Britische Olympische Gesellschaft darf Redefreiheit der Athleten nicht einschränken

Die Pressefreiheitsorganisationen Reporter ohne Grenzen und Article 19 haben heute den Chef der Britischen Olympischen Gesellschaft (BOA), Simon Clegg, aufgefordert, jegliche Maßnahmen zu unterlassen, die zu einer Einschränkung der Redefreiheit der britischen Athleten während der Olympiade 2008 in Peking führen könnten.

Wie eine britische Zeitung gestern enthüllte, enthält der Vertragsentwurf des Britischen Olympischen Komitees eine Klausel, die es den Sportlern verbietet, während der Austragung der Spiele Statements zu „politisch heiklen Themen" abzugeben. Sportler, die Meinung mit politischen Kommentaren oder auch durch Kleidungsstücke zum Ausdruck bringen, können dem Entwurf nach aus dem Team ausgeschlossen werden. „Diese Klausel richtet sich vor allem gegen Statements wie das Tragen eines Free-Tibet-T-Shirts", erklärte ein Sprecher des BOA. Die Olympische Charta verbietet allerdings nur „politische, religiöse und ethnische Propaganda" an den Austragungsorten. Die BOA will für ihre Teammitglieder auch eigene Medientrainings organisieren, in denen sie lernen sollen, Journalistenfragen zu beantworten - vor allem solche, die die Menschenrechte betreffen.

„Das ist symptomatisch für den mangelnden Mut einiger derzeitiger offizieller Vertreter der Olympischen Bewegung", so Reporter ohne Grenzen und Article 19. „Das internationale Olympische Komitee äußert sich zur Menschenrechtssituation in China ja auch überhaupt nicht - wieso sollten es die nationalen Olympischen Komitees anders machen?"

„Das Verhalten des BOA führt dazu, dass die chinesischen Behörden wie Opfer aussehen, denen gegenüber jedes Wort auf die Waagschale gelegt werden muss," so die beiden Organisationen weiter. „Das ist eine verkehrte Welt. Die wahren Opfer sind die Tausenden politischen Häftlinge und die rund hundert JournalistInnen, Internet-User und Blogger, die nur deswegen im Gefängnis sitzen, weil sie ihre Meinung auf friedliche Weise zum Ausdruck gebracht haben."

„Wenn die Athleten diese Menschen unterstützen möchten, sollten sie das auch tun können. Wir ermutigen sie dazu," so ROG und Article 19. „Die chinesische Regierung verspottet die Olympische Charta jeden Tag, aber die Athleten sollen sie aufs Wort genau befolgen? Das ist nicht gerecht."

Die Olympischen Komitees Kanadas, der USA, der Niederlande und Belgiens haben bereits bekannt gegeben, dass sie die Redefreiheit ihrer Athleten nicht einschränken werden. Das Australische Komitee soll seine Repräsentanten jedoch angeblich aufgefordert haben, die politische Situation in China nicht zu kommentieren.



11.02.08 14:39 |

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