Journalist in Riga mit Messer bedroht

Journalist in Riga mit Messer bedroht

lettonie.jpgJung und ambitioniert ist der Lette Imants Liepins: als investigativer Journalist schreibt der 27-jährige über organisierte Kriminalität für die unabhängige lettische Tageszeitung Neatkariga Rita Avize. Er schreibt auch für eine von ihm mitbegründete NGO zur Öffentlichmachung organisierter Kriminalität.

In der Nacht auf den vierten Dezember erhielt er eine Antwort auf seinen Ehrgeiz: In einem Park hielten ihn zwei Männer fest und setzten ihm ein Messer an den Hals. Sie sprachen Litauisch, so Liepins, und prophezeiten ihm sein Ende. Statt ihn zu töten nahmen sie aber dann doch nur seinen Laptop und seinen digitalen Speicherstick mit.


“Sie zeigten absolut kein Interesse an meiner Geldbörse oder anderen Wertgegenständen”, erzählt Liepins in einem Interview mit Reporter ohne Grenzen.

Liepins wurde nicht zum ersten Mal bedroht: Im September drohte ihm der Bodyguard eines Oligarchen auf der Strasse mit den Worten “was, du kannst immer noch gehen?” Vor drei Jahren kündigte ihm jemand an, ihn zu erhängen.

“Bedrohungen gegenüber investigativen Journalisten im Bereich organisierter Kriminalität nehmen zu”, beobachtet die Organisation Reporter ohne Grenzen. Auch in der Europäischen Union und ihren Kandidatenländern. “Journalisten in Italien, Bulgarien und Kroatien sind regelmäßig Zielscheiben krimineller Organisationen, die offensichtlich zu verhindern versuchen, dass Licht auf ihre kriminellen Machenschaften fällt.”

Seit zwei Jahren recherchiert Liepins über kriminelle Wirtschaftsaktivitäten in Europa, vor allem in Italien und den Balkanländern. Seine Arbeit und die seiner NGO “Public Investigation Bureau” hat schon zahlreiche Polizeidurchsuchungen wegen Steuerhinterziehung eingeleitet. Auch illegale Giftmülltransaktionen sind sein Thema.

In den vergangenen Monaten beschäftigte Liepeins vor allem die Finanzierung des Kriegs in Liberien mittels Waffen und Diamanten. In diesem Zusammenhang recherchierte er ein weitreichendes Netzwerk von Personen und Firmen innerhalb Europas, die in die Finanzierung afrikanischer Kriege involviert sind. Eine der Firmen, die in Waffenhandel tätig ist, findet sich unter anderem Namen und als Immobilienfirma getarnt in Riga wieder.

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