Morddrohung an ukrainischen Journalisten

Reporter ohne Grenzen ist schockiert angesichts der indirekten, doch wenig verschleierten Morddrohung gegen den unabhängigen ukrainischen Journalisten Serhiy Leschtschenko. Der PR- Berater Vyacheslav Pikhovschek, ein Unterstützer des ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch, hatte einen aggressiven Text in der regierungsnahen Zeitung "Izvestiya v Ukrayine" veröffentlicht, in der er die Ermordung des kritischen Journalisten nahelegt.

In seinem hetzerischen Artikel vom 26.Januar schreibt Pikhovshek er sei "besorgt" um Leschchenkos Solidarität gegenüber dem ermordeten Journalisten und Gründer einer kritischen Nachrichtenwebseite, Georgiy Gongadze. Leschtschenko sei ein geeigneter Kandidat, um als nächstes ermordet zu werden, so Pikhovshek.


Leschtschenko gilt als einflussreicher Journalist, der schon viele Artikel zum Thema Korruption in der Ukraine verfasst hat. Insbesondere die Nachrichtenwebseite "Ukrayinska Prawda" veröffentlicht seine Texte. Dessen Gründer Georgiy Gongadze wurde im September 2000 Opfer eines Mordanschlags.

"Solche Kommentare sind sehr gefährlich", so Reporter ohne Grenzen. "Die Ankündigung, Leschtschenko könne bald dasselbe Leid widerfahren wie Gongadze, kann und muss als indirekte Morddrohung behandelt werden", so ROG weiter. Insbesondere sei der Vergleich mit dem Mord an Gongadze heikel, weil die Hintermänner dieses Mordfalls auch nach 10 Jahren nicht zur Rechenschaft gezogen wurden. Auch dass dieser Kommentar von einer regierungsnahen Person komme, mache ihn brisant und einschüchternd, so ROG.

Leschtschenkos Antwort auf den Artikel wollte die "Izvestiya v Ukrayine" erst nach Bereinigung von jeglicher Kritik an der Regierung drucken. Dies verweigerte Leschtschenko jedoch, mit der Begründung, es gebe nach europäischen demokratischen Prinzipien ein Recht auf eine Erwiderung eines solchen Artikels, die die Zeitung ohne jegliche Zensur drucken sollte.

Zum Originaltext in englischer Sprache >>
16.02.11 12:01 |

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