Mexiko: geflohene Journalistin kritisiert Schutzmechanismen der Regierung

Mexiko: geflohene Journalistin kritisiert Schutzmechanismen der Regierung

In einem Videointerview erklärt die unabhängige mexikanische Journalistin Verónica Basurto Gamero, warum sie Anfang März aus ihrer Heimatstadt Mexiko City nach Spanien fliehen musste.Sie kritisiert dabei vor allem die mangelnde Umsetzung der 2012 in Kraft getretenen Bundesmechanismen zum Schutz von Menschenrechtsaktivisten und Journalisten.Die Journalistin fühlt sich von den Schutzmaßnahmen, die vom Innenministerium überwacht werden und derzeit 48 Menschen beschützen sollen (davon 13 Journalisten) nur unzureichend betreut.

Sehen Sie hier das Videointerview von Reporter ohne Grenzen mit Verónica Basurto Gamero (englische Untertitel)


Basurto arbeitete zuletzt an einer Recherche über Ungereimtheiten bei Ermittlungen mexikanischer Beamter im Fall von Entführungen. Im Speziellen ging es um den Fall der entführten Französin Florence Cassez. Basurto arbeitete zusammen mit dem französischen Journalisten Laurence Cuvillier  vom TV-Sender France 24, gemeinsam hatten sie bereits aufgedeckt, dass mehrere Zeugen und auch Verdächtige in diesem Entführungsfall gefoltert und bedroht worden waren.

Kein investigativer Journalismus mehr
Anfang des Jahres begannen auch für die Journalistin wiederkehrende Bedrohungen und sie realisierte, dass es keine Garantie für für die “Schutzmaßnahmen” gebe, die ihr von der mexikanischen Regierung versprochen wurden.

“Ich habe meine Arbeit verlassen und werde in Zukunft nicht mehr investigativ berichten, denn der mexikanische Staat beschützt mich nicht”, äußerte sie sich in dem Interview mit Reporter ohne Grenzen. “Der Staat sollte die Sicherheit von meiner Familie und die Freiheit der Meinungsäußerung garantieren, doch die Realität ist, das viele Journalisten ihre Arbeit mit großer Angst verrichten”, so Basurto weiter.

NGOs verhelfen zur Flucht nach Europa
Hilfe bekam sie von der Mexikanischen Kommission für die Verteidigung und den Schutz der Menschenrechte (CMDPDH) und in weiterer Folge von den NGOs Reporter ohne Grenzen, Freedom House und dem Kommitee zum Schutz von Journalisten.

Die Kritik der jungen Journalistin an den Schutzmaßnahmen der mexikanischen Regierung beziehen sich im Wesentlichen auf mangelhafte Protektion, langsame Reaktion der Behörden und langatmige administrative Prozeduren. Diese Kritik wird von vielen mexikanischen Journalisten geteilt.

Der ebenfalls nach Europa geflohene Journalist Jorge Carrasco arbeitete bei der Wochenzeitschrift “Proseco” und musste das Land verlassen, weil er während Recherchen zum Mord an seiner Kollegin Regina Martinez im Ostküstenstaat Veracruz ebenfalls mit dem Leben bedroht wurde.

Interview als “Hilfeschrei
Auch die freie Journalistin und Autorin Anabel Hernández wurde bedroht, weil sie Verbindungen zwischen dem organisierten Verbrechen und dem damaligen Sicherheitsministerium aufzudecken versuchte. Reporter ohne Grenzen überzeugte die mexikanische Regierung gemeinsam mit anderen NGOs, Hernández noch bis Ende Juni einen Bodyguard zur Seite zu stellen. Danach ist die Journalistin wieder in Lebensgefahr.

“Das Interview mit Verónica Basurto ist ein Hilfeschrei nach mehr Sicherheit für Journalisten in Mexiko”, so Reporter ohne Grenzen. In den vergangenen zehn Jahren wurden 86 Journalisten in Mexiko getötet.17 weitere sind spurlos verschwunden.

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