Honduranische Journalistin Dina Meza klagt an – Diskussion von Reporter ohne Grenzen im Presseclub Concordia

Honduranische Journalistin Dina Meza klagt an – Diskussion von Reporter ohne Grenzen im Presseclub Concordia

Meza_Pressegespräch4(c)H. Ronzheimer.JPGIm Jahr 2012 sind in Honduras acht Journalisten ermordet worden. Nach Mexiko ist Honduras das gefährlichste Land für Pressevertreter in Zentralamerika; weltweit steht es auf Platz 127. Wie gefährlich dort der Einsatz für Pressefreiheit und Menschenrechte sind, weiß Dina Meza aus eigener Erfahrung: Die engagierte honduranische Journalistin im Exil berichtet bei einem Pressegespräch in Wien über die Lage der Menschenrechte in ihrem Heimatland, die aktuelle Arbeitssituation von JournalistInnen und die wachsende Bedeutung alternativer Medien in Honduras.  (Bild: Dina Meza (rechts)
                                                                                                   
Im Jahr 2012 sind in Honduras acht Journalisten ermordet worden. Seit 2010 liegt die Zahl bei etwa 33 ermordeten Medienschaffenden. Nach Mexiko ist Honduras damit das gefährlichste Land für Pressevertreter in Zentralamerika. Weltweit steht es auf Platz 127 – hinter Syrien, Somalia, Mexiko, Brasilien und Pakistan.

Dina Meza, engagierte Journalistin aus Honduras, wurde aufgrund aktueller Lebensbedrohungen von der Universität York zu einem Exilaufenthalt eingeladen und besucht nun Wien. Beim Pressegespräch mit Reporter ohne Grenzen berichtet sie über die Lage der Menschenrechte in ihrem Heimatland, die aktuelle Arbeitssituation von JournalistInnen und die wachsende Bedeutung der alternativen Medien in Honduras.

Rubina Möhring, Präsidentin von Reporter ohne Grenzen Österreich, betont: „Unsere Aufgabe ist es, den Blick der Öffentlichkeit für die menschlichen Missstände zu schärfen und darüber zu informieren. Für engagierte JournalistInnen wie Dina Meza ist unser Hinschauen lebensnotwendig.”


Alltag in Honduras: Repression, Gewalt und Straflosigkeit

2009 wurde in Honduras der linksreformerische Präsident Manuel „Mel” Zelaya über Nacht aus dem Amt geputscht. Seitdem herrscht in dem Land – einst geprägt vom Begriff „Bananenrepublik” – ein Regime der Repression, Gewalt und Straflosigkeit. Wenige mächtige Familien, die den Putsch unterstützten, sorgen für den Ausverkauf des Landes. Bereits ein Drittel fiel in die Hände privater Investoren – darunter zahlreiche transnationale Konzerne.

Andrea Lammers, Journalistin und Menschenrechtsbeobachterin erklärt: „In Honduras droht ein nicht-erklärter Krieg gegen alle, die sich für demokratische Grundprinzipien und gegen den Ausverkauf des Landes einsetzen.” Landvertreibungen, Korruption und politische Morde, die zu 99 Prozent straflos bleiben, stehen an der Tagesordnung. Alleine in den letzten drei Jahren wurden 33 JournalistInnen und 74 AntwältInnen ermordet. Kritische Berichterstattung oder Aufklärung von Menschenrechtsverletzungen werden mit Anschlägen, Morddrohungen und Entführungen entgegnet. Dazu kommen Schließungen von TV- und Radio-Sendern sowie Programmen, Zerstörung der Technik und gerichtliche Verfahren um Sendelizenzen.

Angriff auf die ganze Gesellschaft

Das Ausmaß dieser Missstände fasste Frank de La Rue, UN-Sonderbeauftragter, im August 2012 bei seinem Honduras-Besuch zusammen: „Honduras ist das Land mit der höchsten Zahl von JournalistInnenmorden in Relation zur Bevölkerungsdichte in der gesamten Region. Die Angriffe gegen JournalistInnen dürfen nicht als Angriffe auf die Rechte einer einzelnen Person gesehen werden, sondern als Angriff auf das Recht einer ganzen Gesellschaft, das Recht informiert zu werden und Informationen zu suchen.”

