Griechenland: Behörden müssen Journalisten schützen

Griechenland: Behörden müssen Journalisten schützen

Griechenland: Behörden müssen Journalisten schützen

Reporter ohne Grenzen (RSF) ist bestürzt über die jüngsten Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten in Griechenland und fordert die griechischen Behörden dazu auf, Medienschaffende besser vor Attacken zu schützen.
 
Die griechische Bevölkerung scheint angesichts der steigenden Zahl der Flüchtenden zunehmend polarisiert. Journalisten, die über die Krise berichten, sind immer häufiger Bedrohungen und Übergriffen ausgesetzt. Außerdem verurteilt RSF die Eingriffe bei der Berichterstattung durch den öffentlich-rechtlichen Fernseh- und Radiosender ERT.
 
“Die Übergriffe auf Medienschaffende in Griechenland sind Ausdruck einer generellen Wut, die auch durch die hetzerischen Reden von  internationalen Politikern und Rechtsnationalisten geschürt wurde”, sagt Rubina Möhring, Präsidentin von Reporter ohne Grenzen (RSF) Österreich. Aus den rechtsextremen Strömungen in der griechischen Bevölkerung sei inzwischen eine Gruppe gewaltbereiter Querulanten erwachsen, die sich außerhalb demokratischer Schranken sehe und Selbstjustiz praktiziere. “Dass Medienschaffende öffentlich attackiert werden, ohne dass die griechischen Behörden einschreiten, ist ein Armutszeugnis für einen Mitgliedsstaat der EU,” so Möhring. Zudem sei die Aussetzung des Asylrechts in dieser entscheidenden Situation Anzeichen einer völligen Überforderung und Ratlosigkeit. “Angesagt ist Menschlichkeit und humanitäre Hilfe seitens der EU-Staaten.”
 
Am Sonntag haben Rechtsextreme den deutschen  Foto- und Videojournalisten Michael Trammer auf Lesbos angegriffen, als er Fotos von einem ankommenden Flüchtlingsboot machen wollte. Sie schlugen auf ihn ein und warfen seine Kamera ins Wasser. Er zog sich eine Platzwunde und mehrere Prellungen zu. Laut Trammer war keine Polizei vor Ort. Ebenfalls am Sonntag wurde Giorgos Christides, Journalist für den Spiegel, von rechtsradikalen Aktivisten attackiert und sein Auto mit Holzstöcken beworfen. Er konnte mit seinem Auto durch die errichteten Straßensperren flüchten.
 
Am Montag sind der Fotograf Julian Busch und die Journalistin Franziska Grillmeier auf der Insel Lesbos von Rechtsradikalen mit Steinen und Holzstücken beworfen worden, als sie mit ihrem Auto auf dem Weg zum Flüchtlingslager Moria waren. Sie versperrten ihnen den Weg zur Durchfahrt an der Küstenstraße, versuchten auf das Auto zu springen, Fenster einzuschlagen und Türen aufzureißen. Laut Busch ist die Berichterstattung von der Insel kaum noch möglich. Besonders nachts könne man nicht mehr das Haus verlassen, da rechtsradikale Gruppierungen selbst Straßensperren errichtet hätten und Journalistinnen und Journalisten gezielt angreifen würden. Die Polizei sei mit der Situation überfordert und handele meist nicht. Zudem gebe es Gerüchte, dass Einheimische Fotos von Medienschaffenden und den Kennzeichen ihrer Autos machen würden.
 
Eskalation kündigte sich an

Als rechtsradikale Aktivisten vor einigen Wochen den Deutsche-Welle-Korrespondenten Thomas Jacobi bei einem Protest in Athen angriffen, wies Reporter ohne Grenzen bereits auf die Gefahr hin, die Rechtsradikale in Griechenland für Medienschaffende darstellen. Die Angreiferinnen und Angreifer prügelten minutenlang auf Jacobis Gesicht ein, zerstörten seine Mobiltelefone und raubten ein Aufnahmegerät. Die bei der Demonstration anwesende Polizei griff nach Jacobis Schilderung nicht ein. Reporter ohne Grenzen geht weiteren möglichen Vorfällen nach.

Griechischer Sender schränkt Berichterstattung ein

Der griechische öffentlich-rechtliche Fernseh- und Radiosender ERT schränkt zudem die Berichterstattung über die aktuelle Situation auf den griechischen Inseln ein. Berichte von den Inseln über Zusammenstöße zwischen Anwohnerinnen und Anwohnern und der Polizei können von regionalen Korrespondentinnen und Korrespondenten ohne die Zustimmung der Geschäftsführung nicht mehr auf der ERT-Webseite veröffentlicht werden. Die Eingriffe begannen, als ein Reporter einen Artikel über die mehrtägigen gewalttätigen Zusammenstöße auf Lesbos wegen der dort neu errichteten Flüchtlingslager veröffentlichte und sich weigerte diesen auf Bitte der Geschäftsführung zu entfernen. Bis dahin konnten die regionalen Korrespondentinnen und Korrespondenten ERTs selbst ihre Artikel auf der Webseite veröffentlichen. Der Nachrichtenchef von ERTYiannis Daskalakis, bestätigte dem Direktor des Regionalradios, Michalis Messinis, diese neue Regelung.

Auf der Rangliste der Pressefreiheit steht Griechenland auf Platz 65 von 180 Ländern. 

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