Internationaler Tag der Verschwundenen

Internationaler Tag der Verschwundenen

Die meisten Journalisten werden in Mexiko vermisst

Zum 26. Internationalen Tag der Verschwundenen am 30. August erinnert Reporter ohne Grenzen (ROG) an die Dutzenden von Journalisten, die weltweit vermisst werden. Eines der gefährlichsten Gebiete bleibt Mexiko. Dort werden seit dem Jahr 2000 mindestens acht Journalisten vermisst. Sri Lanka, Iran und Eritrea sind weitere Beispiele für Länder, in denen Journalisten verschwunden sind.

Häufig haben die verschwundenen Reporter zu heiklen Themen wie Korruption, Amtsmissbrauch oder Drogenhandel rechercherchiert und brisante Informationen zutage gefördert. Die meisten Fälle des ‘Verschwinden lassens’ bleiben unaufgeklärt. Oftmals dürften jedoch Sicherheitskräfte oder kriminelle Gruppen mit den Verbrechen in Verbindung stehen.

“Wir fordern die Behörden auf, die Fälle von verschwundenen Journalisten ernst zu nehmen und die zumeist überfälligen Ermittlungen einzuleiten”, fordert ROG. “Es ist vor allem nicht hinzunehmen, das weiterhin auch Staatsagenten oder Lokalpolitiker für das ‚Verschwinden lassen’ verantwortlich sind. Wir appellieren an die Staaten, die die UN-Konvention zum ‚Schutz vor erzwungenem Verschwinden’  unterschrieben haben, den Vertrag auch zu ratifizieren, damit er in Kraft tritt”, so ROG weiter.


ROG-Vertreter trafen während einer Untersuchungsmission in Mexiko im Juli 2009 unter anderem mit Familien der beiden verschwundenen Journalisten Mauricio Estrada Zamora und José Antonio García Apac zusammen: Zamora wird seit dem 12. Februar 2008 vermisst. Er ist ein ehemaliger Mitarbeiter der Tageszeitung La Opinión de Apatzingán im Bundesstaat Michoacán im Südwesten des Landes – ein Gebiet, in dem Kriminalität und Drogenhandel stark verbreitet sind. Nach Angaben der Leitung von La Opinión de Apatzingán hatte Zamora wenige Wochen vor seinem Verschwinden einen Artikel über einen Agenten der Föderalen Ermittlungsagentur veröffentlicht. Der Behördenvertreter habe darauf wütend reagiert.

In Michoacán lebte und arbeitete auch José Antonio García Apac. Seit dem 20. November 2006 ist der frühere Herausgeber der Wochenzeitung Ecos de la Cuenca als vermisst gemeldet. Apac hatte unter anderem zum Drogenhandel in Michoacán recherchiert.  Am Tag seines Verschwindens verließ Apac nach Informationen eines Kollegen um 19.15 Uhr das Büro, um zu einer Verabredung zu fahren. Um 19.30 Uhr erhielt Apacs Sohn einen Anruf seines Vaters. Stimmen im Hintergrund, die den Journalisten aufforderten, sein Handy auszuschalten, unterbrachen das Gespräch. Seitdem gibt es kein Lebenszeichen mehr von Apac.

In Sri-Lanka ist Vadivel Nimalarajah, Mitarbeiter des tamilischen Tagesblatts Uthayan in Jaffna im Norden des Landes, seit dem 17. November 2007 als vermisst gemeldet. Die Zeitung Uthayan ist für ihre regierungskritische Haltung bekannt. Nimalarajahs Kollegen vermuten, dass der Journalist auf dem Heimweg von der Arbeit entführt wurde.

Sri-lankische Behördenvertreter begegnen Fällen wie diesen häufig mit großer Gleichgültigkeit – die Täter werden nicht ermittelt oder gehen straffrei aus.

Im Iran wird seit August 1998 Pirus Dawani, Chefredakteur der Zeitung Pirus, vermisst.

In Eritrea sind seit einer Verhaftungswelle im September 2001 mehrere Journalisten verschwunden. Die Regierung weist Annahmen, nach denen sich die Berichterstatter in Gefängnissen befinden, zurück.

Der internationale Tag der Verschwundenen geht zurück auf eine Initiative eines Verbandes von Verwandten Inhaftierter und Verschwundener in Lateinamerika “FEDEFAM”.

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