Einsatz für Pressefreiheit und Menschenrechte

Auch Dina Meza ist derzeit wieder schwerwiegenden Bedrohungen ausgesetzt – Beobachter fürchten um ihr Leben. Im August 2012 musste Meza aus Sicherheitsgründen mit ihrer Familie zum bereits zweiten Mal innerhalb eines Jahres umziehen. Den Kampf gibt sie trotzdem oder gerade deswegen nicht auf: „Als Journalistin und Menschenrechtsverteidigerin ist internationale Aufmerksamkeit meine einzige Lebensversicherung.”

Wahl 2013 – Illusion oder neue Hoffnung?

Im November 2013 wird in Honduras nun wieder gewählt: Mit dabei die neu gegründete Linkspartei LIBRE und Präsidentschaftskandidatin Xiomara Castro, die Ehefrau des weggeputschten Mel Zelaya. Sie sorgen für neue Hoffnung, aber auch für die Befürchtung, dass die Gewalt gegen die Opposition in den nächsten Monaten noch mehr zunehmen wird. Fünf LIBRE-Kandidaten wurden bereits während der Vorwahlen ermordet.

Auch die honduranische Medienlandschaft erlebt derzeit einen Wandel, wie die Journalistin Nina Kreuzinger erklärt: “Die Medien der mächtigen Familienclans sind seit dem Putsch nicht mehr glaubwürdig. Die Zukunft gehört den alternativen Medien in Honduras – wenn sie die nächsten sechs Monate überleben.”

Zu den Podiumsteilnehmerinnen:

 

Dina Meza
(*1962) studierte ab 1986 Journalismus an der staatlichen Universität von Honduras. Aktuell arbeitet sie für das Onlineportal Defensores en Línea (Menschenrechtsverteidiger Online) und das Radioprogramm Voces contra el Olvido (Stimmen gegen das Vergessen). Beide sind alternative Medien der Menschenrechtsorganisation Comité de Familiares de los Detenidos y Desaparecidos (COFADEH), die sich für die Familien von Festgenommenen und danach Verschwundenen sowie auch für den Schutz bedrohter Journalisten in Honduras einsetzt.

2007 wurde Meza von Amnesty International mit dem Preis für „Journalismus in Bedrohungssituationen” ausgezeichnet. Diese Anerkennung erhielt sie für Nachforschungen zu privaten Sicherheitsdiensten im Rahmen ihrer Tätigkeit für das Internet-Magazin Revistazo, die sie trotz Einschüchterungs-versuchen weiterführte. Aufgrund einer neuerlichen Bedrohungswelle im vergangenen Jahr lud die Universität York (England) Meza zu einem Exilaufenthalt ein. Seit Januar bis Ende April 2013 nimmt sie nun in York an einem Programm für MenschenrechtsverteidigerInnen teil.

 

cofadeh.org, defensoresenlinea.com

 

Nina Kreuzinger ist Journalistin, Fotografin und Filmmacherin. Sie arbeitet seit 1997 für Tageszeitungen und Nachrichtenmagazine (u.a. Die Presse, Wiener Zeitung, Format, News).

Andrea Lammers war nach ihrem Studium zunächst in Bayern als Journalistin. Tätig. Als Menschenrechtsbeobachterin war sie für peace brigades international in Guatemala tätig.

 

Lammers und Kreuzinger nahmen im Sommer 2012 an einer zweimonatigen Delegationsreise in Honduras teil. Zurückgekehrt arbeiten sie und ihre KollegInnen via medialer Berichterstattung und Informationsveranstaltungen im speziellen an der Bewusstmachung der kritischen Situation in Honduras.

 

hondurasdelegation.blogspot.com

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