Mexiko: Tödlichstes Land für Journalisten auf dem amerikanischen Kontinent

Mexiko: Tödlichstes Land für Journalisten auf dem amerikanischen Kontinent

Mexiko ist für Journalisten schon lange ein gefährliches Land. 2014 war die Gefahr, als Journalist dort sein Leben zu verlieren, größer als in jedem anderen Land auf dem amerikanischen Kontinent. Für 2015 zeigt sich keine Verbesserung dieser Situation – eher das Gegenteil zeichnet sich ab.
Obgleich Mexiko an keinem bewaffneten Konflikt beteiligt ist, gehört das Land zu den gefährlichsten Orten weltweit für Journalisten. Im vergangenen Jahr wurden drei Journalisten im Zusammenhang mit ihrer Arbeit getötet. Auch eine Bloggerin kam ums Leben.
Vor allem die geheimen Absprachen und koruppte Machenschaften zwischen organisierten Verbrechensbanden und der mexikanischen Regierung behindern Medien wie auch Polizei und Gerichte bei ihrer Arbeit.So wurde der Journalist Octavio Rojas Hernández im Bundesstaat Oaxaca und der Journalist Jorge Torres Palacio im Staat Veracruz getötet, weil sie Verbindungen zwischen Regierungsbeamten und kriminellen Organisationen aufdecken wollten. Auch María del Rosario FuentesRubio, eine Bloggerin aus dem nordöstlichen Bundesstaat Tamaulipas, wurde vermutlich aus diesen Gründen ermordet.

Gezielte Angriffe auf Medien, und Journalisten werden immer häufiger, so Rubina Möhring, Präsidentin von Reporter ohne Grenzen Österreich. Zuletzt beschossen Unbekannte am 15. Februar einen Transportlastwagen der Zeitung „La Reforma”, eine Person wurde dabei verletzt.
„Die mexikanischen Behörden schauen weg und überlassen es den Medien, ihren Kampf gegen Gewalt, Drogen und Korruption aufzugeben und nicht mehr darüber zu berichten. Journalisten fliehen aus dem Land. Diese Untätigkeit der Regierung muss ein Ende haben”, fordert Möhring.
Insbesondere die Region Veracruz ist gefährlich für Journalisten. Kritische Journalisten stehen unter Beobachtung, werden bedroht, attackiert oder getötet wenn die Gefahr besteht, dass sie über Kriminalität, Drogenkartelle oder Korruption berichten.
Die Zahlen sprechen für sich: Seit 2010 gelten vier Journalisten als vermisst, elf wurden ermordet, darunter Gregorio Jiménez de la Cruz im Februar 2014 und Moisés Sánchez Cerezo, dessen Identität mittels eines DNA Tests im Februar 2015 identifiziert wurde.
Die Passivität der Behörden und das Leugnen eines Zusammenhangs der Ermordung von Personen mit ihrem Beruf als Journalist führt in vielen Fällen dazu, dass Journalisten das Land verlassen. Angesichts der Drohungen und Attacken fühlen sie sich in einem Staat, der diese Verbrechen leugnet, nicht sicher. Zu Recht: nach Angaben der Nationalen Menschenrechtskommission in Mexiko bleiben 89 Prozent der Verbrechen gegen Journalisten in Mexiko ungestraft.
Beispiele für geflohene Journalisten gibt es genug: Enrique Juárez, Redakteur der Zeitung El Manana aus der Stadt Matamoros an der Grenze zur USA im Staat Tamaulipas floh mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten nachdem er am 4. Februar von bewaffneten Männern entführt und misshandelt wurde. Zuvor hatte der Journalist über die andauernde Gewalt in Matamoros berichtet. Die Zeitung El Manana bedauert seinen Weggang und verkündete, sie werde die Berichterstattung über Gewaltverbrechen aus Sicherheitsgründen einstellen.
Zwei Tage später gab es einen Granatenanschlag auf den TV-Sender Televisa del Noresete, ebenfalls in Matamoros. Zwei Sicherheitskräfte wurden verletzt.
Mexiko steht auf Platz 148 von 180 Ländern auf dem Pressefreiheitsranking von Reporter ohne Grenzen 2015.
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