Kuba: verhaftet wegen Hurrikan Matthew-Berichterstattung

Kuba: verhaftet wegen Hurrikan Matthew-Berichterstattung

Verhaftet, weil sie über Hurrikan Matthew berichteten: Reporter ohne Grenzen Österreich kritisiert den Umgang Kubas mit unabhängigen Journalistinnen und Journalisten. „Das ist ein weiteres Beispiel dafür, wie die Regierung Kubas unliebsame Medien schikaniert“, so Rubina Möhring, Präsidentin von Reporter ohne Grenzen Österreich.

Maykel González Vivero, ein Journalist der Nachrichten-Website Diario de Cuba wurde am 10. Oktober 2016 in der Stadt Baracoa festgenommen und für drei Tage inhaftiert, weil er Menschen interviewte, die von den großen Schäden durch Hurrikan Matthew betroffen sind. Der staatliche Radiosender Radio Sagua hatte Maykel González Vivero eben erst entlassen.

Einen Tag später wurden sechs Redaktionsmitglieder der Nachrichten-Website Periodismo de Barrio verhaftet, einschließlich der Direktorin, Elaine Díaz. Das Team war ebenfalls in der Stadt Baracoa unterwegs, um die Schäden des Hurrikans und die Auswirkungen auf die Bevölkerung zu recherchieren. Ihre Ausrüstung wurde für mehrere Stunden konfisziert.

Laut Behörden wurden die Journalistinnen und Journalisten verhaftet, weil durch den am 4. Oktober 2016 von Präsident Raúl Castro ausgerufenen Notstand die Berichterstattung nur noch mit Spezialgenehmigung erlaubt ist. Damit der Notstand gültig wäre, hätte allerdings eine Resolution verabschiedet werden müssen, wie und in welchen Regionen des Landes er wirksam ist – diese wurde jedoch nie formal erlassen.

Verbot der Hurrikan-Berichterstattung: nur ein weiteres Beispiel, wie Medien schikaniert werden

Reporter ohne Grenzen berichten von einer Reihe weiterer Vorfälle auf Kuba, wie sehr die Regierung unabhängigen Journalismus behindert:

Vier Journalisten von Hablemos Press – drei Direktoren und ein Reporter – hatten nach Schikanen und wiederholten Drohungen keine andere Wahl, als Kuba Ende September zu verlassen. Razzien, blockierte Telefonleitungen, Inhaftierungen und erniedrigende Befragungen sind seit 13 Jahren ein großes Problem für die unabhängige Nachrichtenagentur.

Reinaldo Escobar, ein Journalist der Website 14ymedio, wollte über den ersten Linienflug zwischen den USA und Kuba berichten. Er wurde am 31. August dieses Jahres wegen „Feindjournalismus“ (enemy journalism) in Santa Clara verhaftet und gewaltsam zurück nach Havana eskortiert.

Oscar Sánchez Madan, ein Reporter der unabhängigen Nachrichtenagentur Hablemos Press, wurde am 18. August 2016 verhaftet, während er eine Vertreterin der „Ladies in White“ interviewte – einer Bewegung von Frauen politischer Gefangenen.

„Wir bedauern die wachsende Feindseligkeit der kubanischen Behörden gegenüber unabhängigen Medien“, so Rubina Möhring, Präsidentin von Reporter ohne Grenzen Österreich. Dass nicht-staatliche Medien laufend behindert und ausgerechnet während einer Naturkatastrophe zensuriert werden, sei völlig inakzeptabel.

Weitere Informationen in Englisch.

Kuba liegt auf der Rangliste von Reporter ohne Grenzen (World Press Freedom Index) auf Platz 171 von 180 Ländern.

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