Frauen in Politik und Medien – Eine Momentaufnahme

Frauen in Politik und Medien – Eine Momentaufnahme

Frauen in Politik und Medien – Eine Momentaufnahme

Fotografie: Mathias Zojer

„Zurück an den Herd oder ein Leben im Scheinwerferlicht?“ lautet eine der existentiellen Fragen, die sich Frauen in Politik und Medien auch heute wieder verstärkt stellen müssen.

Dies vor allem, nachdem die außenrechts-konservative Regierung Kurz offenbar in ihrer nur knapp eineinhalb Jahre dauernden Amtszeit gesellschaftspolitisch das Rad der Zeit, wie es schien, hatte zurückdrehen wollen. Was ist bereits geschehen und was muss in absehbarer Zeit geschehen, damit Frauen gleichberechtigt in Politik und Medien vertreten sind? Diese Fragen diskutierte Rubina Möhring, Präsidentin von Reporter ohne Grenzen, mit der Nationalratsabgeordneten Irmgard Griss (Neos), Eva Konzett, Redakteurin beim „FALTER“, Daniela Kraus, Generalsekretärin des Presseclub Concordia, Ulrike Lunacek, frühere Vizepräsidentin des EU-Parlamentes (die Grünen), und Maria Windhager, Medienanwältin auf dem Podium im Haus der Europäischen Union.

Bei den bevorstehenden Nationalratswahlen am 29. September stehen erstmals drei Frauen als Spitzenkandidatinnen zur Wahl, wobei primär das Match zwischen den beiden großen Volksparteien, der SPÖ, die mit Pamela Rendi-Wagner erstmals eine Frau an der Spitze aufweisen kann, und der ÖVP, wieder unter Sebastian Kurz, mit Spannung erwartet wird.

“Die Zeichen für Frauen in der Politik sind ermutigend”, so Sabine Berger, die für die Europäische Kommission den Abend eröffnete. Österreich wird seit einigen Monaten erstmals von einer Frau als Bundeskanzlerin regiert und mit dem Frauenanteil im Parlament steht Österreich im EU-Schnitt an fünfter Stelle. Auch die Kommission der Europäischen Union werde mit Ursula von der Leyen erstmals von einer Frau geleitet. 13 von 27 Kommissionsmitglieder sollen nach aktueller Planung Frauen sein, mit Christine Lagarde wird auch die europäische Zentralbank unter weiblicher Führung stehen.

„Der Frauenanteil in der Politik spiegelt sich jedoch nicht in der politischen medialen Berichterstattung wider,“ sagt Berger und verweist auf eine diesbezügliche Media Affairs Studie. „Einerseits tut sich etwas in Sachen Gleichstellung“, so Berger, „andererseits gibt es viele Herausforderungen, die sich nicht oder nur schwer durch rechtliche Maßnahmen lösen lassen, wie zum Beispiel öffentliche Anfeindungen gegenüber erfolgreichen Frauen.“

„Ich habe die größte Bewunderung für alle Frauen, die sich die Politik antun“, sagt Maria Windhager, ihres Zeichens Medienanwältin mit Klientinnen wie Sigi Maurer und Lena Jäger, die gegen Hasspostings im Netz gerichtlich vorgehen. Windhager selbst würde nie in die Politik gehen wollen, es sei für sie erschreckend in welch „gehässigem Umfeld“ man sich als Person der Öffentlichkeit bewege, davon betroffen sind Journalist*innen ebenso wie Politiker*innen. „Für mehr Respekt und einen besseren Diskurs einzutreten ist wirklich notwendig, sonst ist die Frage: wer tut sich das noch an?“

