Mexiko: Zwei Journalistinnen durch organisiertes Verbrechen bedroht

Mexico_Journalistinnen.jpgIn den letzten Tagen wurden in Mexiko zwei Journalistinnen aufgrund ihrer journalistischen Arbeit bedroht. Olga Wornat, eine in Mexiko arbeitende argentinische Journalistin, verließ bereits letztes Jahr das Land wegen früherer Drohungen. Sie erhielt die Drohungen wegen ihres in Kürze erscheinenden Buches über den scheidenden Präsidenten Felipe Calderon. Ein Exzerpt daraus wurde soeben im "Playboy Mexico" veröffentlicht und auch dessen Herausgeber, Gabriel Bauducco, wurde in den letzten Tagen "gewarnt".

Die unabhängige Journalistin Lydia Cacho ist Autorin des 2010
erschienenen Buches "Slaves of Authority" (Sklaven der Autorität), das
über den Handel mit Frauen und Kindern in Lateinamerika berichtet. Nach
erneuten Drohungen Anfang des Monats beschloss nun auch sie, sich eine
Weile ins Ausland abzusetzen.



In beiden Fällen wurden Journalistinnen eingeschüchtert und bedroht, die
Aktivitäten des organisierten Verbrechens und dessen starke politische
Verflechtungen in die höchsten Kreise aufdecken wollten. Der Fall der
beiden Journalistinnen zeigt die Notwendigkeit, das Rechtssystem Mexikos
einer gründlichen Überholung zu unterziehen. Straffreiheit muss bekämpft
und Menschen wirklich beschützt werden. Inzwischen kämpft Reporter ohne
Grenzen bei den mexikanischen Behörden um anständigen Schutz für die
beiden Frauen, um ihnen eine Rückkehr ins Land zu ermöglichen.

Wornat, deren Buch über Calderon "Felipe the Obscure" (Felipe, der
Undurchsichtige) titelt, erhielt Droh-emails am 2., 8. und 11. August.
Die letzte lautete: "Du siehst, dass dir niemand helfen wird. Nicht
einer dieser lausigen, kleinen Journalisten steht hinter dir." Und
weiters:"Du willst uns veräppeln mit diesem lächerlichen Artikel im
Playboy."
 
Das veröffentlichte Kapitel selbst fokussiert die Parlamentarierin Rosa
Maria de la Garza, ein Mitglied von Calderons National Action Party
(PAN), und ihren Mann, Alejandro Orozco, die als Pastoren der ultra-
konservativen evangelischen Sekte "La Casa sobre la Roca" (Das Haus auf
den Felsen) arbeiten. Laut Wornat fungiert das Ehepaar als Calderons
spirituelle Berater. Maria de la Garza steht im Parlament außerdem dem
Anti-Menschenhandel Komittee vor. In diesem Zusammenhang werfen ihr
jedoch mexikanische Medien vor, jene politisch auszubeuten, deren
Interessen sie schützen sollte.

Lydia Cacho erklärte gegenüber Reporter ohne Grenzen, dass sie beschloss
das Land zu verlassen, als sie über Funk eine Männerstimme Drohungen
gegen sie persönlich aussprechen hörte. Cacho möchte zwar wieder nach
Mexiko zurückkehren, jedoch wurden Schutzmaßnahmen wie sie von der
Inter-Amerikanischen Kommission für Menschenrechte 2009 festgelegt
wurden, bislang nicht innerhalb der mexikanischen Behörden implementiert.



Zum Originaltext in englischer Sprache >>
16.08.12 10:38 |

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