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Yücel durfte Türkei verlassen – jedoch lebenslange Isolierhaft für andere Journalisten

Was unterschied Yücel von den anderen festgenommen Journalisten in der Türkei? Den schwärzesten Tag der Pressefreiheit nannte “Reporter ohne Grenzen” den vergangenen Freitag. Der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel war zwar nach einem Jahr Untersuchungshaft freigelassen worden. Sechs andere Kollegen jedoch wurden am selben Tag zu verschärfter, lebenslanger Haft verurteilt. Absurd?

Was unterschied Yücel von den anderen festgenommen Journalisten in der Türkei? Neben der türkischen besitzt er auch die deutsche Staatsangehörigkeit. Er hat also einen starken politischen Player hinter sich, einen wichtigen Handelspartner und Rüstungslieferanten der Türkei. Yücel wolle keine politische Geisel sein, betonte er immer wieder. Er war natürlich doch eine.

Doch der Reihe nach. Freitagvormittag trifft der US-Außenminister Tillerson mit dem türkischen Präsidenten Erdogan zusammen. Zur Verbesserung der beidseitigen Beziehungen – auch als NATO-Partner -, nachdem im Zuge des gemeinsamen Konfliktes rund um Syrien Erdogan den USA eine “osmanische Ohrfeige” angedroht hatte, sollten sich US-Soldaten zwischen die Front zwischen türkischen und kurdischen Truppen stellen.

Was die osmanischen Ohrfeige bedeutet

Die osmanische Ohrfeige findet sich übrigens auch in heutiger Kampfsport-Rhetorik wieder. Sie bedeutet einen bisweilen sogar vernichtenden Schlag mit offener Hand in das Gesicht des Gegners. Osmanische Soldaten übten diese Ohrfeige aus, wenn sie weder Dolche noch Schusswaffen mehr hatten und perfektionierten diesen Schlag wiederum zu einer tödlichen Waffe. Das Ende des Osmanischen Reiches konnten jedoch auch diese Spezialeinheiten nicht aufhalten. Dennoch spielt der türkische Präsident nun gern mit dem Gedanken, ein Sultan zu sein.

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Neues Fotobuch für die Pressefreiheit

Wow, wir haben ein neues Fotobuch anzubieten: “Raymond Depardon and the Olympic Games – 100 Photos for Press Freedom”.

Der französische Fotograf zeigt Bilder von den Olympischen Spielen in Tokyo 1964, Mexiko City 1968, München 1972 und Moskau 1980. Wenn du es für 9,9 Euro zzgl Versandkosten bestellst, spendest du für Pressefreiheit! Sende für die Bestellung ein E-Mail.

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WEST GERMANY. Munich. US gymnasts. 1972.

WEST GERMANY. Munich. US gymnasts. 1972.

MEXICO. Mexico City. Olympic stadium. 3.000 meter steeplechase. 1968.

MEXICO. Mexico City. Olympic stadium. 3.000 meter steeplechase. 1968.

 

 

Neue Einschüchterungsversuche gegen philippinische Medien

Philippinische JournalistInnen organisieren regelmäßige Demonstrationen zur Unterstützung von angegriffenen Medienhäusern.

Philippinische JournalistInnen organisieren regelmäßige Demonstrationen zur Unterstützung von angegriffenen Medienhäusern.

Die philippinische Nachrichtenseite Kodao Productions ist nach Cyberangriffen seit 7 Tagen nicht mehr erreichbar. Reporter ohne Grenzen ist besorgt über diesen Schlag gegen die Pressefreiheit, bei der mutmaßlich ebenfalls die Regierung beteiligt ist – auch gegen katholische Radiosender.

„Site currently not available“ – viel mehr ist nicht zu lesen, möchte man die Kodao-Website aufrufen. Nach Cyberattacken ist es der Seite seit dem 1. Februar weder möglich, neue Artikel zu veröffentlichen, noch kann man vergangene Inhalte aufrufen.

Die Angriffe treten inmitten zunehmender Spannungen auf, in denen sich Anhänger des Präsidenten Rodrigo Duterte und deren Gegner, die seine hitzige Politik kritisieren, gegenüberstehen.

