Wie eine britische Zeitung gestern enthüllte,
enthält der Vertragsentwurf des Britischen Olympischen Komitees eine
Klausel, die es den Sportlern verbietet, während der Austragung der
Spiele Statements zu „politisch heiklen Themen" abzugeben. Sportler,
die Meinung mit politischen Kommentaren oder auch durch Kleidungsstücke
zum Ausdruck bringen, können dem Entwurf nach aus dem Team
ausgeschlossen werden. „Diese Klausel richtet sich vor allem gegen
Statements wie das Tragen eines Free-Tibet-T-Shirts", erklärte ein
Sprecher des BOA. Die Olympische Charta verbietet allerdings nur
„politische, religiöse und ethnische Propaganda" an den
Austragungsorten. Die BOA will für ihre Teammitglieder auch eigene
Medientrainings organisieren, in denen sie lernen sollen,
Journalistenfragen zu beantworten - vor allem solche, die die
Menschenrechte betreffen.
„Das ist symptomatisch für den
mangelnden Mut einiger derzeitiger offizieller Vertreter der
Olympischen Bewegung", so Reporter ohne Grenzen und Article 19. „Das
internationale Olympische Komitee äußert sich zur
Menschenrechtssituation in China ja auch überhaupt nicht - wieso
sollten es die nationalen Olympischen Komitees anders machen?"
„Das
Verhalten des BOA führt dazu, dass die chinesischen Behörden wie Opfer
aussehen, denen gegenüber jedes Wort auf die Waagschale gelegt werden
muss," so die beiden Organisationen weiter. „Das ist eine verkehrte
Welt. Die wahren Opfer sind die Tausenden politischen Häftlinge und die
rund hundert JournalistInnen, Internet-User und Blogger, die nur
deswegen im Gefängnis sitzen, weil sie ihre Meinung auf friedliche
Weise zum Ausdruck gebracht haben."
„Wenn die Athleten diese
Menschen unterstützen möchten, sollten sie das auch tun können. Wir
ermutigen sie dazu," so ROG und Article 19. „Die chinesische Regierung
verspottet die Olympische Charta jeden Tag, aber die Athleten sollen
sie aufs Wort genau befolgen? Das ist nicht gerecht."
Die
Olympischen Komitees Kanadas, der USA, der Niederlande und Belgiens
haben bereits bekannt gegeben, dass sie die Redefreiheit ihrer Athleten
nicht einschränken werden. Das Australische Komitee soll seine
Repräsentanten jedoch angeblich aufgefordert haben, die politische
Situation in China nicht zu kommentieren.
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