Doppelmord an Anwalt und Journalistin: Klima der Straflosigkeit in Russland

Reporter ohne Grenzen (ROG) ist entsetzt über die Ermordung des russischen Anwalts pics.1-1-2.jpgStanislaw Markelow und der Journalistin Anastasija Baburowa gestern in Moskau. Der Rechtsanwalt und die Mitarbeiterin der Zeitung Nowaja Gaseta wurden im Stadtzentrum auf offener Straße erschossen.

"Der Doppelmord ist eine Tragödie. Die Ursachen sind die anhaltende Gewalt in der russischen Gesellschaft  sowie ein Klima der Straflosigkeit: Die meisten Morde an Journalisten und Menschenrechtsaktivisten bleiben unaufgeklärt, die Täter entkommen straffrei", kritisiert ROG.

"Wir würdigen den großen Mut der beiden Mordopfer: Markelow hat auch zahlreiche Journalistinnen und Journalisten vertreten - darunter die im Oktober 2006 erschossene Anna Politkowskaja sowie den im November 2008 attackierten Michail Beketow. Russland verliert einen kühnen Anwalt, der die Interessen von Opfern von Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien verteidigte", so ROG.

"Die Journalistin Anastasija Baburowa berichtete unerschrocken über tabubehaftete Themen wie dem Ultranationalismus. Ihren Mut bewies die Journalistin auch, als sie versuchte, einzuschreiten, als Markelow niedergeschossen wurde", erklärt ROG.

"Die Behörden müssen die Täter dieser brutalen Morde finden und sie bestrafen. Nur so kann die Herrschaft der Straflosigkeit beendet und die Ermordung weiterer Journalisten, Anwälte und Menschenrechtsverteidiger in Russland verhindert werden", fordert ROG.

Stanislaw Markelow hat am Montag eine Pressekonferenz in Moskau gegeben. Bei der Veranstaltung hatte der 34-Jährige angekündigt, gegen die Freilassung von Oberst Juri Budanow Rechtsmittel einzulegen. Budanow war im Jahr 2003 zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt worden, weil er die Tschetschenin Elsa Kungajewa getötet hatte. Markelow verteidigte die Familie der getöteten 18-Jährigen.

Als der Anwalt gegen 14 Uhr in Begleitung von Anastasija Baburowa die Pressekonferenz verließ, wurde er auf offener Straße mit einem Kopfschuss von einem maskierten Mann getötet. Die Journalistin wurde ebenfalls am Kopf getroffen, als sie versuchte den Täter aufzuhalten. Baburowa starb wenige Stunden später an ihren Verletzungen.

Stanislaw Markelow hatte bereits mehrere Morddrohungen erhalten.

Der Generalstaatsanwalt Juri Tschaika hat die Leitung der Ermittlungen übernommen.

Am Tag des Doppelmordes wurde in Moskau auch der Prozess gegen die mutmaßlichen Mörder von Anna Politkowskaja fortgesetzt. Die ehemalige Mitarbeiterin der Nowaja Gaseta hatte unter anderem über Straftaten in Tschetschenien berichtet. Weder die Auftraggeber noch der mutmaßliche Schütze sind nach Ansicht von ROG unter den Angeklagten.

Zum Originaltext in englischer Sprache >>
21.01.09 8:24 |

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1 Comment

Unglaublich, welche Zustände da teilweise in Russland herrschen. Wenn man sich für seine rechtmäßige und ja auch so wichtige Arbeit schon in Sicherheit bringen muss, kann man sich ja ausmalen, wo das alles noch hinführen wird. Man kann nur hoffen, dass sich solche Machenschaften auf der Welt nicht weiter durchsetzen und Anwälte und Journalisten weiterhin ihrer wichtigen Arbeit nachgehen können!

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