schutz von Journalistinnen auf

Reporter ohne Grenzen ruft die afghanischen Behörden dazu auf,
alles zu unternehmen, um die Sicherheitssituation der Journalistinnen
des Landes zu verbessern. Seit Jahresbeginn wurden bereits mehrere im
Medienbereich tätige Frauen bedroht, angegriffen und verletzt.


„Wir sind sehr besorgt über die steigende Zahl von Angriffen und
Drohungen gegen Journalistinnen”, so Rubina Möhring von Reporter ohne
Grenzen. „Es muss dringend etwas unternommen werden, um diese Gewalt zu
stoppen. Die afghanische Regierung ist verpflichtet, diese Fälle
eingehend zu untersuchen und sicherzustellen, dass die Täter nicht
ungestraft davon kommen – vor allem, weil einige Opfer aufgrund der
ständigen Bedrohungen bereits ihren Beruf aufgegeben haben”, so Möhring
weiter.

Rubina Möhring weiter: „Leider sind die Taliban nicht
die einzigen, die Frauen im Medienbereich verfolgen. Religiöse
Fundamentalisten, Warlords und lokale Politiker tragen mit dazu bei,
ein Klima der Angst zu schaffen, dass die Frauen in der afghanischen
Gesellschaft marginalisieren soll. ”  

22-jährige Fernsehmoderatorin bedroht und mit Messerstichen verletzt

Am
15. Mai 2008 wurde die 22-jährige Nachrichtenmoderatorin des lokalen
öffentlich-rechtlichen Senders Herat TV, Niloufar Habibi, in ihrem
Wohnhaus in Herat mit mehreren Messerstichen verletzt. Zwei Wochen
zuvor hatten Unbekannte alle Mitarbeiter der öffentlich-rechtlichen
Radio- und Fernsehsender des Landes bedroht. Drei andere
Mitarbeiterinnen reichten aus Angst um ihre Sicherheit wenige Tage
später ihre Kündigung ein, rund zehn weitere Frauen und Männer folgten.
Niloufar Habibi entschied sich hingegen, trotz zahlreicher Drohungen
ihre Arbeit fortzusetzen.

Wie Habibi Reporter ohne Grenzen
mitteilte, ist sie in großer Sorge um ihre Sicherheit: „Ich erhielt
mehrere Drohanrufe und wurde dann in weniger als einer Woche zwei Mal
tätig angegriffen. Am 14. Mai hielten mich zwei Männer und eine Frau am
Weg in die Redaktion auf und verletzten mich mit einem Messer. Sie
hatten einen Taxifahrer zum Komplizen, der uns anschließend alle zu
Herat TV brachte und zu mir sagte: „Wenn du nicht kündigst, ist das
nächste Mal dein Ende.”

Habibi weiter berichtete weiter: „Am
nächsten Tag klopfte eine Frau an meiner Tür und stach auf mich ein,
als ich öffnete. Ich wurde ins Krankenhaus gebracht und werde seit
meiner Entlassung am 18. Mai auf Schritt und Tritt von Fremden
verfolgt. Ich habe viele Male meine Unterkunft gewechselt. Ich weigere
mich, den Drohungen nachzugeben, und habe Angst um mein Leben.” Trotz
mehrerer Ersuchen um Hilfe wird Habibi nach wie vor nicht von der
Polizei geschützt.      

Haus einer Radiomoderatorin mit Granaten beworfen

Mehrere
andere Journalistinnen mussten ihre Stadt bereits verlassen. Zu ihnen
zählt auch Khadijeh Ahadi, stellvertretende Chefredakteurin von Radio
Faryad und Moderatorin einer sehr bekannten Sendung, in der Politiker
Fragen über alltägliche Probleme der Zuhörer beantworten. Nachdem sie
mehrere Drohanrufe erhalten hatte, wurde ihr Haus am 6. und 11. April
mit Handgranaten beworfen. Ahadi blieb unverletzt, das Haus wurde stark
beschädigt.

Bereits im Februar wurden Journalistinnen in in
Mazar-i-Sharif von Personen bedroht, die sich als Vertreter der Taliban
ausgaben. Sie sagten zu einer der Frauen: „Paß auf! Wen du dich weiter
im Fernsehen zeigst könnten deine Schwester, deine Mutter und weitere
Angehörige deiner Familie entführt werden.” Der verlangte Polizeischutz
wurde auch diesen Journalistinnen nicht gewährt.  

Untätigkeit der Behörden leistet Angriffen Vorschub

„Seit
Monaten kommt es zu Angriffen auf Medienunternehmen und
JournalistInnen, vor allem in der Provinz Herat”, bestätigt auch
Rahimullah Samandar, Vorsitzender der Unanhängigen Afghanischen
Journalistenvereinigung AIJA. „Es gab diesen Monat acht bis zehn
Angriffe auf Journalistinnen und junge MedienmitarbeiterInnen. Die
Angreifer wollen offenbar, dass bestimmte Fernsehprogramme nicht mehr
ausgestrahlt werden, und dass Frauen nicht mehr an ihnen mitwirken. Die
Untätigkeit der Behörden ist leider ein wichtiger Faktor für den
Anstieg dieser Angriffe.”

Ein weiterer Vertreter der
Organisation, Nighibolah Taieb, erklärte gegenüber Reporter ohne
Grenzen: „Diese Situation ist für unser Land sehr gefährlich. Die
Verantwortlichen für die Angriffe sind Feinde des freien Wortes. Sie
sollten nicht vergessen, dass sich die (iranischen) Nachbarn der
Provinz Herat über die  Meinungsfreiheit in unserem Land sorgen machen
und befürchten, dass afghanische Fernsehprogramme Zuseher auf der
anderen Seite der Grenze beeinflussen könnten.”

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