Irmgard Griss wagte vor etwa vier Jahren den Schritt in die Politik. Ihrer Präsidentschaft des Obersten Gerichtshofes folgte 2016 eine Bundespräsidentschaftskandidatur, im ersten Wahlgang konnte die Quereinsteigerin dort beinahe 19 Prozent der Wählerstimmen für sich beanspruchen. Danach wechselte die unabhängige Kandidatin Griss zu den Neos, 2017 kandidierte sie am zweiten Listenplatz für den Nationalrat und sitzt nunmehr seit zwei Jahren im Hohen Haus. „In dieser kurzen Zeit, die ich jetzt im Parlament bin, ist mein Respekt und meine Achtung vor Menschen, die in die Politik gehen und das auch nach bestem Wissen und Gewissen machen, viel größer geworden. Es ist eine gewaltige Herausforderung,“ sagt Griss. „Sich dann wirklich selbst treu bleiben zu können, sich selbst in den Spiegel schauen zu können, das ist nicht einfach.“ Im aktuellen Wahlkampf ist im Rahmen der ans Tageslicht gekommenen Skandale wie dem Ibiza-Video insbesondere das Ansehen der Politik tief gesunken, Politiker*innen werden in der Wahrnehmung der Bevölkerung nun als „eh alle gleich“ und verallgemeinernd als korrupt angesehen.

„Was ich schon immer sehr schwer gefunden habe, war die Gratwanderung dazwischen, wie hart oder wie nett ich bei öffentlichen Auftritten sein kann“, sagt Ulrike Lunacek. “Immer lächeln ist nicht gut, aber bei zu hartem und klarem Auftreten wird man als Frauen schnell als Bissgurre bezeichnet.“ Lunacek ist seit etwa 25 Jahren in der Politik. Von 1999 bis 2009 war sie Nationalratsabgeordnete der Grünen, als Delegationsleiterin wechselte sie daraufhin ins Europäische Parlament. 2014 wurde sie zur Vizepräsidentin desselbigen ernannt, nach ihrer missglückten Kandidatur für die Grünen bei der Nationalratswahl 2017 legte sie alle Ämter und Funktionen zurück und zog sich aus der aktiven Politik zurück. Ihre Homosexualität, die sie bereits 1980 öffentlich machte, war in ihrer Laufbahn ebenso Grund für verächtliche Betrachtungen von Außen, wie ihr Geschlecht. „Ihr müsst euch wappnen gegen so etwas“, sagt Lunacek. Besonders Hasskommentare und Anfeindungen solle man nicht selbst lesen. Als Person im öffentlichen Rampenlicht muss man sich einen persönlichen Schutz aneignen, um diese Meinungen und Nachrichten nicht an sich herankommen zu lassen.

„Wir müssen uns alle gemeinsam dafür einsetzen, dass dieser Tonfall nicht akzeptiert und letztendlich nicht geführt wird“, so Daniela Kraus. Die Generalsekretärin des Presseclub Concordia weist auf den mangelnden Frauenanteil in den Führungsetagen der Medienhäuser hin, aktuell ist mit Martina Salomon lediglich eine Frau Chefredakteurin einer österreichischen Tageszeitung.

„Um mehr Frauen in die Politik zu bringen würden rechtliche Maßnahmen durchaus helfen“, meint Ulrike Lunacek. Eine 50:50 Quote in den Clubs, die bei Nichteinhaltung auch sanktioniert würde, wäre essentiell „um gleiche Teilnahme und Teilhabe zu verwirklichen.”

„Wir Frauen sind da selbst auch mehr gefordert“, sagt Maria Windhager. Viel zu oft liegt das Ausbleiben beruflichen Erfolgs an den Frauen selbst und an ihren Ängsten und Befürchtungen. „Das ist auch eine Kritik an den Frauen“, so Windhager.

„Wir können nicht immer unser eigenes Nicht-Fortkommen auf strukturelle Begebenheiten ummünzen“, sagt Eva Konzett, ehemalige Redakteurin beim Wirtschaftsblatt und seit Beginn dieses Jahres bei der Wochenzeitung Falter. Strukturelle Missstände in den Bereichen Kinderbetreuung und Teilzeitarbeit sind noch immer relevant für die gesellschaftliche Schieflage zwischen Männern und Frauen, letztere sollten sich aber auch stärker vernetzen und sich Räume erschließen, in denen sie solidarisch sein können.

Hier gilt es für die zukünftige Regierung, neue Akzente zu setzen und Frauenpolitik wieder zu einem relevanten und präsenten Thema der politischen Debatte zu machen.

 

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