Press Freedom Award 2015

Press Freedom Award 2015

Reporter ohne Grenzen Österreich vergibt den diesjährigen Press Freedom Award an die weißrussischen Journalisten Frau Natalia Radzina und Herrn Jahor Marcinovich. Der Preis wurde am 10. Dezember 2015 im Presseclub Concordia in Anwesenheit der Preisträger verliehen.

Die Preisträger des Press Freedom Awards

„Nachdem wir den Preis für Belarus ausgeschrieben hatten, erhielten wir vergleichsweise wenige Einreichungen. Der Grund dafür ist einfach und macht deshalb so bestürzt“, so Dr. Rubina Möhring, Präsidentin von Reporter ohne Grenzen Österreich. „Die Angst ist zu groß. Die meisten der heutigen Journalisten wählen den Weg in die innere Emigration.“

Geschäft mit Baugründen in Belarus
Jahor Marcinovich, ist stellvertrender Herausgeber der ältesten weißrussischen Zeitung „Nasha Niva“, wo er für Investigation und Sonderprojekte zuständig ist. Die Auszeichnung erhielt er für eine minutiös recherchierte Darstellung über die Vergabe von Baugründen in Minsk. Seine Analyse zeigte, dass besonders wertvolle Flächen zu niedrigen Preisen an Angehörige des Regimes sowie an Persönlichkeiten, die dem Präsidenten nahestehen, vergeben werden. Diese Vorgänge sind typisch für die Art und Weise, mit der sich Präsident Lukaschenko die Loyalität seiner Gefolgsleute erkauft und sind ein generelles Beispiel für Korruption und Klientelismus, auf denen autoritäre Systeme beruhen. „Der Beitrag von Jahor Marcinovich ist interessant und von hoher Professionalität, auch mit der Veröffentlichung der Namen von involvierten Personen hat er großen persönlichen Mut bewiesen“, begründet Albert Rohan als Sprecher der Jury die Wahl auf Marcinovich.

Preisträger Jahor Marcinovich

Journalistische Arbeit aus dem Exil
Ebenfalls ausgezeichnet wurde die Journalistin Natalia Radzina, die nach ihrer Arbeit für mehrere weißrussische Zeitungen zur unabhängigen Website Charter97.org wechselte, deren Herausgeberin sie zugleich auch ist. Im Jahr 2010 kam es wegen einiger der veröffentlichten Artikel mehrfach zu Strafanzeigen gegen Natalia Radzina und ihr Büro wurde immer wieder von der Polizei durchsucht. Sie selbst wurde nach den Wahlen 2010 verhaftet und war im Gefängnis Misshandlungen ausgesetzt. Nach ihrer Freilassung flüchtete sie zunächst nach Russland und dann nach Litauen, wo ihr politisches Asyl gewährt wurde. Heute lebt und arbeitet Natalia Radzina in Warschau – Charter97.org hat dort 2010 ein eigenes Büro eröffnet. Ausgezeichnet wurde Radzina für ihren Artikel „Stop Kissing Dictators Hands“, der im Juli 2014 erschienen ist. „Sie beschreibt darin das Schicksal einiger prominenten politischen Gefangenen und übt scharfe Kritik an der Aufhebung des Einreiseverbotes für bestimmte Angehörige des Regimes durch die EU sowie am Umgang europäischer Entscheidungsträger mit Diktatoren im Allgemeinen“, fasst Albert Rohan zusammen. „Es ist ein starker Text, der unsere Anerkennung verdient.“

Preisträgerin Natalia RadzinaNatalia Radzina: „Die Loyalität, die dieser Preis von Reporter ohne Grenzen ausstrahlt, gibt Hoffnung, dass Belarus eines Tages ein freies Land sein kann.“

Jahor Marcinovich: „Dieser Preis ist für mich eine Motivation meine investigative Arbeit auszuweiten und stiftet mir Mut.“

Das unfreie Belarus
Im jährlichen Bericht von Reporter ohne Grenzen über Pressefreiheit wird Weißrussland an 157. Position von insgesamt 180 untersuchten Staaten geführt und liegt damit an letzter Stelle aller europäischen Länder.

Der „Press Freedom Award – Signal for Europe“ wird von Reporter ohne Grenzen Österreich jährlich in einem anderem süd- oder südosteuropäischen Land ausgeschrieben und für mutigen und investigativen Journalismus vergeben. Mehr Informationen zum Preis finden Sie hier.

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