Honduras: TV-Journalist während Dreharbeiten auf offener Straße erschossen

Der TV-Journalist Igor Padilla wurde vorgestern, Dienstag, in der Stadt San Pedro Sula (Honduras) während laufender Dreharbeiten erschossen. „Wir sind erschüttert über diesen Mord und die generell steigende Gewalt gegen Medienschaffende in Honduras“, so Rubina Möhring, Präsidentin von Reporter ohne Grenzen Österreich.

Padilla veröffentliche Berichte über Kriminalität für den bundesweiten TV-Sender HCH und produzierte eine Comedyshow.

Zeugen sagten, Padilla habe während laufender Dreharbeiten einen Anruf erhalten und sei auf die Straße getreten. Vier bewaffnete und maskierte Männer in Polizeikleidung hätten ihn von einem vorbeifahrenden Pick-up aus erschossen.

„Wir erwarten von den Behörden, die Mörder und Hintermänner dieser Tat rasch zu finden und zu verurteilen. Mit diesem Mord wurde die gesamte Medienbranche in Honduras getroffen“, so Rubina Möhring. Allzu oft blieben solche Verbrechen an Journalisten straflos und würden nicht oder nur ungenügend untersucht.

Padilla hatte zuvor keine Morddrohungen erhalten, doch sind Erpressungen und Einschüchterungen von Journalisten in Honduras an der Tagesordnung.

Seit dem Militärputsch 2009 wurden in Honduras mehr als 25 Journalisten getötet. Fast alle Taten sind ungestraft geblieben. Milizen von Großgrundbesitzern, Polizei, Armee und Verbrecherkartelle schüchtern Medienschaffende ein und verüben Gewalt gegen sie. Besonders gefährdet sind Mitarbeiter nichtkommerzieller lokaler Radiosender sowie Reporter, die über den blutigen Landkonflikt oder über die Demokratiebewegung berichten. Die meisten wichtigen Medien gehören einer kleinen Zahl von Unternehmern mit politischen und kommerziellen Interessen und erheblichem Einfluss auf die Berichterstattung.

Honduras ist auf der Rangliste von Reporter ohne Grenzen auf Platz 137 von 180 Ländern (World Press Freedom Index).