Ramin Siawash: „Ich will den Menschen helfen, deren Stimmen leise sind“

Ramin Siawash: „Ich will den Menschen helfen, deren Stimmen leise sind“

Ramin Siawash: „Ich will den Menschen helfen, deren Stimmen leise sind“

Rückblick: Gespräch mit Ramin Siawash am 21.11.2018

Ramin Siawash ist ein Tausendsassa. Er hat in Afghanistan als Database-Manager gearbeitet und als Sprachlehrer, er ist in Wien Kurator am Volkskundemuseum tätig und studiert Wirtschaftsinformatik und Politikwissenschaft. Vor allem aber ist er Journalist und engagiert sich für eine offenere Gesellschaft. Von den Gefahren, die Journalisten in Afghanistan ausgesetzt sind, erzählte er gestern im Rahmen der Reihe MEDIA UNDER PRESSURE an der FH Wien. Die Veranstaltung wird gemeinsam von Reporter ohne Grenzen Österreich, ISJE – Informationsstelle für Journalismus und Entwicklung, der FH Wien der WKW sowie dem Presserat organisiert.

 

„Ich bin im Krieg geboren“, sagt Ramin Siawash. In Afghanistan herrscht seit 40 Jahren Krieg. So wirklich greifbar ist diese Zahl nicht, aber wenn Siawash darüber erzählt, wie eine Bombe das Haus der Familie getroffen hat, wie er Drohungen aufgrund seiner journalistischen Arbeit erhielt, wie er schließlich angeschossen wurde und fliehen musste, bekommt man ein wenig eine Vorstellung von der täglichen Bedrohung der Menschen in Afghanistan.

Etwa 200 Radiosender, 50 TV-Sender und 150 Zeitungen gibt es in Afghanistan, viele davon nur auf lokaleV Ebene. Insgesamt arbeiten circa 10.000 Journalisten in dem Land mit geschätzt 34 Millionen Einwohnern. Die meisten davon sind Männer, Frauen können höchstens im Hintergrund arbeiten – als Rechercheurinnen, im Radio oder als Moderatorinnen. Ramin Siawash stört das. „Die Leute, besonders die Frauen, müssen ihre Rechte kennen.“ Er gründete deshalb das KARA Bildungszentrum, das Frauen Alphabetisierungskurse und Ausbildung ermöglichte. „Ich wollte den Menschen helfen, deren Stimmen leise sind“, sagt Siawash. Aus demselben Grund ging er auch in den Journalismus, Medien seien der einzige Weg, diese Stimmen laut zu machen. Diese laute Stimme, die Siawash bald war, war aber vielen ein Dorn im Auge. Nach mehren Drohungen sah er sich schließlich gezwungen, das Land zu verlassen. 2015 suchte er Asyl in Österreich an.

Die Lage für Journalisten ist in Afghanistan katastrophal. „Sie schlagen Journalisten mit Steinen, mit Mikrofonen, mit allem, was sie in Händen haben, sie töten sie, sie bringen sie in private Gefängnisse.“ Als Beispiel nennt Ramin Siawash  den Fall von Ajmal Naqshbandi. Der Journalist wurde 2007 geköpft. Er war von den Taliban als Geisel für die Freilassung von Talibanführern genommen worden, die Regierung kam dieser Freilassung aber nicht nach. Die Täter wurden wie so oft nie überführt. Auch Bekannte von Siawash wurden monatelang gefangen gehalten, als sie einen Bericht über das Opiumgeschäft drehten. Strafverfolgung für die Täter gab es auch in diesem Fall nicht. „Es gibt keine Sicherheit für Journalisten: Wenn mir etwas passiert, bin ich selbst verantwortlich. Es gibt auch kein Recht für Journalisten: Du weißt auch nicht, was dein Recht ist“, sagt Siawash.

Die circa 60 anwesenden Gäste zeigten sich beeindruckt von Ramin Siawashs Lebensgeschichte. 

 

Ermöglicht wurde die Veranstaltung durch die freundliche Unterstützung der Stadt Wien sowie der OMV.

 

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