Iran: Shiva Nazar Ahari auf Kaution freigelassen / Urteil steht noch aus

Iran: Shiva Nazar Ahari auf Kaution freigelassen / Urteil steht noch aus

Die iranische Bloggerin und Menschenrechtsaktivistin Shiva Nazar Ahari ist
am 12. September gegen eine Kaution von 500 Millionen Toman (rund 40.000
Euro) freigelassen worden. Shiva Nazar Aharis Anwalt erwartet die
Urteilsverkündung in wenigen Wochen. Nach seinen Angaben droht seiner
Mandantin, die im Teheraner Evin-Gefängnis inhaftiert war, eine mehrjährige
Haftstrafe.

“Wir begrüßen, dass Shiva Nazar Ahari vorübergehend den menschenunwürdigen
Haftbedingungen entfliehen kann. Mit hoher Wahrscheinlichkeit muss die
Bloggerin und Aktivistin aber schon in einigen Wochen wieder ins Gefängnis –
für mehrere Jahre. Wir appellieren ein weiteres Mal für die sofortige
Freilassung der Menschenrechtlerin. Die Strafvorwürfe des Gerichts sind
absurd und haltlos”, so ROG-Geschäftsführer Christian Rickerts von der deutschen Sektion.


Nach Angaben des Anwalts der Dissidentin wurde die Anklageschrift bei der
Verhandlung am 4. September vor einem Teheraner Revolutionsgericht verlesen.
Wegen ihrer Aktivitäten als Online-Dissidentin und Menschenrechtsaktivistin
wurde Ahari in folgenden Punkten angeklagt: Feindschaft gegen Gott –
“Moharebeh”, Versammlung und geheime Verabredung zur Durchführung eines
Verbrechens, Propaganda gegen das Regime sowie Störung der öffentlichen
Ordnung. Aus der Sicht von ROG hat die 26-jährige Aktivistin lediglich von
ihrem Recht auf Rede-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit Gebrauch gemacht.

Shiva Nazar Ahari, Gründungsmitglied der Menschrechtsorganisation “Committee
of Human Rights Reporters” (CHRR) und Herausgeberin der Website “Azad Zan”
(“Frauenbefreiung”, http://azadiezan.blogspot.com) wurde bereits mehrmals
inhaftiert. Auch nach ihrer vorletzten Festnahme am 14. Juni 2009 kam sie
nach einigen Monaten gegen eine Kaution frei. Damals belief sich die Summe
auf 300 Millionen Toman (umgerechnet 23.000 Euro). Die Kautionssummen
stellen eine große Belastung für Ahari und deren Familie dar, da sie ihren
Besitz verpfänden mussten.

Zur Unterstützung der Menschenrechtlerin hatte ROG im August eine Petition
lanciert: 3.770 Menschen aus 60 unterschiedlichen Ländern hatten den
Online-Appell an die iranischen Justizbehörden unterzeichnet. Rund 40
Aktivisten folgten am 2. September dem Aufruf von ROG und versammelten sich
zur Übergabe der Petition vor der iranischen Botschaft in Berlin. Die
Demonstrantinnen und Demonstranten trugen Masken mit dem Gesicht der
Menschenrechtsaktivistin und Bloggerin. Sie forderten in Sprechchören deren
Freilassung und die ihrer zahlreichen ebenfalls inhaftierten Kolleginnen und
Kollegen. Schließlich wurden die Unterschriften bei der Botschaft abgegeben.

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