Doppelmord an Menschenrechtsktivist und Journalistin zieht weitere Kreise

Doppelmord an Menschenrechtsktivist und Journalistin zieht weitere Kreise

Der Mord am Menschenrechtsaktivisten Stanislav Markelov und der Journalistin Anastasia Baburova vom 19.Januar scheint tiefere Kreise zu ziehen. Eine Fact-Finding Mission” vor Ort von Reporter ohne Grenzen zeigt Verbindungen zu einem Mordversuch an dem Zeitungsredakteur Mikhail Beketov von der Zeitung Khimkinskaya Pravda im November letzten Jahres.

“Auch wenn es keine Beweise gibt, so haben wir doch starke Hinweise darauf, dass der pics.1-2-3.jpgDoppelmord im Zusammenhang mit dem Mordversuch an Mikhail Beketov steht. Wir fordern von den Verantwortlichen, diesen Hinweisen bei ihren Untersuchungen nachzugehen”, so die Organisation, die kürzlich einige Vertreter nach Russland entsandte, um den Ermordeten zu Gedenken und den Gründen der Hinrichtung nachzugehen.


Journalisten in Russland haben es vor allem in den ländlichen Gegenden schwer, stellt Reporter ohne Grenzen fest: in den Provinzen sind sie lokalen Autoritäten ausgeliefert, die sie mundtot zu machen versuchen. Gleichzeitig fehlen journalistische Ressourcen, wie sie in der Großstadt Moskau vorhanden sind.

Mikhail Betekov, der Redakteur der Zeitung Khimkinskaya Pravda aus der Moskauer Satellitenstadt Khimki, befindet sich immer noch im Krankenhuaus. Sein Gesundheitszustand ist weiterhin schlecht. Er wurde am 13. November vor seinem Haus zusammengeschlagen. Als Journalist hatte er sich gegen eine geplante Verkehrsstraße ausgesprochen, die durch einen Wald bei Khimki führen sollte – ein Projekt, für das sich die lokale Stadtverwaltung ausgeprochen hatte.

Der Bürgermeister Vladimir Strelchenko brachte ein Verfahren gegen Beketov ein, nach dem Beketov eine Million Rubel zahlen soll (ca 25.000 Euro). Der kürzlich getötete Markelov war Beketovs Anwalt.

Höchstwahrscheinlich teilte Betekov einen Großteil seiner Informationen über die Machenschaften der Stadtverwaltung von Khimki mit dem Anwalt Markelov, vermutet Elena Kostyuchenko von der Zeitung Novaya Gazeta. Zur Zeit des Mordanschlags auf ihn stand Betekov kurz vor der Veröffentlichugn eines Berichtes über die wirtschaftlichen Aktivitäten der Familie von Galina Ragina, der Frau des Bürgermeisters. Auf diese Weise können nun weder der Journalist Betekov noch der Anwalt Markelov etwas zur öffentlichen Diskussion beitragen, die im Vorfeld der lokalen Whalen am ersten März in Khimki stattfinden solte.

Die einzige Oppositionskandidatin, Evgenia Chirikova von der Khimki Waldschutzorganisation, bekam ein Verbot, sich zur Wahl zu stellen. Sie erhielt auch einige SMS mit Bedrohungen.

Auch die Medien sind von den politischen Spannungen in Khimki betroffen. Der Sender TV Tsentr zeigte am 12. und 13. Januar eine Reportage über die Situation in Khimki und die Attacken auf Jorunalisten – doch konnte das niemand im Ort sehen. Der normale Empfang über Satellit wurde an beiden Tagen unterbrochen.

Ausgaben der Zeitung Rossiskaya Gazeta, die Berichte über Betekov enthielten, wurden in Khimki nicht geliefert. Neben der Zeitung Khimkinskaya Pravda gibt es in Khimki eine weitere unabhängige Zeitung, Grajdanskoye Sogloasiye. Dessen Redakteur,Anatoli Yurov, wurde ebenfalls Opfer eines Gewaltverbrechens. Sogloasiye erhielt weder den von ihm angefragten Personenschutz, noch wurde das Verbrechen aufgeklärt.

Der Menschenrchtsaktivist Markelov arbeitete noch an einigen anderen Fällen, die ebenfalls Motive für den Mord an ihm sein könnten. So hatte er kurz vor seinem Tod auf einer Pressekonferenz seine Berufung gegen ein Urteil angekündigt, nach dem der frühere Oberst Yuri Budanov, der für den Mord an einer Tschetschenin im Jahr 2003 zu 10 Jahren Gefängnis verurteil wurde, frühzeitig freigelassen werden sollte. Auch in diesem Fall gab es bereits drohende SMS. Auch mit anderen Fällen,die er  bearbeitete, machte er sich Feinde, beispielweise auch in seinem Widerstand gegen rechtsextreme Gruppierungen.

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