Iran: Deutsche Reporter seit 100 Tagen in Haft / 40 Journalisten und Blogger in iranischen Gefängnissen

Iran: Deutsche Reporter seit 100 Tagen in Haft / 40 Journalisten und Blogger in iranischen Gefängnissen

Am 100. Tag der Gefangenschaft der beiden Journalisten der “Bild
am Sonntag” in Täbris im Nordwesten des Iran lenkt Reporter ohne Grenzen
(ROG) den Blick auf die schweren Menschenrechtsverletzungen gegen
Medienschaffende in der Islamischen Republik. Die am 10. Oktober 2010 in
Täbris festgenommenen deutschen Reporter, Marcus Hellwig und Jens Koch,
gehören zu den derzeit mindestens 33 Journalisten in iranischen
Gefängnissen. In keinem anderen Land der Welt ist die Zahl der inhaftierten
Reporter so hoch. Zudem werden weiterhin sieben Online-Aktivisten
festgehalten. Mehr als 30 der inhaftierten Medienschaffenden wurden bereits
zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt.

Nach mehr als drei Monaten Haft gibt es keine konkreten Anzeichen für eine
bevorstehende Freilassung der beiden deutschen Reporter. Ankündigungen eines
zügigen Abschlusses der Ermittlungen gegen den Zeitungsredakteur und den
Fotografen haben bisher keine Folgen nach sich gezogen. “Die iranische
Regierung muss endlich transparent machen, auf welchem Stand die
Ermittlungen sind und ob über Visa-Verstöße hinausgehende Anschuldigungen
erhoben wurden”, fordert ROG. “Die beiden
Journalisten dürfen nicht als politische Geiseln missbraucht werden”.


Auch gegenüber einheimischen Medienschaffenden behalten die iranischen
Behörden ihren repressiven Kurs bei. Mehr als anderthalb Jahre nach dem
umstrittenen Wahlsieg Mahmud Ahmadinedschads im Jahr 2009 bleibt das Ausmaß
der Unterdrückung kritischer Stimmen und der Überwachung dramatisch.

Auch Anwälte von inhaftierten politischen Häftlingen sind mittlerweile
systematischer Verfolgung ausgesetzt. Zuletzt wurde die bekannte
Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotude zu elf Jahren Haft sowie anschließendem
20-jährigem Berufs- und Ausreiseverbot verurteilt, wie am 10. Januar bekannt
wurde.

Weit mehr als 200 Medienschaffende sind inzwischen aus der Islamischen
Republik geflüchtet. Nach wie vor sitzen jedoch mehr als 30 iranische
Blogger und Journalisten nach ihrer Flucht in Nachbarländern wie vor allem
der Türkei und dem Irak fest – ohne dort vor Verfolgung sicher zu sein. Bis
Ende 2010 sind 29 Iraner in Deutschland angekommen. Darunter sind neun
Medienschaffende, die von ROG unterstützt und beraten werden.

ROG appelliert zur Zeit außerdem gemeinsam mit deutschen und internationalen
Verlegerverbänden sowie Journalistenvereinigungen mit einer großen
Anzeigenkampagne an die iranische Regierung, Hellwig und Koch freizulassen.

Ein Downloadmöglichkeit der Anzeigen finden Sie hier:

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