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Offener Brief an den Papst

Anläßlich des Papstbesuches seitens des türkischen Präsidenten Recep T. Erdogan haben sich italienische JournalistInnen und AutorInnen in einem offen Brief an Papst Franziskus gewandt.
Dies mit der Bitte,  gegenüber dem türkischen Präsidenten Erdogan für die in der Türkei willkürlich inhaftierten Journalistinnen und AutorInnen einzutreten. Hier der Wortlaut:

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Petition: FM4 soll bleiben!

Laut von Falter kolportierten Gerüchten, soll der Jugend- und Kulturradiosender FM4 von der schwarz-blauen Regierung 2019 eingestellt werden. Ein außerordentlicher Lenkungsausschuss dazu habe am 26. Jänner stattgefunden, anwesend seien unter anderem ORF-Chef Alexander Wrabetz, Medienmanager Pius Strobl und Radiodirektorin Monika Eigensperger gewesen. Begründet wird das mit Nichterfüllung des Bildungsauftrages.

Diese Entscheidung wollen wir verhindern, der Radiosender FM4 muss bleiben! Vielfältige Berichterstattung muss bleiben!

Gerade in Zeiten wie diesen, braucht es eine kritische Gegenöffentlichkeit, für die FM4 immer gestanden ist. Medien als kontrollierende Macht sind essentiell für eine funktionierende Demokratie. Meinungs- und Medienvielfalt sind wertvoll und schützenswert.

Reporter ohne Grenzen Österreich spricht sich deshalb gemeinsam mit #aufstehn gegen die Schließung von FM4 aus. Wenn Sie dabei helfen wollen, kritischen Medien eine laute Stimme zu geben, können Sie die Petition “FM4 soll bleiben!” unterzeichnen.

Petition hier unterschreiben 

Freiheitliche Einschüchterungsversuche gegen Journalisten in Österreich: Gezielte Kampagnen gegen unliebsame Berichterstattung

Freiheitliche Organisationen veröffentlichten Fotos und Emailadressen von Journalistinnen auf Social Media und rufen ihre Mitglieder dazu auf, den beiden die Meinung zu sagen – ein verabscheuenswürdiger Versuch, kritische BerichterstatterInnen einzuschüchtern. 

In den vergangenen Tagen haben freiheitlichen Nachwuchsorganisationen Fotos und Kontaktdaten von Journalistinnen im Netz veröffentlicht. Bei den Journalistinnen handelt es sich um Colette Schmidt, Innenpolitik-Redakteurin von der Tageszeitung Der Standard, sowie Hanna Herbst, Stellvertretende Chefredakteurin von Vice Austria.

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Nach Wahlen: Generalstreik und Demonstrationen in Honduras

Nachdem bei den Präsidentschaftswahlen in Honduras Amtsinhaber Juan Orlando Hernández nach umstrittener Auszählung und sogar verfassungswidriger Kandidatur als Präsident ausgerufen wurde, beruhigt sich die Lage nicht. Bisher hat die Regierung auf die Demonstrationen repressiv mit brutalem Einsatz des Militärs reagiert, mindestens 30 Menschen sind dabei schon ums Leben gekommen. Menschenrechtsorganisationen berichten von über tausend unrechtmäßigen Festnahmen und von Folter. AktivistInnen sind lebensbedrohlicher Gefahr ausgesetzt. Unabhängige Medien und Menschenrechtsorganisationen, die über Unstimmigkeiten bei der Wahl und die Proteste berichten, wie beispielsweise Padre Melo von Radio Progreso, sind zunehmend Diffamierungskampagnen und Morddrohungen ausgesetzt.

Am kommenden Wochenende (27.01.2018) soll Juan Orlando Hernández vereidigt werden, wogegen die ganze Woche ein Generalstreik und massive Proteste angekündigt sind. An diesem Wochenende wurde die Militarisierung des Landes nochmals verstärkt.

Die HondurasDelegation und die Christliche Initiative Romero verfolgen die Ereignisse in engem Austausch mit PartnerInnen vor Ort. Ihren Überblick über die wichtigsten Geschehnisse finden Sie hier.

Weitere Berichterstattungen zur Lage in Honduras:
Heise-Online, 12.Januar 2018
amerika21
The Guardian, 2. Januar 2018