Kongo: Vizegouverneur droht, Frau und Kinder eines Journalisten zu töten

„Deine Frau und deine Kinder werden sterben müssen, damit du endlich verstehst“: Reporter ohne Grenzen verurteilen die wiederholten Drohungen gegen Journalisten in Kasaï-Central, einer Provinz im Südwesten der Demokratischen Republik Kongo. Bei den jüngsten Vorfällen gingen sowohl Vizegouverneur Justin Milonga und Jean Shesh, Leiter der Provinz Mweka, so weit, auch die Familien der Journalisten zu bedrohen, um sie zum Schweigen zu bringen. „Wir verurteilen solche schamlosen Attacken auf die Informationsfreiheit, die einer demokratischen Regierung unwürdig sind“, sagt Rubina Möhring, Präsidentin von Reporter ohne Grenzen Österreich.

„Deine Frau und deine Kinder werden sterben müssen, damit du endlich verstehst“, drohte der stellvertretende Gouverneur von Kasaï-Central, Justin Milonga, dem Journalisten Edouard Diyi, Leiter des Radio Télévision Kasaï Horizons (KHRT), einer Radio- und Fernsehstation in der Hauptstadt Kananga.

Die in der Demokratischen Republik Kongo gegründete Organisation „Journaliste en danger (JED)“ (deutsch: „Journalist in Gefahr“) stuft die Bedrohung als so explizit ein, dass sie unbedingt ernst genommen werden muss, gerade in einer Provinz, in der Gewalt weit verbreitet ist und JournalistInnen ihr Leben jeden Tag aufs Spiel setzen. „Diese ungeheuerliche Drohungen sind nicht nur ein Gefahr für die Journalisten des Landes, sondern für alle Bürger und die gesamte Demokratie“, warnt Rubina Möhring.

Informationen zufolge, die von „Journaliste en danger (JED)“ bestätigt wurden, berichtete der Journalist Diyi am 5. Mai 2017 von einer Demonstration vor dem Büro des Vizegouverneurs, als er von Milonga verbal angegriffen wurde. Milonga sagte zu ihm:

„Du bist also da, Edouard. Ich habe es dir schon oft gesagt, aber du veränderst dich nicht. Alle Mitglieder des lokalen Sicherheitsrates haben die Nase voll von dir. Ich werde dich verhaften lassen. Ich werde deinen Fall genau beobachten, um sicherzustellen, dass das passiert. Du kennst mich gut. Ich werde deine Radiostation loswerden. Wir kämpfen Tag und Nacht um die Sicherheitssituation zu verbessern und du gießt immer nur Öl ins Feuer. Ich denke, deine Frau und deine Kinder werden sterben müssen, damit du endlich verstehst.“

Weiteres erschreckendes Beispiel: In Mweka, einer Stadt in derselben Provinz nordwestlich von Kananga, fürchtet Radio Télévision Mweka-Reporter Jérôme Mwana Nsthieyi um sein Leben, nachdem er brahmanische Priester kritisiert und sie der Abweichung der Lehre beschuldigt hatte. Eine Gruppe bewaffneter Männer stürmte am frühen Morgen des 6. Mai 2017 Nsthieyis Haus, während er abwesend war. Sie durchsuchten das Haus von Kopf bis Fuß und nahmen seine Frau gewaltsam mit. Sie wurde zum Haus des Leiters von Mweka gebracht, wo sie zum Aufenthalt ihres Mannes befragt wurde. Erst am Abend wurde sie wieder freigelassen.

„Journaliste en danger (JED)“ und Reporter ohne Grenzen sind extrem besorgt über die wiederholten Drohungen und Attacken in Kasai-Central durch die lokalen Behörden und der Kamuina Nsapu-Bewegung, einer seit 2016 bestehenden lokalen Miliz.

Die Demokratische Republik Kongo befindet sich in der aktuellen Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen auf Platz 154 von 180, was eine äußerst schwierige Lage für JournalistInnen bedeutet.