Noam Chomsky und RSF-Generalsekretär Christophe Deloire schreiben offenen Brief an türkischen Präsidenten Erdogan

Noam Chomsky und RSF-Generalsekretär Christophe Deloire schreiben offenen Brief an türkischen Präsidenten Erdogan

Der amerikanische Linguist und emeritierter Professor Noam Chomsky und der Generalsekretär von Reporter ohne Grenzen (RSF) Christophe Deloire haben anlässlich des gerade stattfindenden G20-Gipfel der Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer in der Türkei einen offenen Brief an den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan verfasst.

Journalisten seien wichtige Wächter der Demokratie, heißt es in dem Brief. Machthaber, die ein Land kontrollieren möchten ohne von Kritikern belästigt zu werden, vergeben automatisch Maulkörbe an Journalisten. Der türkische Präsident Erdogan sei in der Vergangenheit ein Meister darin gewesen, Journalisten zum Schweigen zu bringen. Während nun viele Journalisten aus dem Ausland angereist seien, um über den G20 Gipfel zu berichten, sei vielen türkischen Kollegen die Akkreditierung verwehrt worden.

Oppositionsmedien zu unterdrücken sei eine schlechte Angewohnheit der Türkei geworden, die auf Platz 149 von 180 Ländern auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen steht. So stürmten etwa vier Tage vor der Parlamentswahl am 1. November Polizisten die Zentrale der Mediengruppe Ipek und ordneten die Schließung zweier oppositioneller Tageszeitungen an sowie eines Fernsehsenders. Nachdem die Regierung die Kontrolle über das Management in der Mediengruppe übernommen und 71 Journalisten gekündigt hatte, erschienen die Tageszeitungen Bugün und Millet mit einem Foto Erdogans auf der Titelseite und der Überschrift „Der Präsident, inmitten seines Volkes“.

Am morgigen 17. November werden 18 Herausgeber und Redakteure sich vor dem Gericht wegen angeblicher „terroristischer Propaganda“ verantworten müssen. Einer der Journalisten, der Redakteur der Zeitung Cumhuryet, Can Dündar, war bereits von Erdogan der Spionage angeklagt worden, weil seine Zeitung einen Artikel veröffentlicht hatte, der beweist, dass es Waffenlieferungen vom türkischen Geheimdienst über die syrische Grenze gegeben hatte.

Noam Chomsky und Christophe Deloire fordern die teilnehmenden Länder des G20 Gipfels auf, dem undemokratischen Kurs der Türkei nicht tatenlos zuzusehen. Man brauche eine stabile Türkei als Partner und dies sei nur zu erreichen, wenn demokratische Diskussionen zugelassen werden.

Der Brief ist in voller Länge hier zu lesen (in englischer Sprache)

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